eine Un- Kritik zu Unheilig and special gu
ests im Amphitheater Gelsenkirchen.
Sonntag
war es soweit. Die
dunkle Rose und ich machten uns auf in die Nachbarstadt, dem Grafen im Amphitheater aufzu
warten.
Leicht g
espannt, aber durchaus ge
warnt. Herr Niemand und Frau Sandersonia bildeten am Samstag die Vorhut und berichteten bereits
von buntem Publikum und überfüllten Parkplätzen. Wir -nicht blöd - also zeitig los und landeten bei strahlendem Sonnensch
ein auf dem ehemaligen Bu-GA-Gelände am Kanal in GE an. Ist schli
esslich auch ohne Mucke
ein lohnend
es Ausflugsziel, wo man entspannt schlendern und sich zu müßig gehenden Ruhrpott-Oppas g
esellen kann, um die neu
esten Dönnek
es vonne Schalkers und die Wahrheit über Herkul
es zu erfahren.
Immer noch strahlend b
esonnensch
eint, aber mit drohendem Gegrummel im Hintergrund - östlich oder nördlich
war nicht so ganz auszumachen, auch nicht für findige Pfadfinderinnen wie unser
eins - ging
es zum
Eingang.
Eingang Nr. 2 wohlgemerkt. Der für die Veteranen. Schon da zeigte sich - das Publikum
war nicht nur ballermannig bunt, Konzert-Anaphabetismus kam auch hinzu. Zwei
Eingänge.
Vor Nr.1 standen ca. 5.900 Leute, vor Nr.2 ca. 100. Da können Ordner
ordnen, wie sie wollten, Lemminge bleiben in ihrer Schlange und senden
noch gerne böse Blicke denen hinterher, die hören können und zu
Eingang Nr.2 traben. Nutzte uns allerdings auch nicht wirklich was, denn kaum in der kl
einen Schlange stehend - öffnete der Himmel s
eine Schleusen,
es starkregnete, hagelte, donnerte und blitzte geradezu - ja, unheilig irgendwie. Ganz irdisch durchnässt
waren
wir nach wenigen Minuten. Nichts ging mehr. Ausser zurück in die
Citrone, Heizung auf volle Pulle rauf, Killerqueens bis auf die
Unterwäsche aus.
Warten und trocknen und
warten. Das muss man ihr lassen - das Gewitterwölkchen hatte all
es gegeben. Wölkchenbändigern blieb als letzte Chance nur noch die SMS.
Unwort d
es Tag
es: Amtliche
Warnung.
Nun denn, nur die Harten kommen in den Garten. Auf Stufe Klamm getrocknet das
Eingangsspiel auf R
eset und sofort f
estg
estellt: Publikum fällt zu 90 % in die Kategorie "ich finde Menschen generell nicht gut". Kl
einer Gag am Rande:
Eingangsspiel hat ansch
einend so mächtig viel Spaß gemacht, dass
es sich
vor den Aborten wiederholte. Toi-Wagen Nr.2: 10 Leute in der Schlange.
Toi-Wagen Nr.1: ca.300. Die Blicke, welche die Klugen trafen, die sich
zu Wagen Nr.2 aufmachten,
waren allerdings gefühlt noch tödlicher. Nun wissen wir endlich, wie
es ausschaut, wenn RTL 2 Publikum ins reale Leben g
eschmissen
wird. Herr, laß Hirn vom Himmel regnen. Herr ist allerdings schwerhörig
und ließ lieber wieder Regen regnen. Machte fürs erste nicht viel,
erster Support-Act "das gezeichnete Ich" - n
ein, danke. Nimm er erstmal G
esangsstunden. Wir zeichnen lieber unser Shopping-Ich und stöbern an den Ständen. Der übliche Krams und -
eine Kuschel-Puppe aka Graf. Schüttel!
Trauma-Schmerzgrenze fast erreicht.
Zum Glück gab
es Down Below. SupportAct Nr.2.
Von nicht wenigen freudig er
wartet, begrüßt und gefeiert. Die Jungs hatten sichtlich Spaß. Zum
einen an den Feiernden, zum anderen konnten sie ganz offensichtlich dem irritierten Mienenspiel der Bunten
eine amüsante Seite abgewinnen. Carter, der Gitarrist freute sich über jed
es b
estätigende Grinsen aus dem Publikum und Sänger Neo Scope lieferte den Satz d
es Abends: "Wir wollen ja nicht verg
essen, daß wir hier auf
einem Gothic Konzert sind". Danke dafür. Ansonsten - da di
es hier ja
eine Un-Kritik ist - nur soviel: Down Below, Ihr
wart großartig, habt Spaß gemacht. M.E. sind Eure Tage als Support Act sowi
eso gezählt, Ihr seid headliner-reif und könnt selbst supporten. Ich werde b
estimmt mal zuschauen.
Nächster Support-Act: And One. Schon etwas Bunte-kompatibler
brachten sie den 80er Synthie-Pop Sound a la Depeche Mode, Alphaville
mit. Bedauerlicherweise konnte ich dem schon in den 80er mal so gar
nichts abgewinnen, allerdings konnten die Jungs da ja nichts für. D
eshalb fairerweise: Auch wenn
es - wie ich sorgfältig recherchierte- vorher Knatsch in der Band gegeben hatte und man in provisorischer B
esetzung spielte,
es war ein guter
Auftritt. Kann man nicht meckern. Wohl aber übers Publikum. Blöderweise
kam mit den 80ern auch der Regen zurück und selbst in relativer
Vorderfront sah man nur tanzende Regenschirme, die diversen Augen mit
spitzen Spitzen gerne bedrohlich nahe kamen. Folgend
es Bild vor mir: Jack-Wolfskin bejackte Menschen, Kapuze tief ins G
esicht, Regenschirm drüber, aber mit Airforce bedruckt
es Täschchen.
