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Freitag, 23. Juni 2023

T.G.i.F. - Sommersonnenwende

Tach auch Liebeleins. Alle gut abgekühlt? Fein. Herzlich willkommen in unserer kuscheligen kleinen Freitagsecke. Extra zur Sommersonnenwende geöffnet. 

Oh wie schön ist Panama 


Eigentlich wollten wir zur Sommersonnenwende auf dem Boot sein.
Oh wie schön ist ....
Mitten auf dem Wasser die hellen Tage und weißen Nächte bestaunen. So war der Plan. Der Plan war gut. Der Fehler lag - wie so oft - im eigentlich. Der jährliche Murphy hat sich gemeldet und das Auto musste in die Werkstatt. Habt Ihr in letzter Zeit versucht, kurzfristig einen Termin in einer Auto-Werkstatt zu bekommen? Das mit dem Handwerker-Mangel wusste ich ja, aber irgendwie nicht, dass es in der Autobranche auch so krass ist. Zum Glück ist die KFZ-Werkstatt bei uns umme Ecke schon seit Ewigkeiten die Werkstatt unseres Vertrauens. Netterweise haben sie uns dazwischen gequetscht, danke dafür. Hat trotzdem gedauert. Aber jetzt isset fertig und wir auch wieder auf vier Rädern mobil. 

Zuhause isset auch mal schön 

Ist ja auch nicht so, als ob es zuhause nicht auch schön wäre. Allein die erste Dusche zuhause ist sowas von kurz vor Ihr wisst schon. Und mit dem Fahrrad durch wogende Weizenfelder zum Einkaufen zu fahren, hat auch was. Zudem sind spontane Grillpartys nicht nur an Bord, sondern auch auf der Terrasse was Feines.  Aber nachdem wir jetzt zwei Wochen ausgiebig die Freuden der Zivilisation genossen haben, sind wir mehr als bereit für's Outback. Nächste Tage wechseln wir die Location. Dann sind die Tage auch noch hell und die Nächte weiß.     


Weizenfelder im Ruhrpott
Lucky Shot oder? All dieses Grau im Ruhrpott. No filter needed, ich schwör 


Lektüre zur Sommersonnenwende 


Lektüretipp für den Urlaub
Euch lasse ich zwei Rezensionen hier. Rechtzeitig als 
Urlaubslektüre. Nach sehr langer Zeit habe ich zwei Rezensionsexemplare angenommen. Eins von einer Autorin, mit der ich auf Instagram in Kontakt gekommen bin. Lasst Euch da nicht von dem leicht klamaukigen Titel abschrecken. Und den brandneuen Joel Dicker - gerade erst erschienen - hab ich für Euch vorab gelesen und besprochen. Ich bin noch nicht sicher, ob Rezensionen wieder ein regelmäßiger Bestandteil meines Bloggerlebens werden. Mal sehen. 

Die beste Rockband, die es niemals gab 

Einen weiteren Tipp hab ich noch für Euch. Einen Serientipp: Daisy Jones and the Six. Auf Amazonien! Mein absolutes Serienhighlight für dieses Jahr. Ich bin sicher, das ist so schnell nicht zu toppen. Die Serie erzählt in Rückblenden und in einem fiktiven Dokumentations-Rahmen die Geschichte der besten Rockband, die es nie gab. Wer Musik liebt, wer Konzerte liebt - der wird auch diese Serie lieben. Und damit wünsche ich 

Allen ein schickes Wochenende !  
Feiert keine Wende, die ich nicht auch feiern würde 

Bootshund unterwegs

Leider - wurde es auch nach der Sonnenwende nicht besser. 

(Und da better safe than sorry: Ich kennzeichne diesen Beitrag als Werbung, unbezahlt. Da ich meine Rezensionen verlinkt habe. Da ich einen Serientipp gegeben und benannt habe. (Wenn auch aus Gründen ohne zielführenden Link. Aber Ihr findet das, ich bin zuversichtlich). Da ich meine eigenen Beiträge verlinkt habe und ja vielleicht möglicherweise eventuell meine eigene Marke bin, die ich damit beworben hab. Sorry but no sorry. So isset halt im besten Schland aller Zeiten) 

And as always: Wer Tippfehler findet, kann sie behalten. Bittegerne.   

Dienstag, 20. Juni 2023

Rezension - der Fall Alaska Sanders

Perfektes Wetter für ein schattiges Plätzchen und gute Lektüre. Ihr braucht noch einen Tipp? Immer gerne: 

Leseempfehlung - Buchvorstellung  


Joël Dicker - Der Fall Alaska Sanders 


An der amerikanischen Ostküste, unweit des malerischen Städtchens Mount Pleasant 
Dicker Alaska Sanders ©PiperVerlag
wird 1999 die junge Alaska Sanders tot aufgefunden. Sie wurde Opfer eines Gewaltverbrechens, der ermittelnde Sergeant Gahalawood bringt den Fall zu einem raschen Abschluß.  

Elf Jahr später erreicht über verschlungene Pfade ein anonymer Brief den Sergeant. Hat er geholfen, einen Unschuldigen hinter Gitter zu bringen? Ist der damals Verurteilte wirklich Alaskas Mörder? Der Schriftsteller Marcus Goldman ist - wie so oft - zu Besuch beim Sergeant, er entdeckt sofort die Ungereimtheiten in der ursprünglichen Aufklärung des Falls. Eigentlich wollte Goldman seinen alten Mentor Quebert aufstöbern, zu lange hat er nichts von ihm gehört. Doch jetzt hat ihn das Jagdfieber gepackt und gemeinsam mit Galahawood beginnt er, die Fäden im cold case Alaska Sanders neu aufzurollen. 

Galahawood, Goldman, Quebert - kennen wir die nicht? Exakt. Wir kennen sie aus der "Wahrheit über den Fall Harry Quebert" und der "Geschichte der Baltimores"  Der Fall Alaska Sanders beschert uns ein Wiedersehen mit Charakteren, die wir nicht vergessen haben. Der Schweizer Schriftsteller Joël Dicker wurde wie sein Alter Ego Marcus Goldman als Wunderkind des Literaturbetriebs gefeiert. Neben den eigentlichen Plots der Fälle Harry Quebert und jetzt Alaska Sanders interessiert die schriftstellerische Entwicklung von Marcus Goldman den Leser mindestens ebenso.   

