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Dienstag, 20. Juni 2023

Rezension - der Fall Alaska Sanders

Perfektes Wetter für ein schattiges Plätzchen und gute Lektüre. Ihr braucht noch einen Tipp? Immer gerne: 

Leseempfehlung - Buchvorstellung  


Joël Dicker - Der Fall Alaska Sanders 


An der amerikanischen Ostküste, unweit des malerischen Städtchens Mount Pleasant 
Dicker Alaska Sanders ©PiperVerlag
wird 1999 die junge Alaska Sanders tot aufgefunden. Sie wurde Opfer eines Gewaltverbrechens, der ermittelnde Sergeant Gahalawood bringt den Fall zu einem raschen Abschluß.  

Elf Jahr später erreicht über verschlungene Pfade ein anonymer Brief den Sergeant. Hat er geholfen, einen Unschuldigen hinter Gitter zu bringen? Ist der damals Verurteilte wirklich Alaskas Mörder? Der Schriftsteller Marcus Goldman ist - wie so oft - zu Besuch beim Sergeant, er entdeckt sofort die Ungereimtheiten in der ursprünglichen Aufklärung des Falls. Eigentlich wollte Goldman seinen alten Mentor Quebert aufstöbern, zu lange hat er nichts von ihm gehört. Doch jetzt hat ihn das Jagdfieber gepackt und gemeinsam mit Galahawood beginnt er, die Fäden im cold case Alaska Sanders neu aufzurollen. 

Galahawood, Goldman, Quebert - kennen wir die nicht? Exakt. Wir kennen sie aus der "Wahrheit über den Fall Harry Quebert" und der "Geschichte der Baltimores"  Der Fall Alaska Sanders beschert uns ein Wiedersehen mit Charakteren, die wir nicht vergessen haben. Der Schweizer Schriftsteller Joël Dicker wurde wie sein Alter Ego Marcus Goldman als Wunderkind des Literaturbetriebs gefeiert. Neben den eigentlichen Plots der Fälle Harry Quebert und jetzt Alaska Sanders interessiert die schriftstellerische Entwicklung von Marcus Goldman den Leser mindestens ebenso.   

Das scheint auch Joël Dicker zu wissen. So bildet die Geschichte seines erfolgreichsten Protagonisten Goldman erneut den Rahmen für einen Thriller und die Möglichkeit für das Spiel mit mehreren Ebenen, welches Dicker mühelos beherrscht. Nichts dagegen, wenn ein Schriftsteller eine Figur über die Jahre immer wieder bemüht. Vor allem, wenn sie sich sichtbar weiter entwickelt. Darüber hinaus wollte sicher nicht nur ich gerne wissen, was nach den nicht gerade glücklichen Enden obengenannter Bücher aus Goldmans Mentor geworden ist, wie es Galahawood ergangen ist, ob es Neues von den Baltimores gibt. 

Diese Fragen werden alle zufriedenstellend beantwortet. Wenngleich die dafür notwendigen Rückblenden die Gefahr der Redundanz bergen. Natürlich geht es nicht ohne Rückschau, sonst könnte dieses Buch nicht für sich gelesen werden. Natürlich muss er hier Rücksicht nehmen auf die Leser, die die vorangegangen Bücher (noch) nicht gelesen haben. Aber Dicker läuft Gefahr, die Leser, die seine vorigen Bücher kennen, zu langweilen. Man will nicht ein und dieselbe Geschichte in dieser epischen Breite immer wieder lesen. Den Rückblenden hätte eine Straffung gut getan.  

Das ist aber auch schon das einzige Manko von Dickers neuem Roman. Beide Geschichten - die Rahmenhandlung und der eigentlich Plot um den Tod der Alaska Sanders - sind interessant konstruiert und in sich schlüssig. Plot-Twist ist eine der Stärken von Dicker. Er hält sich konsequent an sein Leitmotiv "nichts ist, wie es scheint" und schafft damit eine ganz besondere Spannung, die den Leser immer wieder auf Abwege führt. In der Mitte des Buches kommt kurz ein Verdacht (unter vielen) auf, der sich ganz zum Schluß bestätigt. Nachdem man ihn als Leser längst verworfen hat.       

Wie immer bei Joël Dicker begegnet man einer Fülle von Charakteren. Allen gemeinsam ist, dass sie auf der Suche sind. Keiner ist wirklich in seinem Leben angekommen. Aber ist man das überhaupt jemals? Anders als bei den Baltimores beschreibt Dicker diesmal seine Figuren oft mit Abstand, er überlässt dem Leser das Urteil. So schwankt man bei fast allen Charakteren zwischen Distanz und Idendifikation. Letzten Endes sind es nicht die Figuren, die den Leser tief in diesen Roman hinein ziehen. Es sind eher die Situationen, die er schafft. Situationen, die man kennt und vielleicht schon selbst erlebt hat. Umso dringender will man wissen, wie Dickers Protagonisten sie lösen. 

Joël Dicker hat einen ganz besonderen Schreibstil, flüssig, leicht zu lesen, aber mit einem eindringlichen Rhythmus, dem man unweigerlich folgt und dem man manche Länge verzeiht. Das einstige Wunderkind Marcus Goldman hat sich etabliert, mit ihm Joël Dicker.    

Rezension, der guten Ordnung halber gekennzeichnet als Werbung, unbezahlt. Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Piper Verlag zur Verfügung gestellt.  

Joël Dicker
Der Fall Alaska Sanders
Piper Verlag, Juni 2023 , alle Rechte auch des Covers dort.  
EAN 978-3-492-07196-3  -3 

Alle Rezensionen findet Ihr unter dem Label: Die geheime Kraft der Bücher  


2025: Neu erschienen im Februar 2025: Ein ungezähmtes Tier von Joel Dicker. Die Rezension findet Ihr im neuen Blog. Link nebenstehend ! 


Sonntag, 18. Juni 2023

Rezension - Miss Pinky und der tote Pastor

So. Liebeleins. Seit sehr langer Zeit gibt es wieder eine Buchvorstellung von mir. Ich habe Euch gefragt, Ihr habt es Euch gewünscht. Von daher wird es sie wieder in loser Reihenfolge ab und an geben. Die 

Buchvorstellung - Leseempfehlung 


Den Anfang macht eine perfekte Urlaubslektüre. Das Buch ist von der Autorin Caitlin Young, die ich auf Instagram kennengelernt habe. Ich freue mich sehr, dass sie mir ihr Buch zur Rezension* anvertraut hat. Los geht's: 

Miss Pinky und der tote Pastor  


Im verschlafenen Nest Hollowfield in England kennt jeder jeden. Höhepunkte des Gesellschaftslebens sind Teekränzchen und der sonntägliche Kirchgang. Gut, dass es Erin Lovejoy, genannt Miss Pinky, gibt. Die gebürtige Amerikanerin mischt das idyllische Leben mit ihren extravaganten Ideen auf. Doch dann geschieht etwas Schockierendes. Der nicht nur wegen seiner Attraktivität beliebte Pastor Gray Guss liegt eines Abends tot vor dem Altar. Damit nicht genug - in seiner Jackentasche steckt ein Liebesbrief. Von der eigentlich glücklich verheirateten Miss Pinky! Hat sie etwa ein dunkles Geheimnis? Oder gar etwas mit dem Tod des Pastors zu tun? Miss Pinky ist nicht nur laut und extravagant, sie ist auch taff. Die durchs Dorf wabernden Gerüchte will sie nicht auf sich sitzen lassen. Kurz entschlossen nimmt sie die Ermittlungen in die eigene Hand und fördert so manches Geheimnis zutage. Wird sie auch den Tod des Pastors aufklären? 

Idyllisches Hollowfield  


Caitlin Young hat mit "Miss Pinky und der tote Pastor" einen Wohlfühlkrimi geschrieben, 
©CaitlinYoung Miss Pinky und der tote Pastor
der sich perfekt als Urlaubslektüre eignet. Spannend genug, um auf der Liege am Strand nicht einzuschlafen. Cozy genug, um nicht den wohlverdienten Nachtschlaf zu rauben. Flüssig geschrieben nimmt sie uns mit in eine vermeintlich idyllische Kleinstadtwelt. Schnell fühlt man sich wohl in Hollowfield und würde selber gerne mittratschen beim Teekränzchen.      

