Donnerstag, 3. August 2017

Im Bürokratie-Wahnsinn

Eine Familie im Bürokratie-Wahnsinn  


Darf ich uns vorstellen? Wir sind eine vierköpfige Familie. Vater, Mutter, zwei Söhne, volljährig und im Studium. Der eine 23 und im Jura-Studium, der andere 20 und im BWL-Studium. Vater und Mutter arbeiten beide, denn sonst wäre es überhaupt nicht möglich, den Jungs ein Studium zu ermöglichen. So weit so gut. Betrachtet auch keiner als Opfer. Denn erstens: So war der Plan. Zweitens: Es ist aus vielerlei Gründen wichtig, auch als Mutter weiter arbeiten zu gehen. Aber das ist ein anderes Thema.

Was mich daran wahnsinnig macht und wütend noch dazu, sind die Risiken und Nebenwirkungen dieser Lebensform. Wir gehen also beide arbeiten, zahlen seit mehr als 30 Jahren fleißig und reichlich Steuern und Sozialabgaben, geben alle Erklärungen ab. Pünktlich und zuverlässig. Dauernd jedoch müssen wir weitere Unterlagen beibringen. Indirekt wird uns unterstellt, den Staat oder die Sozialkassen unrechtmäßig zu belasten. Uns. Die wir abgesehen vom Kindergeld noch nie einen Cent oder früher einen Pfennig staatlicher Unterstützung beantragt haben.

Beispiele für Bürokratie-Wahnsinn 


aus dem lustigen Kaleidoskop meiner unbezahlten Nebentätigkeit als Managerin unseres kleinen Familienunternehmens:  

gefangen im Chaos der Bürokratie

Kindergeldkasse 


Die Kindergeldkasse stellt die Zahlung für den 23jährigen ein. Die können wir neu beantragen, sollte er noch studieren. Mit aufwändigem Bürokraten-Formular-Aufwand selbstredend. Nicht, dass ich nicht freiwillig jedes Jahr die Studienbescheinigungen vorlege, um diesem zu entgehen. Eine Nachfrage hätte ich in  diesem Zusammenhang noch verstanden, aber auch schon überflüssig gefunden. Aber nein, da wird erstmal eingestellt und dann kann der blöde Bürger sehen, wie er an das kommt, was ihm zusteht. Gut, dass ich des Deutschen voll mächtig bin, sonst müsste ich noch einen Dolmetscher beauftragen. Den dann natürlich der Staat bezahlen würde. Äh nein, halt. In meinem Fall nicht. Ich arbeite ja. Da ist das ja mein Problem.

Krankenkasse 


Die Krankenkasse teilt mit, die Voraussetzungen für die Familien-Versicherung für den 23jährigen sind nicht mehr gegeben. Er wird ab dem so und so nicht mehr versichert sein. Diese Mitteilung kommt selbstredend mit einer angemessenen Frist von genau 2 Tagen. ( Tage, nicht Werktage, damit wir uns da richtig verstehen ) Sollten die Voraussetzungen doch weiter erfüllt sein ( siehe beiliegendes 4 seitiges Merkblatt, welches wir uns durchzulesen haben ) können wir die Fortführung der Versicherung neu beantragen. Gut, dass wir nicht in Urlaub waren und der 23jährige nicht ausgerechnet in der Schwebezeit krank wurde. (by the way: Der Jura-Student ist voll in der Regelstudienzeit, was bei Jura eher ungewöhnlich ist. Elogen über Freizeit-Studenten können sich geneigte Kommentatoren also sparen)

Familienversicherung 


Die Krankenkasse schickt weiter einen Fragebogen, jährliche Prüfung der Voraussetzungen für eine Familienversicherung. Frist: zu beantworten binnen zweier Woche, bis zum so und so. Nur doof, dass von den zwei Wochen schon eine drauf gegangen ist für den zentralen Postversand der Krankenkasse. Aber gut, dass wir nicht im Urlaub sind. Ganz blöd dabei, der 20jährige hat im letzten Jahr einige Wochen als Werksstudent gearbeitet. Zwar in einem Rahmen, der die Fortführung der Familienversicherung erfüllt, aber dennoch hat die Krankenkasse diese im letzten Jahr erstmal vorsorglich gekündigt. Wenn doch, dann könnten wir usw. Sie ahnen es schon und gut, dass wir nicht in Urlaub waren und in der Schwebezeit keiner krank wurde. (Schade, dass wir nicht über das Amt sozialversichert sind, dann hätten wir den Aufstand nicht) Die Korrespondenz bezüglich der Weiterversicherung während der Werksstudentenzeit erstreckt sich übrigens über 14 Seiten insgesamt. Ich habe gerade nachgezählt. Für die jährliche Prüfung muss ich das nämlich alles nochmal bestätigen und ausfüllen. Hoffen, dass es reicht und der Meldebescheinigung Glauben geschenkt wird und wir nicht noch den Werksstudenten-Arbeitgeber um eine Bescheinigung bitten müssen.