Das scheint auch Joël Dicker zu wissen. So bildet die Geschichte seines erfolgreichsten Protagonisten Goldman erneut den Rahmen für einen Thriller und die Möglichkeit für das Spiel mit mehreren Ebenen, welches Dicker mühelos beherrscht. Nichts dagegen, wenn ein Schriftsteller eine Figur über die Jahre immer wieder bemüht. Vor allem, wenn sie sich sichtbar weiter entwickelt. Darüber hinaus wollte sicher nicht nur ich gerne wissen, was nach den nicht gerade glücklichen Enden obengenannter Bücher aus Goldmans Mentor geworden ist, wie es Galahawood ergangen ist, ob es Neues von den Baltimores gibt. 

Diese Fragen werden alle zufriedenstellend beantwortet. Wenngleich die dafür notwendigen Rückblenden die Gefahr der Redundanz bergen. Natürlich geht es nicht ohne Rückschau, sonst könnte dieses Buch nicht für sich gelesen werden. Natürlich muss er hier Rücksicht nehmen auf die Leser, die die vorangegangen Bücher (noch) nicht gelesen haben. Aber Dicker läuft Gefahr, die Leser, die seine vorigen Bücher kennen, zu langweilen. Man will nicht ein und dieselbe Geschichte in dieser epischen Breite immer wieder lesen. Den Rückblenden hätte eine Straffung gut getan.  

Das ist aber auch schon das einzige Manko von Dickers neuem Roman. Beide Geschichten - die Rahmenhandlung und der eigentlich Plot um den Tod der Alaska Sanders - sind interessant konstruiert und in sich schlüssig. Plot-Twist ist eine der Stärken von Dicker. Er hält sich konsequent an sein Leitmotiv "nichts ist, wie es scheint" und schafft damit eine ganz besondere Spannung, die den Leser immer wieder auf Abwege führt. In der Mitte des Buches kommt kurz ein Verdacht (unter vielen) auf, der sich ganz zum Schluß bestätigt. Nachdem man ihn als Leser längst verworfen hat.       

Wie immer bei Joël Dicker begegnet man einer Fülle von Charakteren. Allen gemeinsam ist, dass sie auf der Suche sind. Keiner ist wirklich in seinem Leben angekommen. Aber ist man das überhaupt jemals? Anders als bei den Baltimores beschreibt Dicker diesmal seine Figuren oft mit Abstand, er überlässt dem Leser das Urteil. So schwankt man bei fast allen Charakteren zwischen Distanz und Idendifikation. Letzten Endes sind es nicht die Figuren, die den Leser tief in diesen Roman hinein ziehen. Es sind eher die Situationen, die er schafft. Situationen, die man kennt und vielleicht schon selbst erlebt hat. Umso dringender will man wissen, wie Dickers Protagonisten sie lösen. 

Joël Dicker hat einen ganz besonderen Schreibstil, flüssig, leicht zu lesen, aber mit einem eindringlichen Rhythmus, dem man unweigerlich folgt und dem man manche Länge verzeiht. Das einstige Wunderkind Marcus Goldman hat sich etabliert, mit ihm Joël Dicker.    

Rezension, der guten Ordnung halber gekennzeichnet als Werbung, unbezahlt. Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Piper Verlag zur Verfügung gestellt.  

Joël Dicker
Der Fall Alaska Sanders
Piper Verlag, Juni 2023 , alle Rechte auch des Covers dort.  
EAN 978-3-492-07196-3  -3 

Alle Rezensionen findet Ihr unter dem Label: Die geheime Kraft der Bücher  


2025: Neu erschienen im Februar 2025: Ein ungezähmtes Tier von Joel Dicker. Die Rezension findet Ihr im neuen Blog. Link nebenstehend ! 


Sonntag, 18. Juni 2023

Rezension - Miss Pinky und der tote Pastor

So. Liebeleins. Seit sehr langer Zeit gibt es wieder eine Buchvorstellung von mir. Ich habe Euch gefragt, Ihr habt es Euch gewünscht. Von daher wird es sie wieder in loser Reihenfolge ab und an geben. Die 

Buchvorstellung - Leseempfehlung 


Den Anfang macht eine perfekte Urlaubslektüre. Das Buch ist von der Autorin Caitlin Young, die ich auf Instagram kennengelernt habe. Ich freue mich sehr, dass sie mir ihr Buch zur Rezension* anvertraut hat. Los geht's: 

Miss Pinky und der tote Pastor  


Im verschlafenen Nest Hollowfield in England kennt jeder jeden. Höhepunkte des Gesellschaftslebens sind Teekränzchen und der sonntägliche Kirchgang. Gut, dass es Erin Lovejoy, genannt Miss Pinky, gibt. Die gebürtige Amerikanerin mischt das idyllische Leben mit ihren extravaganten Ideen auf. Doch dann geschieht etwas Schockierendes. Der nicht nur wegen seiner Attraktivität beliebte Pastor Gray Guss liegt eines Abends tot vor dem Altar. Damit nicht genug - in seiner Jackentasche steckt ein Liebesbrief. Von der eigentlich glücklich verheirateten Miss Pinky! Hat sie etwa ein dunkles Geheimnis? Oder gar etwas mit dem Tod des Pastors zu tun? Miss Pinky ist nicht nur laut und extravagant, sie ist auch taff. Die durchs Dorf wabernden Gerüchte will sie nicht auf sich sitzen lassen. Kurz entschlossen nimmt sie die Ermittlungen in die eigene Hand und fördert so manches Geheimnis zutage. Wird sie auch den Tod des Pastors aufklären? 

Idyllisches Hollowfield  


Caitlin Young hat mit "Miss Pinky und der tote Pastor" einen Wohlfühlkrimi geschrieben, 
©CaitlinYoung Miss Pinky und der tote Pastor
der sich perfekt als Urlaubslektüre eignet. Spannend genug, um auf der Liege am Strand nicht einzuschlafen. Cozy genug, um nicht den wohlverdienten Nachtschlaf zu rauben. Flüssig geschrieben nimmt sie uns mit in eine vermeintlich idyllische Kleinstadtwelt. Schnell fühlt man sich wohl in Hollowfield und würde selber gerne mittratschen beim Teekränzchen.      

Oder trügt die Idylle? 