Oder trügt die Idylle? 

Bei diesen Kränzchen lernt man die Bewohner Hollowfields besser kennen. Caitlin Young zeichnet ihre einprägsamen Charaktere mit viel Liebe, aber auch mit einem leichten Augenzwinkern. Die Aufklärung des Falls treibt sie humorvoll, aber nicht klamaukig voran. Die Wendungen sind überraschend, aber schlüssig. Bei allen Wohlfühlmomenten schafft sie es, genug Spannung aufzubauen, um die Lösung unbedingt erfahren zu wollen. Geschickt webt sie unterschwellig ein wenig nachdenkliche Gesellschaftskritik ein. Dabei kommt sie ganz ohne erhobenen Zeigefinger aus, was heutzutage schon eine erwähnenswerte Kunst ist. Sie hat Verständnis für ihre Charaktere, zeigt aber auch, wie schnell Mißtrauen in einen in sich abgeschlossenen Mikrokosmos einzieht. Gerade, wenn eine(r) nicht in eingeübte Gesellschaftsmuster passt. 

Nur eine Frage bleibt offen 

Fazit: Ich habe diesen Krimi sehr gerne gelesen und empfehle es gerne als unkomplizierte, aber nicht seichte Urlaubslektüre. Ich war gerne in Hollowfield und habe Miss Pinky begleitet. Das Buch findet ein befriedigendes Ende, bei dem nur eine einzige Frage offen bleibt: War es das schon für Miss Pinky oder wird sie in einem weiteren Fall ihren Spürsinn beweisen? Ich wäre gerne bei einem weiteren Fall als Leserin dabei.       

Caitlin Young 
Miss Pinky und der tote Pastor 
DP Verlag
ISBN 978-3-9877823-8-1

erhältlich als Taschenbuch und in den gängigen E-Book Formaten

*Vielen Dank an Caitlin Young für das Rezensionsexemplar und das zur Verfügung gestellte Cover-Foto. Ich habe dieses Buch an Bord gelesen und auf dem Boot gilt immer: Better safe than sorry. Auch für die Lektüre. Deshalb kennzeichne ich der gängigen Praxis folgend diese Rezension als: Werbung, unbezahlt. 

Alle Rezensionen findet Ihr unter dem Label Die geheime Kraft der Bücher 

Freitag, 2. Juni 2023

Rezension - die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

 Meine Rezension zu diesem Buch habe ich zuerst in der LiteraturzeitschriftPunktde veröffentlicht. Leider verschwand sie dort sehr schnell vom Radar. Auf mögliche Gründe gehe ich hier nicht ein. Vorbei ist vorbei. Ich nehme eine Rezension nie auf die leichte Schulter und mache mir damit immer viel Mühe. Zum einen möchte ich dem Autor dadurch zeigen, dass ich sein Werk zu schätzen weiß - auch wenn eine Rezi mal nicht so positiv ausfallen sollte. Zum anderen möchte ich als Viel-Leserin auch meinen Leser und Leserinnen das Medium Buch ans Herz legen. Ich freue mich, wenn meine Buchempfehlungen ein kleiner Wegweiser durch das Dickicht der vielen Bücher sind. Deswegen hole ich von nun an Rezensionen zu Büchern, die mir auch heute noch was bedeuten, nach und nach hervor und stelle sie hier neu ein. Alle Rezensionen findet Ihr unter dem Label Die geheime Kraft der Bücher 

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert von Joel Dicker 

Ein Shootingstar der Literaturszene. Eine Schreibblockade. Ein Mentor, der plötzlich eines Jahrzehnte zurückliegenden Mordes bezichtigt wird. So beginnt der Fall Harry Quebert, in dem wenig so ist, wie es scheint.

Wunderkind des Literaturbetriebs 

Mitte der Nuller Jahre ist Marcus Goldman der Überflieger des New Yorker Buchszene. Schon zu College-Zeiten firmierte er als “der Fabelhafte”, was allerdings weniger seinen tatsächlichen Qualitäten geschuldet war denn seiner unbestrittenen Begabung zur Hochstapelei. Nun aber ist er wirklich wer, er hat einen Bestseller geschrieben und wird überall gefeiert. Doch Ruhm ist vergänglich und er müsste nachlegen, wenn ihn nicht das Grundübel eines Schriftstellers befallen hätte: die gefürchtete Schreibblockade.

Der Ursprung des Übels 

So nimmt er nur zu gern die Einladung in das im idyllischen Küstenstädchen Aurora gelegene Haus seines früheren College-Professors Harry Quebert an, der ihm väterlicher Freund und Mentor in einem ist. Harry indes braucht bald selber Hilfe. In seinem Garten wird das Skelett der 1975 verschwundenen, damals 15jährigen Nola Kellergan gefunden. Harry hat vor 33 Jahren den Roman Der Ursprung des Übels publiziert, der als konkurrenzloser Maßstab der zeitgenössischen amerikanischen Literatur gilt. Doch Amerika muss plötzlich erkennen, das Werk ist tatsächlich nicht nur ein Ursprung. sondern auch ein Übel. Die darin thematisierte, vorgeblich fiktive Beziehung hat es tatsächlich gegeben, übler noch, die weibliche Protagonistin war minderjährig, sie war niemand anders als die Jahrzehnte lang verschwunden geglaubte Nola.

Die Wahrheit über den Fall 

Marcus Goldman erfuhr erst kurz vor dem Aufsehen erregenden Fund der leiblichen Überreste Nolas von den Hintergründen des immer bewunderten Buches seines Mentors. Was er indes nicht weiß, ist die Wahrheit über den Fall Harry Quebert. Es fällt ihm schwer genug, zu akzeptieren, dass der bewunderte Harry tatsächlich eine Minderjährige geliebt hat. Dass er auch noch ein Mörder sein soll, das kann und will er nicht glauben. Ungeachtet aller Drohungen und der nahenden Abgabefrist seines noch ungeschriebenen zweiten Romans nistet er sich in Harrys Haus ein, rauft sich mit dem Polizisten Gahalowood zusammen und trägt mit diesem gemeinsam Schicht für Schicht vom Berg möglicher Wahrheiten ab. Schließlich präsentiert er nicht nur einen Täter, sondern auch einen neuen Bestseller, den Fall Harry Quebert. Harry kommt frei, Marcus ist wieder ganz oben und alles könnte schick und schön sein.

Jeder sieht seine eigene Wahrheit  

Ist es aber nicht. Denn obwohl wir seit Oscar Wilde wissen, dass am Ende alles gut wird und es nicht das Ende ist, solange nicht alles gut ist, ist es hier umgekehrt. Bei Marcus, Gahalowood und Harry ist zwar alles gut, aber es ist leider nicht das Ende. Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert ist mindestens genauso vielschichtig wie der Blick der Protagonisten auf die Liebe. Die Wahrheit offenbart sich auch nach mehreren Blicken nicht recht und der wahre Täter ist noch lange nicht entlarvt. Denn bis zu diesem Punkt hat jeder nur die Wahrheit gesehen, die er sehen wollte. Marcus lässt der Fall keine Ruhe, er stochert weiter im wieder undurchdringlichen Dickicht und mit ihm der Leser.

Alles muss neu geschrieben werden 

Ein Buch wie ein Autounfall. Man will nicht hinsehen, tut es aber doch. Hier will man nicht glauben, dass es immer noch nicht das Ende ist, dass noch eine Wendung wartet und noch eine. Irgendwann denkt man auch, es sei jetzt mal gut gewesen, noch einmal will man nicht umdenken und man tut es doch. Kann man es doch selber gar nicht fassen, auf welches Glatteis man sich da vom Autor hat führen lassen. Unwiderstehlich ist der Sog, den dieses Buch ausübt, geradezu unfassbar die Menge an Drehungen und Wendungen, die dieser Plot nimmt. So viele Wahrheiten, Gewissheiten, die plötzlich keine mehr sind und die ständig neu geschrieben werden müssen. Man wartet förmlich darauf, dass der Autor sich in seinen eigenen Fallstricken verheddert.Tut er aber nicht, was diverse Wiederholungen in neuen Blickwinkeln untermauern.