Finanzamt 


Das Finanzamt hat die Steuererklärung pünktlich bekommen, meldet sich 2 Monate später und verlangt Bestätigungen des Arbeitgebers über Dienstreisen. Da kann ja jeder kommen und das so angeben.

Was, wenn ich krank werde 


Dem gegenüber steht: Ich habe Rücken. Die Krankenkasse zahlt keine Massagen, kein Fango, keine Krankengymnastik. Vielleicht später mal, wenn ich einen Bandscheibenvorfall habe. Ich habe noch einen anderen unklaren Befund, muss zum Facharzt. Nächster freier Termin: 20 Oktober. Immerhin noch in diesem Jahr. Schade, dass ich noch arbeite. Sonst könnte ich sicher mal zur Kur. Wie soviele Rentner, von denen ich allwöchentlich höre. Aber gut, dass die Fipronil-Eier nicht gesundheitsschädlich sind und prima, dass sich das anderes mit einem Software-Update einfach so wegdieseln lässt.

Im Bürokratie-Wahnsinn: 


Was ich damit sagen will: Ich habe heute den ganzen Vormittag damit verbracht, die diversen Amtsschimmel zu besänftigen und morgen gönnen wir uns was. Da fahren wir nämlich an den Niederrhein. (So ich bis dahin alle Fragebögen ausgefüllt bekomme) Beim Papa nach dem Rechten schauen. Besser, wir machen das. Nicht, dass der noch in die Mühlen des Bürokratie-Wahnsinns gerät. Auch der sollte besser gesund bleiben, denn wenn nicht - das wird jede Vorstellungskraft sprengen. Ich begleite oft genug Horrorgeschichten dazu. Dann ist hier richtig Schluss mit lustich und Studium bezahlen können sowieso.

Kein TGiF 


Ihr ahnt es schon: Ein TGiF wird es diese Woche nicht geben. #ausgründen.
Befürchtung der Woche: Heute stehe ich noch am Rande des Wahnsinns. Schon morgen könnte ich den entscheidenden Schritt weiter sein.


 








     

Freitag, 28. Juli 2017

T.G.i.F. - lieber Tresenleser als King of Currywurst

Tach auch Liebeleins. Alle Füße wieder trocken? Hier war es zwar kurz vor "machen wir doch Yachthäfen aus unseren Biergärten", aber schlimmer nicht. Reicht auch. Ich sach ma so: Wir haben es kapiert. Es war zu trocken. Mit Betonung auf war.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt 


Mit anderen Worten: Sommerfreuden fallen b.a.w. aus. So wie diese Kolumne letzte Woche. Habta gemerkt, wa? Hoffe ich zumindest. Es war halt mal wieder so ein erstens kommt es anders und zweitens als man denkt Wochenende. Sozusagen Störche in den Rheinwiesen statt Assige im, am und um den Pool herum. Ein kleiner Trost der Besuch der Assigen dafür am Montag zu einer Besichtigungsrunde der etwas anderen Art in meinem mal wieder Strohwitwen-Dasein. (Den Ruhebewahrer rief die dunkle Seite des Landes, aber er hat tapfer widerstanden. Ist schon wieder da)


Lieber Tresenleser 


Damit blieb letzte Woche auch keine Zeit für die Rückschau. Immerhin hätte es noch Hochkulturelles zu berichten gegeben. Zur Abwechslung nahmen wir zusammen mit der Trixelinchen und dem Mann, der nie schreibt, eine Nachhilfestunde in Sachen Ruhrhochdeutsch. Mal wieder im Spiegelzelt, diesmal bei Jochen Malmsheimer, formerly known as Tresenleser und einigen sicher heute bekannt als Hausmeister ausse Anstalt. Und jetzt ist auch irgendwie zu spät, um einen hochintelligenten Blogpost darüber zu verfassen. Zumal ich auch überhaupt nicht gewusst hätte, womit anfangen und womit aufhören. Es war toll, es war witzig, teils auch in Richtung Lachen bleibt im Halse stecken witzig, es war überaus klug, überaus wortspielig gewandt, aber es war vor allem auch unglaublich viel. Vorgetragen dazu in so einer Überschall-Sprechgeschwindigkeit, dass  D.Th.Heck dagegen wie der Großmeister der SlowMotion wirkt. Immerhin wissen wir jetzt, was wir nicht wollen: Mit dem Bus nach Venedig. Oder nach Witten. Jedenfalls nicht über die Sauerlandlinie. Nicht, dass wir noch hallzunierende Intelligenzdefekte kriegen vom Geruch eingetupperten Kartoffelsalats.  