Bei diesen Kränzchen lernt man die Bewohner Hollowfields besser kennen. Caitlin Young zeichnet ihre einprägsamen Charaktere mit viel Liebe, aber auch mit einem leichten Augenzwinkern. Die Aufklärung des Falls treibt sie humorvoll, aber nicht klamaukig voran. Die Wendungen sind überraschend, aber schlüssig. Bei allen Wohlfühlmomenten schafft sie es, genug Spannung aufzubauen, um die Lösung unbedingt erfahren zu wollen. Geschickt webt sie unterschwellig ein wenig nachdenkliche Gesellschaftskritik ein. Dabei kommt sie ganz ohne erhobenen Zeigefinger aus, was heutzutage schon eine erwähnenswerte Kunst ist. Sie hat Verständnis für ihre Charaktere, zeigt aber auch, wie schnell Mißtrauen in einen in sich abgeschlossenen Mikrokosmos einzieht. Gerade, wenn eine(r) nicht in eingeübte Gesellschaftsmuster passt. 

Nur eine Frage bleibt offen 

Fazit: Ich habe diesen Krimi sehr gerne gelesen und empfehle es gerne als unkomplizierte, aber nicht seichte Urlaubslektüre. Ich war gerne in Hollowfield und habe Miss Pinky begleitet. Das Buch findet ein befriedigendes Ende, bei dem nur eine einzige Frage offen bleibt: War es das schon für Miss Pinky oder wird sie in einem weiteren Fall ihren Spürsinn beweisen? Ich wäre gerne bei einem weiteren Fall als Leserin dabei.       

Caitlin Young 
Miss Pinky und der tote Pastor 
DP Verlag
ISBN 978-3-9877823-8-1

erhältlich als Taschenbuch und in den gängigen E-Book Formaten

*Vielen Dank an Caitlin Young für das Rezensionsexemplar und das zur Verfügung gestellte Cover-Foto. Ich habe dieses Buch an Bord gelesen und auf dem Boot gilt immer: Better safe than sorry. Auch für die Lektüre. Deshalb kennzeichne ich der gängigen Praxis folgend diese Rezension als: Werbung, unbezahlt. 

Alle Rezensionen findet Ihr unter dem Label Die geheime Kraft der Bücher 

Freitag, 2. Juni 2023

Rezension - die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

 Meine Rezension zu diesem Buch habe ich zuerst in der LiteraturzeitschriftPunktde veröffentlicht. Leider verschwand sie dort sehr schnell vom Radar. Auf mögliche Gründe gehe ich hier nicht ein. Vorbei ist vorbei. Ich nehme eine Rezension nie auf die leichte Schulter und mache mir damit immer viel Mühe. Zum einen möchte ich dem Autor dadurch zeigen, dass ich sein Werk zu schätzen weiß - auch wenn eine Rezi mal nicht so positiv ausfallen sollte. Zum anderen möchte ich als Viel-Leserin auch meinen Leser und Leserinnen das Medium Buch ans Herz legen. Ich freue mich, wenn meine Buchempfehlungen ein kleiner Wegweiser durch das Dickicht der vielen Bücher sind. Deswegen hole ich von nun an Rezensionen zu Büchern, die mir auch heute noch was bedeuten, nach und nach hervor und stelle sie hier neu ein. Alle Rezensionen findet Ihr unter dem Label Die geheime Kraft der Bücher 

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert von Joel Dicker 

Ein Shootingstar der Literaturszene. Eine Schreibblockade. Ein Mentor, der plötzlich eines Jahrzehnte zurückliegenden Mordes bezichtigt wird. So beginnt der Fall Harry Quebert, in dem wenig so ist, wie es scheint.

Wunderkind des Literaturbetriebs 

Mitte der Nuller Jahre ist Marcus Goldman der Überflieger des New Yorker Buchszene. Schon zu College-Zeiten firmierte er als “der Fabelhafte”, was allerdings weniger seinen tatsächlichen Qualitäten geschuldet war denn seiner unbestrittenen Begabung zur Hochstapelei. Nun aber ist er wirklich wer, er hat einen Bestseller geschrieben und wird überall gefeiert. Doch Ruhm ist vergänglich und er müsste nachlegen, wenn ihn nicht das Grundübel eines Schriftstellers befallen hätte: die gefürchtete Schreibblockade.

Der Ursprung des Übels 

So nimmt er nur zu gern die Einladung in das im idyllischen Küstenstädchen Aurora gelegene Haus seines früheren College-Professors Harry Quebert an, der ihm väterlicher Freund und Mentor in einem ist. Harry indes braucht bald selber Hilfe. In seinem Garten wird das Skelett der 1975 verschwundenen, damals 15jährigen Nola Kellergan gefunden. Harry hat vor 33 Jahren den Roman Der Ursprung des Übels publiziert, der als konkurrenzloser Maßstab der zeitgenössischen amerikanischen Literatur gilt. Doch Amerika muss plötzlich erkennen, das Werk ist tatsächlich nicht nur ein Ursprung. sondern auch ein Übel. Die darin thematisierte, vorgeblich fiktive Beziehung hat es tatsächlich gegeben, übler noch, die weibliche Protagonistin war minderjährig, sie war niemand anders als die Jahrzehnte lang verschwunden geglaubte Nola.

Die Wahrheit über den Fall 

Marcus Goldman erfuhr erst kurz vor dem Aufsehen erregenden Fund der leiblichen Überreste Nolas von den Hintergründen des immer bewunderten Buches seines Mentors. Was er indes nicht weiß, ist die Wahrheit über den Fall Harry Quebert. Es fällt ihm schwer genug, zu akzeptieren, dass der bewunderte Harry tatsächlich eine Minderjährige geliebt hat. Dass er auch noch ein Mörder sein soll, das kann und will er nicht glauben. Ungeachtet aller Drohungen und der nahenden Abgabefrist seines noch ungeschriebenen zweiten Romans nistet er sich in Harrys Haus ein, rauft sich mit dem Polizisten Gahalowood zusammen und trägt mit diesem gemeinsam Schicht für Schicht vom Berg möglicher Wahrheiten ab. Schließlich präsentiert er nicht nur einen Täter, sondern auch einen neuen Bestseller, den Fall Harry Quebert. Harry kommt frei, Marcus ist wieder ganz oben und alles könnte schick und schön sein.

Jeder sieht seine eigene Wahrheit  

Ist es aber nicht. Denn obwohl wir seit Oscar Wilde wissen, dass am Ende alles gut wird und es nicht das Ende ist, solange nicht alles gut ist, ist es hier umgekehrt. Bei Marcus, Gahalowood und Harry ist zwar alles gut, aber es ist leider nicht das Ende. Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert ist mindestens genauso vielschichtig wie der Blick der Protagonisten auf die Liebe. Die Wahrheit offenbart sich auch nach mehreren Blicken nicht recht und der wahre Täter ist noch lange nicht entlarvt. Denn bis zu diesem Punkt hat jeder nur die Wahrheit gesehen, die er sehen wollte. Marcus lässt der Fall keine Ruhe, er stochert weiter im wieder undurchdringlichen Dickicht und mit ihm der Leser.