Nicht nur eine Geschichte 

Unterteilt ist das Buch in 31 Kapitel, die den 31 Regeln entsprechen, welche Harry Quebert dareinst seinem Schüler Marcus Goldman für sein Schriftsteller-Leben an die Hand gab. Die Kapitel sind von hinten nach vorne nummeriert, was den Leser von vornherein darauf hinweist, wie weit zurück hier gegraben werden wird. Das Ganze ist flüssig geschrieben, mit einem sehr sicheren Gespür für Stimmungen, gerade auch weil man sich gelegentlich nicht in Aurora, sondern in Twin Peaks wähnt. Auffällig ist die Begabung des Autors für Dialoge, die Tonlagen seiner handelnden Personen hält er genauso mühelos wie die vielen Fäden seiner Geschichte. Letztendlich ist es auch nicht eine Geschichte, die er erzählt, sondern viele. Und auch wenn er den Kreis fulminant schließt, wir werden nie wissen, wo genau der Ursprung des Übels jetzt wirklich lag. 

So viele Geschichten 

Aber das sollen wir wahrscheinlich auch gar nicht. Nach Harrys Regeln sollte das letzte Kapitel eines Buches das schönste sein, dasjenige, nach welchem man das Buch mit tiefem Bedauern aus der Hand legt. Nun ist hier das letzte Kapitel nicht wirklich schön, es endet eben doch nicht gut. Trotzdem verabschiedet man sich schwer.

Subtilität ist nicht seine Stärke 

Bei aller Begeisterung gibt es ein paar kleine Abzüge in der B-Note: Ab und an trägt der Autor zu dick auf. Subtilität ist seine Stärke nicht durchgehend. Man nehme nur den Namen des jungen Mädchen. Nola – Lola. Man darf wohl noch froh sein, dass er sie nicht Nolita genannt hat. Und bitte – es reicht jetzt an ringenden oder boxenden Schriftsteller-Figuren. Das hat sich jetzt wirklich langsam auserzählt, es wird inflationär und erzeugt nicht mehr als ein genervtes Gähnen.

Joel Dicker und sein Alter Ego 

Joël Dicker lebt als Schriftsteller in der französisch-sprachigen Schweiz und seine Wahrheit über den Fall Harry Quebert ist sein zweiter Roman. Das Werk ist in der Schweiz bereits preisgekrönt und scheint sich auch in Deutschland in einer guten Auflage zu verkaufen. Durchaus zu Recht, denn der Fall Harry Quebert ist Unterhaltung im besten Sinne. Liebhaber von Betroffenheitsgeseiere sowie von stilpuristischen Thrillern werden nicht so ganz auf ihre Kosten kommen, aber die breite Masse dazwischen, die einfach nur gut und abwechslungsreich unterhalten werden möchte, ganz sicher.

Joel Dicker 
Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert
Piper Verlag 2013
EAN 978-3-492-05600-7
*Das Rezensionsexemplar und das Cover-Foto wurden mir vom Piper Verlag zur Verfügung gestellt. Als Bootsfrau weiß ich : Better safe than sorry.  Gilt immer. Auch für Lektüre und Blogposts. Deshalb kennzeichne ich der gängigen Praxis folgend diese Rezension als: Werbung, unbezahlt. 
Ein Wiederlesen mit Harry Quebert gibt es im neuen Buch von Joel Dicker: Der FAll Alaska Sanders

Donnerstag, 1. Juni 2023

Rezension - die Geschichte der Baltimores

Vorweg: Meine Rezension zu der Geschichte der Baltimores habe ich zuerst in der LiteraturzeitschriftPunktde veröffentlicht. Leider verschwand sie dort sehr schnell vom Radar. Auf mögliche Gründe gehe ich hier nicht ein. Vorbei ist vorbei.

Ich nehme eine Rezension nie auf die leichte Schulter und mache mir damit immer viel Mühe. Zum einen möchte ich dem Autor dadurch zeigen, dass ich sein Werk zu schätzen weiß - auch wenn eine Rezi  nicht so positiv ausfallen sollte. Zum anderen möchte ich als Viel-Leserin auch meinen Leser und Leserinnen das Medium Buch ans Herz legen. Ich freue mich, wenn meine Buchempfehlungen ein kleiner Wegweiser durch das Dickicht der vielen Bücher sind. Deswegen hole ich von nun an Rezensionen zu Büchern, die mir auch heute noch was bedeuten, nach und nach hervor und stelle sie hier neu ein. Alle Rezensionen findet Ihr unter dem Label Die geheime Kraft der Bücher 

Die Geschichte der Baltimores von Joël Dicker

Die Goldmans sind eine ganz besondere Familie, so besonders, dass es gleich zwei von ihnen gibt. In Baltimore lebt ein Familienzweig in Saus und Braus, ein anderer lebt ein mühsames Mittelklasseleben im New Yorker Vorort Montclair. Die Großeltern benannten der Einfachheit halber ihre Familienzweige nach den Wohnorten und dabei ist es geblieben. Es gibt die Baltimores und die Montclairs.

Der Habitus der unbesiegbaren Baltimores 

Donnerstag, 5. März 2020

Unterleuten - Vor-und Rückschau

"Mit Unterleuten habe ich alles gegeben, was ich konnte, um einen Gesellschaftsroman für unsere Zeit zu schaffen" bekannte Juli Zeh 2016 in einem Interview*, kurz bevor ihr mit Spannung erwarteter Roman "Unterleuten" erschien.

Ich erinnere mich, wie neugierig mich damals diese gleichermaßen demütige und selbstbewusste Ankündigung machte. Zum einen lese ich Frau Zeh immer gerne, zum anderen ist das Genre Gesellschaftsroman in der Tat mein liebstes. Fazit vorab: Juli Zeh hat das Genre zwar nicht neu erfunden, aber sie hat es neu belebt. "Unterleuten" ist ein großartiger Gesellschaftsroman, einen besseren wird man in deutscher Sprache in diesem Jahrtausend nicht finden.

Nicht weniger als 11 Hauptpersonen gönnt sich Juli Zeh für ihren Roman, die einzelnen Kapitel sind aus den unterschiedlichen Perspektiven dieser Personen erzählt. Dazu kommt die übergeordnete Erzählerin, die sich erst im letzten Kapitel zeigt und die Geschehnisse resümiert. (Dies im übrigen die einzige Meta Ebene, die sich im Buch selber zeigt. Aber nicht die einzige Meta Ebene im Zusammenhang mit diesem Buch, wie sich nach Veröffentlichung zeigte. Doch dazu später.)

Das Geschehen spielt im fiktiven Dorf mit doppeldeutigem Namen: "Unterleuten" in Brandenburg, nicht weit weg von Berlin, aber doch ein ganz andere Welt. Unberührte Natur, seltene Vogelarten, Pittoreske pur, aber die Idylle täuscht. Das Dorf wird beherrscht von einem unsichtbaren und nur den Alteingesessenen verständlichen und für sie logischen Beziehungsgeflecht, welches die Geschicke der Dorfbewohner maßgeblich bestimmt. Sie wissen genau, wer wem einen Gefallen schuldet, nutzen diese als die einzige Währung, die zählt und schaffen eine Art rechtsfreien Raum. So haben sie es in der DDR gehalten, so halten sie es heute.

Zugezogene Stadtflüchtige wie der Vogelschützer Gerhard Fließ und seine kleine Familie haben es da schwer. Sie wollen ihr bisheriges Leben hinter sich lassen, statt an ihm zu verzweifeln, kaschieren durch geschickte Deko aber lediglich, dass sie in diesem Leben noch nichts wirklich auf die Beine gestellt haben. Nun sitzen sie bei Tag und Nacht hinter runtergelassenen Rollos, weil ihr Nachbar unablässig giftigen Müll auf seinem Schrottplatz verbrennt. Sie wissen weder, warum er es tut - vielleicht als Strafe für etwas, das sie getan haben, ohne sich einer Schuld bewusst zu sein - noch, wie sie es stoppen können.  