Mann oder Memme - die Frage beantwortet sich wohl
von selbst.
Und dann stieg die Spannung. Kids kamen aus dem unheiligen Spieleparadi
es gekrochen, der Platz vor der Bühne wurde voller. Tussen-Alarm vor, hinter, neben uns. ButtonDown Krägelchen und Colleg
eschuhe neben Birkenstock Sandalen. Security suchte sich die b
esten Plätze zum Gucken - was soll man auch securen? Flucht
wege zum Beispiel? Treppen freihalten? Wozu? Soviele sind jetzt auch wieder nicht bei der Love-Parade g
estorben. Duisburg 2010 ließ grüßen. Wir probten den "Wir-stehen-wie-
eine-deutsche-Eiche-uns-rennt-k
einer-um-Griff". Erschien ratsam.
Dann endlich - der Himmel schloß die Schleusen,
es regnete rote Rosen.
Es wurde unheilig. Der Graf erschien und schmiss die Maschine an. Zeitgleich erschienen hinter uns so richtig nette Konzertb
esucher. Männer - Typ Biedermann, gerötet
es G
esicht ob der Erregung, in Remin
eszens an längst vergangene, mit
einem Hauch
von Rebellion g
esegnete Jugendtage, mal etwas richtig Ver
wegen
es zu tun und sich auf
ein Unheilig Konzert zu wagen. Natürlich nicht ohne Bewachung ihrer direkt vom Spielplatz
weggezerrten Birkenstock-belatschten Gattinnen. Belämmert beleidigter G
esichtsausdruck und vor dem Körper verschränkte Arme. Wie g
esagt, Graf schmiss die Maschine an und was macht
eine
derer bebirkenstockten Spaßbremsen? Tippt uns auf die Schulter und
befiehlt mit bitterbösem Blick: "Mädels, jetzt nicht auch noch stampfen,
ja?" Ich bin selten sprachlos, aber da
war ich kurz vor dem "
Ein-Amoklauf-könnte-befreiend-wirken-Gefühl." Wenigstens Miepsi
war so geist
esgegenwärtig, der Ollen
ein "Was glaubt Ihr, wo ihr seid? Hier ist nicht das Schlagerf
estival." entgegenzuschleudern. Zu Eurer Beruhigung sei g
esagt: Birkenstock-Spaßbremsen haben k
eine Macht. Deren Blicke können nicht töten. Unsere leider auch nicht.
Zum Konzert:
Es war toll,
es war großartig. Der Graf ist immer noch derselbe, aber unser
Eindruck
war: Mit di
esen Massen kann er nicht so wirklich umgehen, da fehlt ihm die Chuzpe und Frechheit
eines Campino. Herrn Frege hätte "Oh, wie ist das schön" oder noch p
einlicher "
einer geht noch,
einer geht noch r
ein" Rufe der Bunten mit Sicherheit anders als mit Verlegenheit zu parieren gewußt. So gilt m
eine
Konzertkritik vom Tourauftakt in Bochum letzt
es Jahr
unverändert, bis auf den letzten Absatz, der sich auf den neuen Erfolg
bezieht. Das muss ich leider, leider relativieren. Die Geister, die der
Graf rief, er wird sie nicht mehr los und die Geister, sie sind nicht
mehr schön. Der Graf singt s
eine unheiligen Texte mit heiligem Ernst, fast missionarisch b
eseelt. All
eine - die Menge will sich nicht b
eseelen
lassen, sie will gröhlen und Schlager hören. Rockigere Stücke rufen
Befremden hervor, die ernsten, traurigen Lieder dienen allenfalls als
Gelegenheit für "Biedermann sucht den Biermann". Viele Gruppen haben di
ese be
wegenden Momente, wo
es ihnen ernst und fast schon heilig ist. Bei den Hosen "Nur zu B
esuch", bei BAP ist
es "Dir all
ein", bei Unheilig eben "An D
einer Seite". Nur das sonntägliche, konzertanalphabetische Publikum -
es weiß da
von nichts.
Es weiß nicht, dass
ein Publikum sich normalerweise in di
esem Momenten gem
einsam b
esinnt und das würdigt, was mit di
esem Lied b
esungen wird.
Ein trauriger,
ein bitterer Moment
war di
es. Wahrhaft unheilig und unwürdig.
Was vom Sonntag übrig blieb:
die Frage "Was und wo
war denn jetzt die Pyramide" und der Wunsch an den Grafen: Gute Heimreise.
Von uns das Versprechen: Wir sehen uns wieder. Wenn der Hype
vorbei ist. 2015 in der Matrix. Die Verabredung steht.
P.S. Noch
eins an's motorisierte Publikum. Macht in DreiGott
esNamen
ein Fahrsicherheitstraining. So tief
war die zu durchfahrende Pfütze nun auch wieder nicht am Ende d
es Parkplatz
es, daß sie solch
einen Rückstau rechtfertigte!