Alles muss neu geschrieben werden 

Ein Buch wie ein Autounfall. Man will nicht hinsehen, tut es aber doch. Hier will man nicht glauben, dass es immer noch nicht das Ende ist, dass noch eine Wendung wartet und noch eine. Irgendwann denkt man auch, es sei jetzt mal gut gewesen, noch einmal will man nicht umdenken und man tut es doch. Kann man es doch selber gar nicht fassen, auf welches Glatteis man sich da vom Autor hat führen lassen. Unwiderstehlich ist der Sog, den dieses Buch ausübt, geradezu unfassbar die Menge an Drehungen und Wendungen, die dieser Plot nimmt. So viele Wahrheiten, Gewissheiten, die plötzlich keine mehr sind und die ständig neu geschrieben werden müssen. Man wartet förmlich darauf, dass der Autor sich in seinen eigenen Fallstricken verheddert.Tut er aber nicht, was diverse Wiederholungen in neuen Blickwinkeln untermauern.

Nicht nur eine Geschichte 

Unterteilt ist das Buch in 31 Kapitel, die den 31 Regeln entsprechen, welche Harry Quebert dareinst seinem Schüler Marcus Goldman für sein Schriftsteller-Leben an die Hand gab. Die Kapitel sind von hinten nach vorne nummeriert, was den Leser von vornherein darauf hinweist, wie weit zurück hier gegraben werden wird. Das Ganze ist flüssig geschrieben, mit einem sehr sicheren Gespür für Stimmungen, gerade auch weil man sich gelegentlich nicht in Aurora, sondern in Twin Peaks wähnt. Auffällig ist die Begabung des Autors für Dialoge, die Tonlagen seiner handelnden Personen hält er genauso mühelos wie die vielen Fäden seiner Geschichte. Letztendlich ist es auch nicht eine Geschichte, die er erzählt, sondern viele. Und auch wenn er den Kreis fulminant schließt, wir werden nie wissen, wo genau der Ursprung des Übels jetzt wirklich lag. 

So viele Geschichten 

Aber das sollen wir wahrscheinlich auch gar nicht. Nach Harrys Regeln sollte das letzte Kapitel eines Buches das schönste sein, dasjenige, nach welchem man das Buch mit tiefem Bedauern aus der Hand legt. Nun ist hier das letzte Kapitel nicht wirklich schön, es endet eben doch nicht gut. Trotzdem verabschiedet man sich schwer.

Subtilität ist nicht seine Stärke 

Bei aller Begeisterung gibt es ein paar kleine Abzüge in der B-Note: Ab und an trägt der Autor zu dick auf. Subtilität ist seine Stärke nicht durchgehend. Man nehme nur den Namen des jungen Mädchen. Nola – Lola. Man darf wohl noch froh sein, dass er sie nicht Nolita genannt hat. Und bitte – es reicht jetzt an ringenden oder boxenden Schriftsteller-Figuren. Das hat sich jetzt wirklich langsam auserzählt, es wird inflationär und erzeugt nicht mehr als ein genervtes Gähnen.

Joel Dicker und sein Alter Ego 

Joël Dicker lebt als Schriftsteller in der französisch-sprachigen Schweiz und seine Wahrheit über den Fall Harry Quebert ist sein zweiter Roman. Das Werk ist in der Schweiz bereits preisgekrönt und scheint sich auch in Deutschland in einer guten Auflage zu verkaufen. Durchaus zu Recht, denn der Fall Harry Quebert ist Unterhaltung im besten Sinne. Liebhaber von Betroffenheitsgeseiere sowie von stilpuristischen Thrillern werden nicht so ganz auf ihre Kosten kommen, aber die breite Masse dazwischen, die einfach nur gut und abwechslungsreich unterhalten werden möchte, ganz sicher.

Joel Dicker 
Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert
Piper Verlag 2013
EAN 978-3-492-05600-7
*Das Rezensionsexemplar und das Cover-Foto wurden mir vom Piper Verlag zur Verfügung gestellt. Als Bootsfrau weiß ich : Better safe than sorry.  Gilt immer. Auch für Lektüre und Blogposts. Deshalb kennzeichne ich der gängigen Praxis folgend diese Rezension als: Werbung, unbezahlt. 
Ein Wiederlesen mit Harry Quebert gibt es im neuen Buch von Joel Dicker: Der FAll Alaska Sanders

Donnerstag, 1. Juni 2023

Rezension - die Geschichte der Baltimores

Vorweg: Meine Rezension zu der Geschichte der Baltimores habe ich zuerst in der LiteraturzeitschriftPunktde veröffentlicht. Leider verschwand sie dort sehr schnell vom Radar. Auf mögliche Gründe gehe ich hier nicht ein. Vorbei ist vorbei.

Ich nehme eine Rezension nie auf die leichte Schulter und mache mir damit immer viel Mühe. Zum einen möchte ich dem Autor dadurch zeigen, dass ich sein Werk zu schätzen weiß - auch wenn eine Rezi  nicht so positiv ausfallen sollte. Zum anderen möchte ich als Viel-Leserin auch meinen Leser und Leserinnen das Medium Buch ans Herz legen. Ich freue mich, wenn meine Buchempfehlungen ein kleiner Wegweiser durch das Dickicht der vielen Bücher sind. Deswegen hole ich von nun an Rezensionen zu Büchern, die mir auch heute noch was bedeuten, nach und nach hervor und stelle sie hier neu ein. Alle Rezensionen findet Ihr unter dem Label Die geheime Kraft der Bücher 

Die Geschichte der Baltimores von Joël Dicker

Die Goldmans sind eine ganz besondere Familie, so besonders, dass es gleich zwei von ihnen gibt. In Baltimore lebt ein Familienzweig in Saus und Braus, ein anderer lebt ein mühsames Mittelklasseleben im New Yorker Vorort Montclair. Die Großeltern benannten der Einfachheit halber ihre Familienzweige nach den Wohnorten und dabei ist es geblieben. Es gibt die Baltimores und die Montclairs.

Der Habitus der unbesiegbaren Baltimores 

Freitag, 30. September 2016

Pausenfüller

Reklame statt TGiF - Tja, Liebeleins. Da müsst Ihr jetzt durch. Tach auch.