Besser arrangiert sich da die Pferdeflüsterin Linda Franzen, die in Unterleuten ein Gestüt von internationalem Renommee aufbauen will, widerwillig unterstützt von ihrem Lebensgefährten, der eigentlich lieber in der Küche eines Berliner Start-Ups Computerspiele entwirft. Linda orientiert sich am Werk des Motivators Manfred Gortz "Mein Erfolg" und handelt ganz nach der Maxime "Wer eine Situation inszeniert, ist ihr Herr".  Die Widerstände um sie herum lassen sie völlig unbeeindruckt, ihre Nachbarn hält sie für Menschen, die noch während des Weltuntergangs die Ellenbogen auf die Gartenzäune stützen und Sätze wie "irgendwas ist immer" sagen.

In diese fragile Gesellschaft fällt eines Tages eine der gefürchteten "Heuschrecken" ein. Einen Windpark will er errichten, für einige winkt schneller Reichtum. Schnell bekommen die potentiellen Verkäufer der geeigneten Grundstücke den Hass der Dorfbewohner gratis dazu. Die Zugezogenen erkennen die schon in der Großstadt verhassten Mechanismen wieder und stellen sich gegen diese "sich selbst subventionierende Gutmenschenbürokratie", die Alteingesessenen wehren sich dagegen, dass die Randgebiete "zur Rumpelkammer der Zivilisation" verkommen.

"Unterleuten" stellt die große Frage unserer Zeit: Gibt es noch, kann es noch ein Miteinander, eine Moral geben jenseits von Eigeninteresse? Das Dorf dient dabei als komprimierter Mikrokosmos, die handelnden Personen sind exemplarisch und lassen sich überall beobachten - ebenso wie die Geringschätzung von Prinzipien und moralischen Werten. Die Unterleutener sind getrieben von Verlustängsten, sie fürchten ihre Tradition, ihre Heimat zu verlieren und haben doch allzu oft einfach nur Angst vor Veränderung. Für sie bedeutet Veränderung in erster Linie "Ungeheuerlichkeiten in immer neue Gewänder zu kleiden".  Am Ende kämpft in Unterleuten jeder für sich - allen geschlossenen Allianzen zum Trotze. Sie alle wollen immer nur "das Beste". Doch schon die Frage danach, was denn das Beste sei, bringt das Schlimmste in den Menschen hervor. Es geht in "Unterleuten" nur vordergründig darum, wie schnell der Traum vom Landleben zum Albtraum wird oder um den ewig schwelenden Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Juli Zeh zeigt mustergültig, wie ungeheuer fragil ein Miteinander ist und wie schnell es bedroht wird, ja sogar in Gewalt zu eskalieren droht, wenn Einzelne ihre Interessen bedroht sehen. 

Die Thematik und die Handlung erscheinen auf den ersten Blick als Lesestoff schwer verdaulich. Doch weit gefehlt: Selten so gut auf so hohem Niveau unterhalten worden. Juli Zeh hat einen formidablen Rundumschlag geschafft. Kaum ein Thema unserer Zeit, welches nicht Eingang in den Roman gefunden hat. Umso bewundernswerter die Leichtigkeit, mit der Juli Zeh komprimiert und spannend erzählt. Die Perspektivwechsel gelingen ihr außerordentlich gut. Es gelingt ihr,  kompromisslos die Sichtweise jedes einzelnen Charakters darzustellen und dennoch die Handlung entschlossen voran zu treiben. Jedes Kapitel, jede Perspektive ist in sich schlüssig, der Leser bringt all ihren Protagonisten das gleiche Verständnis respektive Unverständnis entgegen. Was den Leser zum Schluss in sicher gewollter Verwirrung verharren lässt. Jeden kann man verstehen in seinen Beweggründen und man selbst kann die Frage nicht beantworten, zu wem man gehalten hätte. Aber man kann die verstehen, die sich scheuen,  die "toxische Frage nach Schuld oder Unschuld" zu stellen. Juli Zeh selbst enthält sich jedweden Urteils. Sie wertet nicht, sie erzählt es "nur". Dies aber durchaus verständnisvoll, keine menschliche Neigung ist ihr fremd.
   
So versteht sie auch die Neigung des Lesers, nach Fortsetzung zu verlangen. Auch wenn diese in Romanform wohl ausgeschlossen sein dürfte. Dafür ist "Unterleuten" zu gut in sich abgerundet.    Aber - um nun zurückzukommen auf die auf den ersten Blick und bei bloßer Lektüre des Buches nicht erkennbaren Meta-Ebenen - man konnte (und kann) sich ganz prima noch eine Weile nach Lektüre in diesem Internet und in diversen Feuilletons amüsieren ob der Frage nach Schein oder Sein.

Denn natürlich musste man als begeisterter Leser nach Lektüre erstmal schauen, ob es das von Linda Franzen so episch zitierte Werk des Manfred Gortz überhaupt gibt. Es gibt es. Irritiert fragt man sich aber doch, ob Juli Zeh neben all ihren anderen Fähigkeiten auch das Talent zur Zeitreise entdeckt hat. Ist "Mein Erfolg" doch erst 2015 erschienen und Juli Zeh hat nach eigenem Bekunden über 10 Jahren mit Unterbrechungen an "Unterleuten" gearbeitet. Wie kann sie da dauernd dieses Werk zitieren? Oder hat sie auf den letzten Metern alles kurzentschlossen umgeschrieben? Und überhaupt ist das nicht schon nahe dran an Copy and paste? Hat Juli Zeh etwa plagiiert? Das frage nicht ich, das fragten aufgeregt diverse renommierte Feuilletonisten.

Derweil twitterte Manfred Gortz genüßlich vor sich hin, veröffentlichte auf Youtube eine Stellungnahme - den Schal passend zur Gesichtsfarbe - in der er sich ganz und gar entzückt davon zeigte, von Juli Zeh so expressiv zitiert worden zu sein. Man will ja auch den Verlagsfrieden nicht stören, ist "Mein Erfolg" doch unter demselben Dach wie "Unterleuten" erschienen. Blöd halt, dass er Interviews nur per Mail gab und dabei auch noch mit einiger Chuzpe "Cybris" (ein Fake-Buch von Sascha Lobo und Volker Weidermann, welches 2015 für etliche Schlagzeilen sorgte) als Lieblingsbuch empfahl. Trotz aller investigativer Bemühungen diverser Rechercheure war auch leider keiner zu finden, der Manfred Gortz jemals kennengelernt, geschweige denn, eines seiner Seminare besucht hat.

Dazu kommen die Webseiten des Vogelschutzbundes Unterleuten mit der Überschrift "Bei uns piept's" und die Seite des Unterleutener Gasthauses "Märkischer Landmann", der gerade Fischeintopf im Angebot hat. Ins Impressum der Webseiten guckt man dabei besser nicht, Denn -  will man es wirklich so genau wissen? Will man zum "Killjoy" werden, jener Typus, den Linda Franzen und Manfred Gortz so verachten - der Typ, der anderen den Spaß verdirbt, weil er selbst keinen hat. Nein, das will man nicht. Den Spaß an Unterleuten verlängert die Websuche allemal. Zitieren wir die Autorin ein letztes Mal: "ich dachte, alles was im Internet steht, existiert auf alle Fälle" . Ein Schelm, der bei dem Ganzen an eines der Frühwerke Juli Zehs denkt: Spieltrieb.

Und nun kommt also die Verfilmung als serieller Dreiteiler im ZDF. Ab dem 09.03.2020 linear, in der Mediathek bereits verfügbar. Ulrich Noethen, Dagmar Manzel, Charly Hübner, Alexander Held - der Cast liest sich vielversprechend. Regie führte Matti Geschonnek - ein Name, der zumindest für solides Fernsehen steht. Fast 280 Sendeminuten könnten knapp gereicht haben. Die ersten Kritiken der Vorabschauer sind denkbar schlecht. Ich bin auch zugegebenermaßen skeptisch, für welche Tiefe die Verfilmung gereicht hat. Aber ich werde sicher reinschauen. Und berichten. Im schlimmsten Fall gönnen wir einfach der begabten Juli Zeh diese Finanzspritze. Auf dass die Verfilmung hoffentlich genug Geld in ihre Kasse spült, damit sie ohne Sorge neue Werke für ihre treue Leserschaft schreiben kann. Denn anders als etliche ihrer Unterleuten-Protagonisten ist die promovierte Juristin Zeh derzeit im Interesse des Gemeinwohls ehrenamtlich unterwegs. Auf Vorschlag der SPD-Landtagsfraktion Brandenburg wirkt sie als ehrenamtliche Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg. Hut ab.       