Wie den Lästerschwestern und Brüdern letzte Woche angekündigt - wer kann, der kann und wer hat, der hat. Resturlaub in rauen Mengen zum Beispiel. Von daher waren die letzten TGiFs eher eine Unterbrechung der Sendepause als die Beendigung derselben.

Motto der nächsten Woche: Dänen lügen nicht. 
Erst recht nicht in und mit der Whisteria Lane.

Aber wenn Euch so'n kleines bißchen langweilig wird, ich hab Euch Lektüre hinterlassen:

Zum einen die Rezension des einziges Buches, welches auf dem Boot die Ehre bekam: Fremde Gäste von Sarah Waters.

Zum anderen isset feddich: Datt Logbuch des friese-Meren-Törns. Allet drin, allet dran. Könnt Ihr jetzt als Fortsetzungsroman lesen. In den letzten Einträgen geht es um Entenflüsterer, Aussteiger-Oppas und royale Hochzeitsküsse. Für alle und von allet etwas.

Und - ein kleines bißchen aktiv könnt Ihr noch werden. Bewegt mal wieder was.
Wenn schon nicht Euren Allerwertesten, dann wenigstens Kastanien. 



In diesem Sinne: 

Allen eine schicke Zeit. 
Bewegt nichts, was ich nicht auch bewegen würde. 

Freitag, 15. November 2013

T.G.i.F. - Kniefall im November

Die meisten wissen es schon: Wir melden:  Kniefall reloaded.

Ich dachte schon die ganze Zeit, es ist ruhig. Auffällig, verdächtig ruhig. So ruhig, dass es mich schon unruhig machte und ich mir wirklich verbot, es auszusprechen oder mich darüber zu freuen. Aber auch diese Vorsichtsmaßnahme griff nicht. Kniefallrückzieher.

Was lernen wir daraus: Es hilft nüscht. Ob man sich jetzt über Ruhe freut oder sie skeptisch beäugt, das nächste Chaos lauert schon an der nächsten Ecke. Wahrscheinlich denkt das Leben: ach komm, die haben schon so viele Arschkarten gesammelt, da kommt es auf eine mehr oder weniger auch nicht mehr an. Von daher werdet Ihr mir nachsehen, satirische Aufbereitung der Woche entfällt ersatzlos wegen ist nicht.

Es bleibt die Feststellung, der November und ich, wir werden in diesem Jahr keine Freunde mehr. Auch ohne Kniefall 3.0. blieb am Ende des Tages nur ein geseufztes Allet-Schlampen-außer-Mutti.  Ist das dunkel, ist das trübe! Seid Ihr auch alle so müde? (Wenn Euch nicht gerade der nächste Schock wachrüttelt, natürlich) Außerdem hat man wirklich den Eindruck, es ist allüberall sowas von voll. Staus von hier bis Laramie. Der ganze Pott ist ein einziges Stau-Schutzgebiet. Mein Chef kam die Tage mit der Theorie um die Ecke, der November sei der verkehrsreichste Monat des Jahres.Weil dann niemand Urlaub nehmen würde und kaum Feiertage seien. Ich neige dazu, dieser Theorie zuzustimmen. Was sie nicht weniger nervig macht. Vor allem, wenn Wunderdoktoren in Essen residieren.

Eine Ergänzung hätte ich noch, will ich Euch nicht vorenthalten: Am Mittwoch fand der ominöse Lichter-Umzug der benachbarten Ki-Ta statt. Ihr erinnert Euch. Und - nicht nur, dass sich unabgesprochen meinem Boykott noch so einige andere Rollo-Runterlasser anschlossen und die Whisteria Lane in ein seltenes Dunkel tauchten, zeitgleich kreiste auch ein Hubschrauber über der Siedlung. Kein Witz. Die Vermutung liegt nahe, dass die wohl den verstoßenen St. Martin gesucht haben. Oder den Mantel. Den des Schweigens gebe ich allerdings nicht her. Der ist wohl verwahrt.Gut verwahrt wie immer, wenn auch heute eher fragmentarisch

die Statistik:
Satz der Woche: Knie heilt nie.
Kleine Freude der Woche: Reden ist Silber, bloggen und twittern seit neuestem Chrome.
These der Woche: Nicht alle können als Gurke geboren werden, es muss 
auch andere Lebenwesen geben. ( DocTotte)
Definition der Woche:  Faulheit ist die Kunst, so lange nichts zu tun, bis die Gefahr 
sicher vorüber ist, dass man eventuell doch was tun müsste. (Trixelinchen)
Vermutung der Woche. Wer schweigt, stimmt nicht immer zu. Vielleicht hat er auch 
nur keine Lust, mit Idioten zu diskutieren.
Stoßseufzer der Woche: Nicht genug, dass dumme Menschen immer über
 alles Bescheid wissen, sie sagen es auch.
Cookie der Woche: Standardantwort: Grundsätzlich ja, kategorisch nein.
Michaphorismus der Woche: Der Klügere gibt nach. - Das erklärt dann wohl hinreichend 
unsere aktuelle Weltproblematik.

Allen ein schickes Wochenende. 
Gebt keine Standardantwort, die ich nicht auch geben würde. 

Mittwoch, 21. August 2013

Überlebensgroß - Mark Watson

Mark Watson? Überlebensgroß? Da war doch was? Richtig -. ich war das. Ich hatte Mark Watson 2011 für seinen ersten auf Deutsch erschienenen Roman Elf Leben hochgejubelt, für überlebensgroß erklärt  und dieses Buch letztendlich sogar zu meinem Buch des Jahres 2011 gekürt. 

Mark Watson ist ein Romanautor, der in England auch als Kolumnist, Radio- und Fernsehmoderator sowie als Stand-Up Comedian Kultstatus genießt. Wörtlich schrieb ich 2011, dass ich inständig auf weitere ins Deutsche übersetzte Bücher von ihm hoffe. Ein bißchen habe ich warten müssen, was möglicherweise mit der Suche nach einem neuen Verlag zusammenhing. Aber nun bin ich zufriedengestellt, Überlebensgroß ist da und  im Juli erschien zudem als Taschenbuch eines der ersten Bücher Watsons auf Deutsch, Rückwärtsleben. .

Man ahnt es, meine Erwartungshaltung also war überlebensgroß und das ist nie fair. Fazit vorab: Überlebensgroß hat mich nicht ganz so gepackt wie Elf Leben. Es mag daran liegen, dass der Schreibstil Watsons mir schon vertrauter war und mich nicht mehr so überraschen konnte. Möglicherweise aber auch daran, dass Watson in Überlebensgroß ein ganzes Füllhorn von Themen über den Leser ausschüttet, in Summe vielleicht ein bißchen arg viel für knapp 400 Seiten. Es geht um Familie, um Liebe, um Freundschaften, um das Alter, um Alzheimer, um unerfüllte Sehnsüchte, in Summe darum, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, im Überbau gibt es noch ein fein gezeichnetes Zeitbild des Lebens kleiner Leute in den 60ern dazu. Dennoch ist es ein Buch, welches lange nachwirkt und eine uneingeschränkte Empfehlung bekommt.

CoverDownload von Randomhouse.de 
Überlebensgroß ist die Geschichte von Dominic Kitchen und seiner Familie. Eigentlich ist es eine einfache Geschichte, alles andere als überlebensgroß, an und für sich ist es eher eine Geschichte all der kleinen Dinge, die das Leben lebenswert oder schwer machen. Dominics Familie ist auf der einen Seite geprägt von liebenswerten Schrullen, auf der anderen von Ignoranz. Wie in allen Familien gibt es Familiengeheimnisse, Streitigkeiten und Schwierigkeiten. In der Familie Kitchen ist man aber meist damit zufrieden, allem einen schönen Schein zu geben und diese unter den Teppich zu kehren. Bloß nicht dran rühren ist das Credo. Dominic ist in dieser Familie der Jüngste, derjenige, auf dem die wenigsten Hoffnungen ruhen und von dem am wenigstens erwartet wird. Seinem Bruder Max begegnet er mit wenig Sympathie, alleine seine schöne, wilde Schwester Victoria, die immer für eine Überraschung gut ist, betet er an und stellt sie auf ein überlebensgroßes Podest.

Dominic entdeckt früh seine Leidenschaft für die Fotografie. Sein Brot verdient er als Hochzeitsfotograf und hält so die glücklichsten Momente im Leben anderer Menschen fest, während Glück für ihn selbst unerreichbar scheint. Die Kunst der Fotografie ist für ihn auch die Möglichkeit, der Unsichtbare zu bleiben, der Mann hinter der Kamera, den man meistens nicht zur Kenntnis nimmt. Günstig für ihn, denn Dominic baut nach außen zwar eine Scheinwelt auf, die gesellschaftlichen Normen entspricht, doch er wird getrieben von einer unerlaubten, unerhörten Sehnsucht, von der keiner je erfahren darf. Und genau an dieser Stelle bricht hier mit Absicht die Inhaltsangabe ab, denn es wäre wirklich schade, dem Leser das dunkle Geheimnis zu verraten und ihn so des - ohne Übertreibung - wirklich schockierenden und unerwarteten Momentes zu berauben.  Nur soviel: Mark Watson bricht da ganz en passant eins der letzten Tabus, ein Tabu, über das auch jenseits sämtlicher existierender Feuchtgebiete nicht gesprochen wird.

Im Original heisst das Buch the Knot - der Knoten und auch wenn mir hier ausnahmsweise einmal der deutsche Titel besser als das Original gefällt, passt natürlich der Verweis auf den  Knoten ganz gut. Dominic ist erfüllt von einer Sehnsucht, die niemand billigen würde oder verstehen könnte. Einer Sehnsucht, die ihm den Hals zuschnürt und einen Knoten in seinem ganzen Lebensentwurf knüpft, den er niemals wird auflösen können, der nicht einfach mit einem Klick auf den Auslöser zu entwirren ist. Auch nicht in der Aufarbeitung.

Mark Watson ist für seine Experimentierfreude auf allen Gebieten bekannt, auch für Unerschrockenheit und klare Worte. Des gilt umso mehr für Überlebensgroß. Er schreibt in einer schönen, klaren, flüssig zu lesenden Sprache, hat dabei aber einen ganz eigenen Stil. Nur auf den ersten Blick wirken seine Sätze leicht, wie hingeworfen. Auf den zweiten Blick ist er ein Meister der Lakonie, verbunden mit viel Empathie für seine Charaktere und deren Geschichten. Er ist komplett unerschrocken, packt Themen an, denen die meisten Schriftsteller sich nicht einmal nähern würden. Gelegentlich hat er einen leichten Hang zum Pathos, doch da er nie kitschig wird, schadet das aber nicht. Im Gegenteil - dadurch werden seine Geschichten nachempfindbar und das vorher so leicht und lakonisch Hingeworfene trifft den Leser mit voller Wucht.
Es sind die Gegensätze, derer sich Mark Watson gerne bedient. So geht der Schluß des Romans einerseits tief zu Herzen, andererseits befreit er Dominic und mit ihm den Leser mit dem Wagnis eines alle Konventionen verletztenden unerhörten Befreiungsschlags.

Mark Watson ist ein Ausnahme-Sschriftsteller. Auch wenn ich elf Leben immer noch den berühmten Tacken besser fand, ist auch Überlebensgroß weit lesenswerter als so ziemlich alles, was derzeit als Bestseller hochgejazzt wird, mir tausendmal lieber als das zigste Remake von Forrest Gump, Love Story oder ziemlich beste Freunde. Sorry, aber das war mir jetzt ein Anliegen. Dazu demnächst mehr.

Ein freundlich gemeinter Rat zum Schluss: Wenn Sie ein Mann sind, schenken Sie dieses Buch NICHT ihrer Schwester. Jedenfalls nicht, ohne es vorher gelesen zu haben. Glauben Sie mir.

Mark Watson 
Überlebensgroß 
397 Seiten im Hardcover 
auch als E-Book, Hörbuch oder Audio-Download 
Heyne Verlag, München 
ISBN 978-3-453-43712-8

*Elf Leben gibt es mittlerweile im Heyne Verlag, die dort verlegte Taschenbuchausgabe trägt den Titel Ich könnte am Samstag

Dienstag, 15. Januar 2013

Eine unheilige Autobiographie

Als Musik meine Sprache wurde - die offizielle Autobiographie des Grafen.
Frisch rezensiert in der Literaturzeitschrift.de .

Fazit: Wenig Neues, wenig Erhellendes, vieles, was ich mir zusammenreimte. .