*Zitat Juli Zeh im Interview des Buchjournal eins.2016 des deutschen Buchhandels

Aus DSGVO Gründen keine Links, befragt gerne die Suchmaschine Eures Vertrauens.

Meine Rezension zu Unterleuten erschien am 09. Mai 2016 in der Literaturzeitschrift.de und wurde für diese Nachbetrachtung in einer leicht geänderten Version erneut publiziert.

Keine Werbung. Unaufgefordert. Unbezahlt










Freitag, 14. Februar 2020

TGiF - Bestandsaufnahme auf dem Holzweg

Tach auch Liebeleins. Ist das schäbig oder ist das schäbig da in diesem draußen? Ob es jemals wieder richtig hell werden wird? Ein paar Stunden Tageslicht könnten nicht schaden. Wirklich nicht. Hab ich sogar ärztlich attestiert bekommen heute. Eklatanter Vitamin D-Mangel. Wird jetzt hochdosiert behoben. Wenn ich demnächst Tarantella auf dem Tisch tanze, wissta Bescheid.

Und sonst so? Das Jahr schreitet voran, so richtig viel kann 2020 immer noch nicht. Ich bemerke (nicht nur) an mir eine leichte Grund-Gereiztheit. Gepaart mit sich nicht wirklich aufraffen können. Zum Bloggen beispielsweise. Es gab bisher erst ein TGiF. Dabei gäbe es so vieles, worüber es sich zu schreiben lohnen würde. Eigentlich. Ihr wisst schon, dieses eigentlich, in dem wie so oft der Fehler liegt.

Dabei fehlt es mir. Das Bloggen. Das ganz schlichte vor mich hin bloggen, mir dabei über das ein oder andere klar werden. Ich weiß auch, woran es hapert. Nicht nur am sich nicht wirklich aufraffen können. Es liegt an dem Gefühl, dass es sowas von wumpe ist, was man in die Tasten hämmert. Die Aufmerksamkeitsspanne der meisten Menschen ist mittlerweile maximal 280 Zeichen groß und davon ab, meistens auch nur auf die eigene Befindlichkeit gerichtet. Dazu ist meine Erwartungshaltung an mich selbst immens gestiegen. Ich weiß, dass ich einige sehr gute Blogartikel geschrieben habe. Ich weiß auch, dass das nicht jeden Tag geht. Trotzdem ist es nicht leicht, das Gefühl abzuschütteln, mich selbst zu diskreditieren, wenn ich einfach so vor mich hin schreibe.

Aber vielleicht bin ich genau da auf dem Holzweg. In letzter Zeit habe ich auf Twitter wieder den ein oder anderen Link zu klassischen Tagebuch-Blogs gesehen, wie wir sie früher auf blogpunktde hatten. Die Blogs, mit denen alles angefangen hat. Ich lese da durchaus bei anderen ganz gerne mal rein. Vielleicht sollte man es einfach wieder machen. Schreiben lernt man nur durch schreiben. Solange ich nicht als Tastatur-Samariter ende und meine, für den Weltfrieden zu bloggen. Also Tagebuch-Blog. Versuch mach kluch. Ab dafür.

Holzweg betreten auf eigenes Risiko

Bestandsaufnahme: Was so los war und wer noch den Holzweg auf eigenes Risiko betreten hat.


Der Rotterdamer: Ist nicht auf dem Holzweg, sondern straight Richtung Abenteuer unterwegs. Für ihn scheint es sein Jahr zu werden. Erasmus hat ja zum Exchange gesagt. Und gleich noch eine Competition ausgezeichnet. Vorläufige Reiseroute 2020: Madrid, Seattle, Los Angeles. Letzteres sogar für ein ganzes langes Semester. Er freut sich riesig. Und verdient. Hat er auch genug für getan. Wir sind eher aufgeregt und überlegen, ob sich einer der bekanntesten Söhne unserer Stadt wohl für Care-Pakete-Lieferung einspannen lässt.

Der Rheinländer: Arbeitet, doktert, freut sich auf Karneval. Ich sach nur Polka, Polka, Polka. (Insider. Sorry dafür und für den Ohrwurm gleich noch ein Sorry mit)

Twitter: Geht mir auf den Geist. Aber sowatt von. Empörung allerorten. Bis an den Rand der Hysterie und darüberhinaus. Vom Virus Clickbaiting scheinen schon die Besonnensten infiziert. Beispiel: Die stürmische Sabine. Ja, es war ein heftiger Sturm. Streckenweise auch ein Orkan. Aber es war kein Kyrill und keine Ela. Es war ein heftiger Wintersturm. Mit etwas Umsicht ganz normal zu handeln. Las man Twitter, konnte man meinen, wir wären am Rande der Apokalypse. Ja, es ist nicht verkehrt, zu warnen. Aber man sollte immer im Hinterkopf haben, dass bei den nächsten vielleicht berechtigteren Warnungen keiner mehr hinhören könnte. Und das wäre dann wirklich mal ein Grund für Hysterie.

Politik: Ich weine leise. Was muss ich tun, um in Holland wählen zu können? Ich kann doch nicht nicht wählen. Bisher galt: Wer nicht wählt, wählt rechts. Mittlerweile ad absurdum geführt. Es kotzt mich an. Trotzdem auch hier: Empörungstwitter und clickgeile Medien haben es tausendmal schlimmer gemacht. Selbst vergleichsweise sachliche Medien waren so berauscht von der thüringischen Dramatik, dass sie selbst ob des AKK Rücktritts von Schockwellen barmten. Nee, Leute. Ihr spielt denen in die Hände, die Ihr verhindern wollt. Wann kapiert Ihr das endlich?

Highlights: spärlich gesät. Die Boot. Ein Wiedersehen nach fast einem Vierteljahrhundert. Das traditionelle Dschungel-Rudelgucken incl. des gefürchteten Dschungel-Caterings made by Engelchen.  Ein WellnessTag, an dem uns Pinguine über den Weg liefen.

Downlights: Ich werde sparen. Viel viel Geld.  Nix mehr mit Trompetenärmeln. Meine bevorzugte holländische Modekette verabschiedet sich nach fast 40 Jahren. An mir hat es nicht gelegen.

Gelesen: Wenig. Vor allem zu wenig Gutes. Erwähnenswert alleine:
Maja Lunde: Die Geschichte des Wassers. Der Roman zum Klima. Nicht schlecht, gut geschrieben, aber letzten Endes doch erstaunlich flach.
Juan Moreno: 1000 Zeilen Lüge. Irre spannend, obwohl man ja bereits soviel zum Thema zu wissen meint. Moreno beschreibt ausführlich, dabei aber prägnant. Das einzige Buch in den letzten Monaten, bei dem ich nicht aufhören konnte, zu lesen.
Mikael Bergstrand: Der 50jährige, der nach Indien fuhr und über den Sinn des Lebens stolperte. Sozusagen Eat Pray Love aus männlicher Sicht. Kurzweilig und mit viel Zärtlichkeit für seine stolpernden Charaktere.
    
Gehört: Dank guter Soundtracks und vor allem dank des "Don't look back in anger" Tags auf 1Live ein paar neue Ohrwürmer der BetterTimes Musikbibliothek zugefügt:
The 1975: Me and you together Song
The Waterboys: Whole of the Moon
Adam Levine: Lost Stars
Placebo: Song to say goodbye

Gesehen:  jede Menge nachzutragen, stelle ich fest. Deswegen der Entschluss, den guten Vorsatz, mehr zu bloggen, genau da anzusetzen. Einstweilen: Schaut Afterlife und Can a song save your life! Einzelheiten coming soon.

Aussicht: Wir kriegen die Wände schön. Wir können uns bald wieder weicher betten. Und so langsam naht die Zeit, in der wir Tage statt Wochen zählen können.

Absicht: Ich überlege ernsthaft, ob ich mir einen Instagram Account zulegen soll. Hauptsächlich begleitend zum Logbuch. Eigentlich ist mir dieses Medium ob seiner weichgezeichneten rosaroten Welt ebenso suspekt wie mittlerweile Empörungs-Twitter. Aber vielleicht ist es auch schön, ein Medium zu haben, in welchem ich mich hauptsächlich mit den schönen Seiten unseres Lebens beschäftigen kann. Und davon gibt es ja viele. Ich überlege noch ein bißchen. Derweil 

                   die Statistik:


Stoßseufzer der Woche: Einmal mit Profis.
Trost der Woche: Wer immer nur Wind sagt, muss auch mal 
Beutel sagen ( SimiSchalke auf Twitter)
Plan der Woche: Huhnke auf dem Kuhdamm 
Autodingsda der Woche: Prolis statt Promis. Langsam wird die mir zu kluck.
Idee der Woche: Wenn mich jemand ärgert, verwende ich seinen Namen 
samt Personenbeschreibung im nächsten Buch für eine Nebenfigur und
 lasse die dann richtig leiden. Oder sterben. Sterben geht auch. 
(©Cameron auf Twitter. Ich gebe zu, die Idee fixt mich an)
Stolperfalle der Woche: Wer "So" sagt, hat noch Kapazitäten frei.  
Warnung der Woche: Wenn Ihr Huawei anfängt zu husten, 
dann ist es für Sie zu spät ( Pogobär auf Twitter) 
Wahrheit der Woche: Zeit heilt keine Wunde, 
Zeit bildet eine Kruste ( ©Karusselfahrerin auf Twitter) 
Event der Woche: Morgen kommt raus: Kemmerich hatte einen
 Jochen-Schweizer-Erlebnisgutschein für 
einen Tag als Ministerpräsident (©MannVomBalkon auf Twitter) 
Biografie der Woche: Als #Dorfkind gibt es nur zwei Lebensphasen:
 a) die Phase, in der der Spielplatz zum Spielen da ist.
 b) die Phase, in der der Spielplatz zum Saufen da ist - 
 und dazwischen kommt manchmal der Bus. (©Micky Beisenherz auf Twitter) 
Missverständnis der Woche: Ich hab gute Laune. 
Das scheint diese Verwirrtheit im Alter zu sein. (©Trixelinchen auf Twitter)
Resümee der Woche: Watt wirklich schlimm ist: 
Mein Kaffee iss alle. (©der arme Drachentöter)
Weisheit der Woche: Wennste Mittwoch überlebst, dann iss Donnerstach (©Misfits)

In diesem Sinne: Et iss schon Frei-Tach. Allen ein schickes Wochenende.
Betretet keinen Holzweg, den ich nicht auch betreten würde. 

* Wie immer gilt: Wer Tippfehler findet, kann sie behalten.
** Weitere Links auf Nachfrage
*** habta gemerkt, wie entschlossen ich dem Valentin sein Tach ignoriert hab? Als die Frau, deren Mann ihr auch so regelmäßig eine feine rote Rose schenkt, kann ich mir das leisten. Jaha. Aber gut, da gestern auch noch Weltradiotag UND Tag der Internetfreunde war, sag ich es Euch, meinen Internetfeunden mit meinem Lieblings-Radiosender: Schenkt Euch Liebe.














Freitag, 6. Oktober 2017

T.G.i.F. - eine Woche mit zwei Montagen

Tach auch Liebeleins. Na, wie isset? Allet gut? Alle da? Keiner weggeweht? Ich hatte es gestern richtig fein und für den Sturmtag einen Tag mit dem einzigen Termin Zuhausebleiben erwischt. Fast schon wie ein 6er im Lotto. Naja, fast. Sagen wir wie ein 5er. Aber wohl auch verdient oder? Stürmische Aufregungen hatten wir ja schließlich schon genug dieses Jahr.

War aber auch so irgendwie eine komische Woche oder? So mit zwei Montagen. Da soll man keinen Jet-Lag kriegen, so schnell kann doch echt keiner umschalten von Arbeits- in Feiertagsmodus und wieder zurück. Aber war natürlich trotzdem gern genommen.

Zwischen Meer und See 


Genauso wie die Tatsache, dass es fast nichts zu berichten gibt. Mir ja immer das Allerliebste. Eigentlich hatte ich heute morgen schon entschieden, kein TGiF zu posten - mangels Masse. Aber wär ja auch blöd gewesen. Wie sonst könnte ich noch einmal Werbung machen für mein Logbuch des Herzens, welches für dieses Jahr feddich iss. Höchstbedauerlicherweise. Aber es sind ja die Erinnerungen, die bleiben. Und einen tragen. Auch durch andere stürmische Zeiten, als die auf dem Wasser durchlebten. Von daher - wer hat noch nicht, wer will nochmal?


  

War sonst noch was? 


Wie gesagt - bei uns nicht. Und in Schland auch nicht. Die Parteien scheinen unter die Twitterer gegangen zu sein. Anders ist das doch nicht zu erklären oder? Dass jetzt allüberall das Hohelied der Prokrastination gesungen wird. Mann, Mann, Mann - Kopp innen Sand stecken iss nich! Vor lauter Generve und Spekulationen höre ich nach wie vor unbeirrt Holland-Radio. Veroooooooonicaaa! Allerdings auch mit der latenten Angst, dort etwas zu hören, was ich nicht hören will. Z.B. dass wir im Ausland nun wieder in die Schublade ganz rechts gesteckt werden. Die Befürchtung ist so abwegig ja nicht.

Alles, was wir geben mussten 


Dann war ja noch Woche des noblen Preises. Zum Friedensnobelpreis kann ich gar nicht viel sagen, geht für mich irgendwie in Ordnung, dem Eindruck des kleinsten gemeinsamen Nenners kann ich mich allerdings nicht ganz verwehren. Dafür war ich gestern sehr überrascht über den Literaturnobelpreisträger. Und ausnahmsweise mal positiv überrascht. "Alles was wir geben mussten" von Kazuo Ishiguro hatte mir vor Jahren das Engelchen empfohlen und ich erinnere da einen regen Austausch zwischen uns. Auch heute noch vermag ich den Eindruck zu spüren, den dieses Buch bei mir hinterlassen hat. ( der Film dazu ist übrigens auch ok. Nicht ganz so gut wie das Buch, aber wann ist ein Film das schon mal ) . Ich glaub, ich nehm die Preisverleihung mal als Anlass, einen vernachlässigten guten Vorsatz umzusetzen und weitere Werke des Autors zu lesen.

Gute Vorsätze wie immer auch in

der Statistik : 

Wehmut der Woche: Wisst Ihr noch, als der US-Präsident einfach nur 
die Praktikantin gevögelt hat? Das war schön. (©Felltomate auf Twitter) 
Maßnahme der Woche: ich habe als Klingelton "Kasse 3 öffnet für Sie". 
Endlich macht Einkaufen wieder Spaß (©KTacki auf Twitter) 
Durchsage der Woche: Allen, die seit der #BTW2017 nichts mehr von 
Würselen  gehört haben: Wir leben noch. 
Die Stadt gibt es noch (©Pommesblauweiß auf Twitter) 
Motiv der Woche: "Und warum willst Du Arzt werden?" - "Um einmal zum Spaß 
den Kalender im Aufwachraum auf 2089 zu stellen" - 
Belausche nie Medizinstudenten (©JuliaSinglesias auf Twitter) 
Cookie der Woche: "Geht's Dir wieder besser?" "Geht schon. Ich bräuchte einen Martini. 
Trocken. So trocken, dass die Olive hustet. Die soll auch leiden "
Aufatmen der Woche: Endlich wieder normales Wetter hier im Pott. 
Dem heiligen Piesepampel sei Dank (©Paraneues auf Twitter) 
Stoßseufzer der Woche: Stell Dir vor, Du wohnst in Nigeria und möchtest 
Deinem Großneffen in Deutschland Deine Millionen vererben. 
Wie schwer das jetzt ist (Kürbissuppe auf Twitter) 

Allen ein schickes Wochenende. 
Lest nichts, was ich nicht auch lesen würde. 