Sonntag, 2. Dezember 2012

Die Tore der Welt - kritisch betrachtet

Am 9. April 2008 regte ich mich auf. Über "die Tore der Welt" von Ken Follett. Eine Unverschämtheit - so fand ich - war das Follettsche Epos, vollmundig angekündigt als Fortsetzung der Säulen der Erde, noch dazu mit Sex, viel Sex, viel viel Sex. Mittlerweile hat sich der Kurs nicht nur der Telekom-Aktie dramatisch geändert, Schweinefleisch kostet so ungefähr noch dasselbe, die Tore sind als Taschenbuch erschienen und ganz neu auch als Filmbuchausgabe.(s.verwendeter Cover-Download) Die Säulen der Erde wurden mit großem Erfolg verfilmt und morgen geht auch die Verfilmung der Tore als Vierteiler an den Start. Zur Einstimmung auf dieses Ereignis hat sich die Rezensentin zu einer erneuten Veröffentlichung der Buchbesprechung entschlossen. Viel Spaß dabei. 

Ken Follett: Die Tore der Welt. Ein Verriss.

Freitag, 31. August 2012

Öffentliches während der Sendepause

Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps.Versprochen ist versprochen und wird auch während der Sendepause nicht gebrochen.

Die Übersicht über Öffentliches während der Sommerpause:

Vermischtes in den Revierpassagen:

Kulturschock in New York. Der neue Film von Julie Delpy.  
Der Rückblick auf dem Ruhrpott sein Juli - dem Weltuntergang knapp entgangen.
Auf dem Berg der Wahrheit - ein Spaziergang auf den Spuren von Hermann Hesse. Ein Bericht, den ich schon lange schreiben wollte und auf den ich wirklich stolz bin.
Der Rückblick auf dem Ruhrpott sein August - gut beschirmt im Last Minute Sommer

Rezensionen:
Zehn Minuten von Manuela Reichart - unbefriedigende Rückschau
Höchstgebot von Thomas Hoeps und Jac.Toes - deutsch/niederländisches Gemeinschaftswerk
ImWinter Dein Herz  von Benjamin Lebert - mein Favorit
Neben der Spur von Ella Theiss - Recherchen in der BiosuppenKüche
Mein letzter Mord von Marc Boog - Der Schriftsteller versteht den Mörder, nur ich leider den Schriftsteller nicht.
Agnes von Peter Stamm - ein berührendes Geschenk
Nachricht von Dir - von Guillaume Musso - beginnt als Screwball und endet als Krimi
Katzentisch von Michael Ondaatje - einer muss ja mal dagegenhalten und dieses Buch nicht sonderlich gut finden.
Love is the cure von Elton John - über das Leben, den Verlust und wie Aids besiegt werden kann.