Wie immer gilt: Wer Tippfehler findet, kann sie behalten. 
Weitere Links auf Nachfrage 


Freitag, 30. September 2016

Pausenfüller

Reklame statt TGiF - Tja, Liebeleins. Da müsst Ihr jetzt durch. Tach auch.

Wie den Lästerschwestern und Brüdern letzte Woche angekündigt - wer kann, der kann und wer hat, der hat. Resturlaub in rauen Mengen zum Beispiel. Von daher waren die letzten TGiFs eher eine Unterbrechung der Sendepause als die Beendigung derselben.

Motto der nächsten Woche: Dänen lügen nicht. 
Erst recht nicht in und mit der Whisteria Lane.

Aber wenn Euch so'n kleines bißchen langweilig wird, ich hab Euch Lektüre hinterlassen:

Zum einen die Rezension des einziges Buches, welches auf dem Boot die Ehre bekam: Fremde Gäste von Sarah Waters.

Zum anderen isset feddich: Datt Logbuch des friese-Meren-Törns. Allet drin, allet dran. Könnt Ihr jetzt als Fortsetzungsroman lesen. In den letzten Einträgen geht es um Entenflüsterer, Aussteiger-Oppas und royale Hochzeitsküsse. Für alle und von allet etwas.

Und - ein kleines bißchen aktiv könnt Ihr noch werden. Bewegt mal wieder was.
Wenn schon nicht Euren Allerwertesten, dann wenigstens Kastanien. 



In diesem Sinne: 

Allen eine schicke Zeit. 
Bewegt nichts, was ich nicht auch bewegen würde. 

Freitag, 12. August 2016

TGiF - Ständerbruch und andere Schwierigkeiten

Tach auch Liebeleins. Boah nee, ey. nee, nee, nee. Tja-ähem , viel mehr fällt mir derzeit zum Betriebszustand nicht ein. Vielleicht noch ein gepflegtes Uff. Fix und feddich bin ich. Feddich mit de Welt, mit de Nerven, mit schönschreiben. Und sowieso und überhaupt. Die letzten Wochen vor dem viel zu lange rausgeschobenen Urlaub ziehen sich ja eh immer wie Kaugummi und je näher ein Urlaub rückt, desto feddiger fühlt man sich. Kennt man ja, weiß man.

Aber dies Jahr ist es besonders übel. Murphy und die von ihm geschickten Wolkenbrüche geben echt alles. Insgesamt viermal bin ich in der letzten Wochen klitschklatschkleddernass geworden, bis auf die paar vom dänischen Hightech-Regenjüppchen bedeckten Körperpartien. Im Herbst kaufe ich mir im Staate Dänemark erstmal eine knielange Entsprechung. Sonst wird das nix in unseren Breitengraden mit täglich zur Arbeit fietsen. Wobei - im Moment iss da eh nix mit. Denn das gute Stück heißt seit neuestem Bohlen mit Nachnamen, Ständerbruch, you know. Mit nix zu kitten, nicht einmal mit Tape. Und das bringt ja bekanntlich sogar lostige Flugzeuge in die Luft...Nur gut, wenn man weiß, wo der beste, allerbeste Hinterhof-Fahrradschrauber im Pott residiert. Der die Herausforderung auch annahm, allerdings derzeit immer noch bastelt.

Wenigstens verdarb es uns nicht den Fietse-Spaß am Pommesäquator letztes Wochenende. Wobei die niederen Lande gemischte Gefühle bei uns zurückließen. Mein bevorzugtes Shopping Areal leert sich zusehends, das mit der Trixe durchlittene Elend war - so scheint's - erst der Anfang. Und auch sonst ist mehr te koop als te huur, sogar eine Windmühle in bester Lage wäre valide. Bleibt die Frage: Zieht Holland nach oder vor? Meistens sind sie ja vor uns, das gäbe schon Anlass zur Besorgnis. Ansonsten alles wie immer. Lecker Holland Sushi, de nieuwe flutschen auch im August noch wunderbar fluffig die Kehle runter und fahrradfahren geht nach wie vor allerbestens, wenn nicht gerade die sagenumwobenen Drempels den Weg verlangsamen. Insgesamt fast 70 km haben wir an dem Wochenende runtergerissen. Dafür waren wir auch bis zum Pannerdensch Kanal, wo sich der Rhein verzweigt, um kurz darauf zur Ijssel zu werden. Somit wissen wir immerhin schon, wo wir hin müssen, wenn wir unser Boot dann mal in der Marina Emmerich liegen haben. Um genau zu sein, wenn wir mal ein eigenes Boot haben...Und wir wissen, wo ziemlich viel Brücke für ziemlich wenig Wasser ist:


War sonst noch was? Viel, viel Arbeit, wenig Ehr an allen Fronten. Wir sind so halbwegs in der schönen neuen Alles bleibt anders Arbeitswelt angekommen, Klausurenphase dauert immer noch an. Immerhin praktisch für einen Studenten, wenn man eine derivativ begabte Erklärbärin ein Stockwerk tiefer hat, die in diversen Telkos gut aufgepasst, griffige Erklärungen für komplizierte Sachverhalte bekommen hat und diese auch weitergeben kann.  Aber die Laune ist trotzdem unterirdisch, nicht die dollste Zeit für Ghostbuster. Tjanun, müssen und mussten alle durch. Ich hingegen musste mich gestern mal wieder kurz gepflegt aufregen. Öfis sind nun mal nicht so meine bevorzugte Fortbewegungsart und über mit zweierlei Maß Gemessenes rege ich mich per se auf. Hier im Blog gehen auch die Serientipps der Woche in eine Pause. Sobald die Zeit es wieder zulässt, werde ich Euch was über Winona Ryder und die von ihr durchlebten stranger things berichten und vom good wife. Das schaue ich so derzeit. Vorläufiges Fazit: Beide Serien kann man gucken. Muss man aber nicht zwingend.

Sö. Und bevor ich hochoffiziell nun die Sommerpause einläute - ding ding ding - ein ganz kurzer Vorausguck auf etwas, was ziemlich direkt nach dieser Pause passieren wird. Am 15. September kommt "Tschick"* ins Kino, die Verfilmung des grandiosen, unfassbar klugen wie schönen wie traurigen Jugendbuchs von Wolfgang Herrndorf. Das Einzige, was meine Skepsis etwas abmildert, ist die Tatsache, dass Fatih Akin die Regie hatte. Denn wenn es einer kann, dann er. Dennoch: meine komplett dogmatische und nicht diskussionsfähige, in Stein gemeißelte Meinung dazu: Dieses Kinoticket muss man sich verdienen. Klartext: wer es noch nicht gelesen hat, absoluter Lesebefehl. Und zwar vor dem Kinobesuch. Soviel Ehre sollte man Wolfgang Herrndorf erweisen.

Ehre erweisen dürft Ihr wie immer auch der Statistik

Vorschau der Woche: Leinen los, Limanda !
Pensionierung der Woche: Stein to say goodbye. Der Steinflüsterer wird in die
 O-Ton-Charts-Rente geschickt. Ich bin untröstlich, die sind doch stoned!
 Für was soll ich denn jetzt Woche für Woche voten?  
Warnung der Woche: Eine aktuelle Studie belegt, dass Frauen mit etwas mehr auf 
der Hüfte länger leben als Männer, die es ihnen sagen. (©wfnw auf Twitter) 
Erlebnisbericht der Woche: "Hallo Pizzataxi?"
"Würschn getz brompfhus göhn"
"Bitte?"
"Yooh kinötzt büdde?"
"Kann ich bestellen?"
"Haasnd spütnik nümmer?"
<-isst Brot
Moment der Woche: Eine Schweigeminute für die, die sich monatelang 'ne Strandfigur
angehungert haben. Und das für diesen Sommer. ( ischabekannt auf Twitter)
Vergleich der Woche: Das Ruhrgebiet ist das New York Europas, es weiß
es nur noch nicht. (Claus Peymann) 
Erschrecken der Woche. Wie bitte, 120 Millionen Euro für einen Fußballer? Davon könnte 
sich eine vierköpfige Familie drei Kinobesuche mit kleinem 
Getränk leisten (©RayinderTube auf Twitter) 
Versäumnis der Woche: Wattendatt? Weltfaulpelztag? Ich bin entsetzt. Hättet Ihr 
mir das nicht eher sagen können? hab den ganzen Tag alles 
falsch gemacht. (©Trixelinchen auf Twitter) 
Erkenntnis der Woche: Die Antwort auf ein "Hello" verrät Dir das Alter 
Deiner Mitmenschen! :
-it's me (u25)
-is it me your looking for? (ü35) 
-again (ü45) (©Mistbazille auf Twitter)   
Reminiszenz der Woche: Django zahlt heut nicht, Django hat 'ne 
Monatskarte (©Paraneues auf Twitter aus der Rubrik Sprüche für die Ewigkeit) 
Bild der Woche:  let op drempels

Allen einen schicken Rest-Sommer.
Leidet unter keinem Ständerbruch, unter dem ich nicht auch leiden würde.
Wir lesen uns wieder Mitte September.