Mittwoch, 20. Juni 2012

Ein unheiliger Tag in Gelsenkirchen


eine Un- Kritik zu Unheilig and special guests im Amphitheater Gelsenkirchen.
Sonntag war es soweit. Die dunkle Rose und ich machten uns auf in die Nachbarstadt, dem Grafen im Amphitheater aufzuwarten.
Leicht gespannt, aber durchaus gewarnt. Herr Niemand und Frau Sandersonia bildeten am Samstag die Vorhut und berichteten bereits von buntem Publikum und überfüllten Parkplätzen. Wir -nicht blöd - also zeitig los und landeten bei strahlendem Sonnenschein auf dem ehemaligen Bu-GA-Gelände am Kanal in GE an. Ist schliesslich auch ohne Mucke ein lohnendes Ausflugsziel, wo man entspannt schlendern und sich zu müßig gehenden Ruhrpott-Oppas gesellen kann, um die neuesten Dönnekes vonne Schalkers und die Wahrheit über Herkules zu erfahren.
Immer noch strahlend besonnenscheint, aber mit drohendem Gegrummel im Hintergrund - östlich oder nördlich war nicht so ganz auszumachen, auch nicht für findige Pfadfinderinnen wie unsereins - ging es zum Eingang. Eingang Nr. 2 wohlgemerkt. Der für die Veteranen. Schon da zeigte sich - das Publikum war nicht nur ballermannig bunt, Konzert-Anaphabetismus kam auch hinzu. Zwei Eingänge. Vor Nr.1 standen ca. 5.900 Leute, vor Nr.2 ca. 100. Da können Ordner ordnen, wie sie wollten, Lemminge bleiben in ihrer Schlange und senden noch gerne böse Blicke denen hinterher, die hören können und zu Eingang Nr.2 traben. Nutzte uns allerdings auch nicht wirklich was, denn kaum in der kleinen Schlange stehend - öffnete der Himmel seine Schleusen, es starkregnete, hagelte, donnerte und blitzte geradezu - ja, unheilig irgendwie. Ganz irdisch durchnässt waren wir nach wenigen Minuten. Nichts ging mehr. Ausser zurück in die Citrone, Heizung auf volle Pulle rauf, Killerqueens bis auf die Unterwäsche aus. Warten und trocknen und warten. Das muss man ihr lassen - das Gewitterwölkchen hatte alles gegeben. Wölkchenbändigern blieb als letzte Chance nur noch die SMS.
Unwort des Tages: Amtliche Warnung.
Nun denn, nur die Harten kommen in den Garten. Auf Stufe Klamm getrocknet das Eingangsspiel auf Reset und sofort festgestellt: Publikum fällt zu 90 % in die Kategorie "ich finde Menschen generell nicht gut". Kleiner Gag am Rande: Eingangsspiel hat anscheinend so mächtig viel Spaß gemacht, dass es sich vor den Aborten wiederholte. Toi-Wagen Nr.2: 10 Leute in der Schlange. Toi-Wagen Nr.1: ca.300. Die Blicke, welche die Klugen trafen, die sich zu Wagen Nr.2 aufmachten, waren allerdings gefühlt noch tödlicher. Nun wissen wir endlich, wie es ausschaut, wenn RTL 2 Publikum ins reale Leben geschmissen wird. Herr, laß Hirn vom Himmel regnen. Herr ist allerdings schwerhörig und ließ lieber wieder Regen regnen. Machte fürs erste nicht viel, erster Support-Act "das gezeichnete Ich" - nein, danke. Nimm er erstmal Gesangsstunden. Wir zeichnen lieber unser Shopping-Ich und stöbern an den Ständen. Der übliche Krams und - eine Kuschel-Puppe aka Graf. Schüttel!
Trauma-Schmerzgrenze fast erreicht.
Zum Glück gab es Down Below. SupportAct Nr.2. Von nicht wenigen freudig erwartet, begrüßt und gefeiert. Die Jungs hatten sichtlich Spaß. Zum einen an den Feiernden, zum anderen konnten sie ganz offensichtlich dem irritierten Mienenspiel der Bunten eine amüsante Seite abgewinnen. Carter, der Gitarrist freute sich über jedes bestätigende Grinsen aus dem Publikum und Sänger Neo Scope lieferte den Satz des Abends: "Wir wollen ja nicht vergessen, daß wir hier auf einem Gothic Konzert sind". Danke dafür. Ansonsten - da dies hier ja eine Un-Kritik ist - nur soviel: Down Below, Ihr wart großartig, habt Spaß gemacht. M.E. sind Eure Tage als Support Act sowieso gezählt, Ihr seid headliner-reif und könnt selbst supporten. Ich werde bestimmt mal zuschauen.
Nächster Support-Act: And One. Schon etwas Bunte-kompatibler brachten sie den 80er Synthie-Pop Sound a la Depeche Mode, Alphaville mit. Bedauerlicherweise konnte ich dem schon in den 80er mal so gar nichts abgewinnen, allerdings konnten die Jungs da ja nichts für. Deshalb fairerweise: Auch wenn es - wie ich sorgfältig recherchierte- vorher Knatsch in der Band gegeben hatte und man in provisorischer Besetzung spielte, es war ein guter Auftritt. Kann man nicht meckern. Wohl aber übers Publikum. Blöderweise kam mit den 80ern auch der Regen zurück und selbst in relativer Vorderfront sah man nur tanzende Regenschirme, die diversen Augen mit spitzen Spitzen gerne bedrohlich nahe kamen. Folgendes Bild vor mir: Jack-Wolfskin bejackte Menschen, Kapuze tief ins Gesicht, Regenschirm drüber, aber mit Airforce bedrucktes Täschchen.
Mann oder Memme - die Frage beantwortet sich wohl von selbst.
Und dann stieg die Spannung. Kids kamen aus dem unheiligen Spieleparadies gekrochen, der Platz vor der Bühne wurde voller. Tussen-Alarm vor, hinter, neben uns. ButtonDown Krägelchen und Collegeschuhe neben Birkenstock Sandalen. Security suchte sich die besten Plätze zum Gucken - was soll man auch securen? Fluchtwege zum Beispiel? Treppen freihalten? Wozu? Soviele sind jetzt auch wieder nicht bei der Love-Parade gestorben. Duisburg 2010 ließ grüßen. Wir probten den "Wir-stehen-wie-eine-deutsche-Eiche-uns-rennt-keiner-um-Griff". Erschien ratsam.
Dann endlich - der Himmel schloß die Schleusen, es regnete rote Rosen. Es wurde unheilig. Der Graf erschien und schmiss die Maschine an. Zeitgleich erschienen hinter uns so richtig nette Konzertbesucher. Männer - Typ Biedermann, gerötetes Gesicht ob der Erregung, in Remineszens an längst vergangene, mit einem Hauch von Rebellion gesegnete Jugendtage, mal etwas richtig Verwegenes zu tun und sich auf ein Unheilig Konzert zu wagen. Natürlich nicht ohne Bewachung ihrer direkt vom Spielplatz weggezerrten Birkenstock-belatschten Gattinnen. Belämmert beleidigter Gesichtsausdruck und vor dem Körper verschränkte Arme. Wie gesagt, Graf schmiss die Maschine an und was macht eine derer bebirkenstockten Spaßbremsen? Tippt uns auf die Schulter und befiehlt mit bitterbösem Blick: "Mädels, jetzt nicht auch noch stampfen, ja?" Ich bin selten sprachlos, aber da war ich kurz vor dem "Ein-Amoklauf-könnte-befreiend-wirken-Gefühl." Wenigstens Miepsi war so geistesgegenwärtig, der Ollen ein "Was glaubt Ihr, wo ihr seid? Hier ist nicht das Schlagerfestival." entgegenzuschleudern. Zu Eurer Beruhigung sei gesagt: Birkenstock-Spaßbremsen haben keine Macht. Deren Blicke können nicht töten. Unsere leider auch nicht.
Zum Konzert: Es war toll, es war großartig. Der Graf ist immer noch derselbe, aber unser Eindruck war: Mit diesen Massen kann er nicht so wirklich umgehen, da fehlt ihm die Chuzpe und Frechheit eines Campino. Herrn Frege hätte "Oh, wie ist das schön" oder noch peinlicher "einer geht noch, einer geht noch rein" Rufe der Bunten mit Sicherheit anders als mit Verlegenheit zu parieren gewußt. So gilt meine Konzertkritik vom Tourauftakt in Bochum letztes Jahr unverändert, bis auf den letzten Absatz, der sich auf den neuen Erfolg bezieht. Das muss ich leider, leider relativieren. Die Geister, die der Graf rief, er wird sie nicht mehr los und die Geister, sie sind nicht mehr schön. Der Graf singt seine unheiligen Texte mit heiligem Ernst, fast missionarisch beseelt. Alleine - die Menge will sich nicht beseelen lassen, sie will gröhlen und Schlager hören. Rockigere Stücke rufen Befremden hervor, die ernsten, traurigen Lieder dienen allenfalls als Gelegenheit für "Biedermann sucht den Biermann". Viele Gruppen haben diese bewegenden Momente, wo es ihnen ernst und fast schon heilig ist. Bei den Hosen "Nur zu Besuch", bei BAP ist es "Dir allein", bei Unheilig eben "An Deiner Seite". Nur das sonntägliche, konzertanalphabetische Publikum - es weiß davon nichts. Es weiß nicht, dass ein Publikum sich normalerweise in diesem Momenten gemeinsam besinnt und das würdigt, was mit diesem Lied besungen wird. Ein trauriger, ein bitterer Moment
war dies. Wahrhaft unheilig und unwürdig.
Was vom Sonntag übrig blieb:
die Frage "Was und wo war denn jetzt die Pyramide" und der Wunsch an den Grafen: Gute Heimreise. Von uns das Versprechen: Wir sehen uns wieder. Wenn der Hype
vorbei ist. 2015 in der Matrix. Die Verabredung steht.
P.S. Noch eins an's motorisierte Publikum. Macht in DreiGottesNamen ein Fahrsicherheitstraining. So tief war die zu durchfahrende Pfütze nun auch wieder nicht am Ende des Parkplatzes, daß sie solch einen Rückstau rechtfertigte!

Freitag, 1. Juni 2012

Öffentliches im Wonnemonat

Klatsch im Mai 


Das Endlich18 Event überstrahlte alles. Viel Zeit für Publikationen blieb nicht. 

Den Monatsrückblick in den Revierpassagen gab es aber:   Das war "dem Ruhrpott sein Mai "

Dann noch eine Theaterkritik: Winterreise im Mai bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen.

Sowie zwei Rezensionen:  Landschaften einer fernen Mutter von SAID 
und 
Fische füttern von Fabio Genovesi