*Ich habe Tschick übrigens nie rezensiert und werde das auch nicht tun, weil ich mir nicht glaube, diesem Buch auch nur annähernd gerecht werden zu können. Aber auf Bitten und mit viel Respekt und Herzblut und keinem Germanistenscheiß habe ich den letzten unvollendeten posthum veröffentlichen Roman von Herrndorf "Bilder Deiner großen Liebe" vorgestellt. Ein paar meiner von tiefer Verehrung getragenen Gedanken zu Tschick finden sich dort.

Wie immer gilt: Wer Tippfehler findet, kann sie be- und die Klappe halten. 
Weitere Links auf Nachfrage

Montag, 20. Juni 2016

Antwort einer Leserin - warum ich Bücher im Online-Handel kaufe

Im Netz liken gerade ganz viele den Brief eines Münchner Buchhändlers, der sein an Verzweiflung grenzendes Bedauern darüber ausdrückt, dass alle Welt in Amazonien kauft und nicht beim Buchhändler vor Ort. Nun, lieber Münchner Buchhändler, ich kenne Sie nicht, ich kann Sie auch leider nicht testen, weil zu weit weg, kann gut sein, dass Sie der Buchhändler wären, den ich mir wünschen würde. Aber ich kann Ihnen den Grund nennen, warum ich meine Bücher fast ausschließlich online kaufe. Der Grund ist ganz einfach: Ich habe resigniert. Ich finde ihn nicht, den Buchhändler, bei dem ich gerne kaufen würde und der mir nicht die Freude am Lesen vergällt. Ganz einfach.

*


Ich gäbe was drum, hätte ich einen. Einen Buchhändler, der mit Freude selber Bücher liest und empfiehlt und mich sachkundig und freundlich berät. Ich wäre eine prima Kundin, dankbar, treu und lohnend. Alleine - ich habe einfach nur schlechte Erfahrungen gemacht. und ich habe es ausdauernd und immer wieder versucht. In diesem Blog habe ich immer mal davon berichtet, aber untermauernd greife ich Highlights gerne nochmal auf.

Als mir begegneten:

- die Dame, die mir hochnäsig beschied, zu so einem belletristischen Werk wie Dörte Hansens "Altes Land" würde sie sich nicht äußern, das wäre unter dem von ihr für diesen Laden gewünschten Niveau. (die letzte unabhängige Buchhändlerin einer Stadt mit 100.000 Einwohnern, die sich gerade -ökonomischen Zwängen geschuldet - kleiner setzen musste. )
- die Dame, die noch nie was von David Guterson gehört hatte und mich dreimal fragte, ob ich mir sicher sei, denn sie hätte keine Lust, ganz umsonst im Computer nachzuschauen (Angestellte in einer Filialbuchhandlung)
- die Dame, die mir erzählen wollte, dass ich statt John Niven ganz bestimmt David Niven meinen würde und sich weigerte, im Lager nachzuschauen ( andere Dame, gleiche Buchhandelskette, welche an diesem Tag damit warb, dass jede Filiale "John Nivens Gott bewahre" zur TB-Premiere vorrätig haben würde)
- die Dame, die viel viel lieber Kaffeeekränzchen mit ihren Freundinnen in der gemütlichen Leseecke ihrer eigenen kleinen Buchhandlung hält, als sich zu bequemen, die wenigen Kunden, die sich zu ihr an den Stadtrand verrirren, mit mehr als der Frage "bar oder mit Karte?" zu beehren.
- der Herr, der jeder Mutter, die es wagte, seinen Laden auch nur zu betreten, direkt entgegenschleuderte: Kinder dürfen hier nur gucken, auf gar keinen Fall was anfassen. (der vorletzte selbstständige Buchhändler in o.g. Stadt, mittlerweile nicht mehr existent) .  

Dies nur ein Ausschnitt. Wie viel netter kann ich es mir da zuhause am PC machen? Tässchen Kaffee dabei und mich gemütlich durch diverse Neuerscheinungen scrollen, kleine Leseprobe hier, kleine Leseprobe dort.  Für mich war das Aufkommen des Online-Buchhandels wirklich eine große Erleichterung. Früher musste ich gekaufte Bücher manchmal wochenlang liegen lassen, bis ich die Titel nicht mehr mit dem miesen Gefühl beim Einkaufen verbunden habe. Tut mir leid, wirklich leid. Aber das bin ich mir einfach selber wert. Lesen ist für mich eine große Freude und eines der Dinge, die das Leben wirklich schöner machen. Und das will ich mir nicht mehr verderben lassen, indem ich mich im Laden anraunzen oder geringschätzig behandeln lasse. Ich bin einfach zu alt und mein Geld zu hart erarbeitet, als dass ich bereit bin, es arroganten, inkompetenten oder einfach nur unwilligen Buchhändlern zu geben. So einfach, so zugegebenermaßen traurig.

*kleiner, sehr kleiner Ausschnitt aus unserem Bücherzimmer.... 


Montag, 9. Mai 2016

Von Meta-Ebenen und Unterleuten

Bis vor kurzem wäre es mir undenkbar erschienen, ein Werk von Juli Zeh zu belobhudeln. Erschien mir ihr Werk bisher immer auf mit hervorgehobener Intellektualität verbundene Anerkennungssuche ausgerichtet und hinterließ den Eindruck nur mühsam unterdrückter Larmoyanz. Dann las ich im Buchjournal eins.2016 des deutschen Buchhandels ein Interview mit ihr, in dem sie ein inniges Bekenntnis zum Genre des Gesellschaftsromans abgab und sagte "Mit Unterleuten habe ich alles gegeben, was ich konnte, um einen Gesellschaftsroman für unsere Zeit zu schaffen."

Auch wenn man in Juli Zehs öffentlichen Äußerungen bis dato meinte, einen mokant herablassenden Ton herauszuhören, so eine vollmundige Ankündigung - demütig und selbstbewusst zugleich - machte neugierig. Das interessierte dann doch brennend, wie das denn wohl so aussieht, wenn eine derart hochgelobte, hochdekorierte Autorin wie Juli Zeh ihr ganzes Können in die Waagschale wirft. Zumal auch mein Lieblingsgenre das des so oft zu Unrecht belächelten Gesellschaftsromans ist. Ich wagte mich also an gleich 634 Seiten Juli Zeh und um das Fazit vorwegzunehmen: Juli Zeh hat das Genre zwar nicht neu erfunden, aber sie hat es neu belebt. "Unterleuten" ist ein großartiger Gesellschaftsroman, einen besseren hat es in Deutschland lange nicht gegeben.

Ich habe mich dem Werk mit Respekt genähert und mich bemüht, für diese Rezension ebenfalls alles zu geben. Als "Goodie" gibt es obendrauf noch die Geschichte hinter der Geschichte - investigativ recherchiert, wo ich schon einmal dabei war - , also die auf den ersten Bluick nicht erkennbaren Meta-Ebenen, die um "Unterleuten" herum gebaut wurden.

Viel Spaß mit der Rezension von Unterleuten in der Literaturzeitschrift. 
 !