als King of Currywurst 


War sonst noch was? Diese Bachelordingsdarette hat sich für den Callboy entschieden. Genau mein Humor. Vor allem auch, weil die Whisteria Lane endlich wieder ein Thema hat. #ausgründen . Mehr dazu nicht. Geht mich alles ja auch eigentlich nichts an. Man hat ja doch genug mit dem zu tun, was einen wirklich angeht. Und da waren dann doch ein, zwei Sachen, die mir von der Woche nachhaltig in Erinnerung bleiben werden. So nachhaltig, dass mir endgültig alle, die nur daran interessiert sind, sich als King of Currywurst zu gerieren ganz gepflegt den Buckel runterrutschen können. Aber allergepflegtenst. Dafür bin ich denn doch mittlerweile endgültig zu alt. Um es für alle Empathie-Resistenten klar zu sagen: Ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Und ja, es kann sein, dass man in eine Situation kommt, in der Hoffnungen zerstört werden müssen. Dass es dann darauf ankommt, wie man dies tut, sollte sich eigentlich von selber verstehen. Sollte. Was aber überhaupt nicht geht, ist Hoffnungen zu wecken und mit diesen zu spielen, um sich selbst darüber zu profilieren. Und bei zerstörter Hoffnung dem anderen noch die Schuld daran geben.

But now to something completely different, damit mein derzeitiger nicht enden wollender Wut-Modus nicht diese ganze Kolumne überschattet. Gelacht hab ich auch. Nicht mal bitter, sondern einfach so. Spaß hatten wir nämlich mit der Entdeckung der Woche: Gerade noch vom Allerfeinsten in der Twitter-Pott-Gruppe anläßlich eines 70er Jahre "Weisst Du noch Videos" darüber gelästert, heute schon für Sie im Discounter-Regal:

Say it in German: Äpffelblötenshampuuu. So geht Trendsetting. ich sach Euch.

Und damit zur

Statistik: 


Erkenntnis der Woche: Bedenke, worüber Du lästerst. Schon heute könnte man Dich 
damit mürbe machen. (©insp.by Trixelinchen zum Äpffelblötenshampuu ) 
Ansage der Woche: Schlicht besticht. (©Malmsheimer) 
Frommer Wunsch der Woche: Hätten wir mal Brotkrümel auf die 
Autobahn geschmissen  (Trixelinchen bei der obligatorischen Verirrung
 auf der Heimfahrt von der Westfalenhalle)  
Trost der Woche: Solange die Pfützen nicht zufrieren, 
ist Sommer (übersendet vom Drachentöter) 
Information der Woche: Die Typen, die sich immer die Türen nach allen 
Seiten offen halten wollen, sind schön doof, denn sie stehen 
die meiste Zeit draußen im Flur Trixelinchen
Cookie der Woche: "Wehret den Anfängen! Wir müssen was tun!" - 
"ja, aber Eure Methoden finde ich nicht gut." - "Da! Es geht schon los"
Dazu die Erinnerung der Woche: Gerade, weil wir in einem Boot sitzen, 
sollten wir froh sein,  nicht alle auf derselben Seite zu
 stehen (©Ernst Ferstl,getwittert von der Kulturbolschewi ) 
Stoßseufzer der Woche: Ich bin in einem Alter, in dem man "ich bin in einem Alter,
 in dem man...." sagt (©Mr. Beany auf Twitter) 
Wortspiel der Woche: "Der polnische Präsident hat heute eine 
Rundfunk-Ansprache gehalten." - "Duda im Radio?" (©Ralf Heimann auf Twitter) 
These der Woche: Die Antwort auf alle Fragen ist 42. 
Außer egal, das ist 88 (©KermitNrW)  

Allen ein schickes Wochenende 
Schmeißt keine Brotkrümel, die ich nicht auch schmeissen würde. 

Wie immer gilt: Wer Tippfehler findet, kann sie behalten 
Links auf Nachfrage    



Freitag, 14. Juli 2017

T.G.i.F. - nach dem Erregungszustand ist vor dem Erregungszustand

Tach auch Liebeleins. Ich melde mich zurück. Eine Hochzeitsfeier, einen Geburtstag, eine Abi-Feier, einen Ameisenangriff,  einen Grundschul-Abschied und einen dressierten Floh später. Wieder mal vill passiert sickher. Aber jetzt reicht es. Auch wieder mal. Guter Vorsatz der Woche: Die nächsten Wochen, vor allem deren Enden stellen wir uns selber in den Mittelpunkt. E basta.


Denn wie ich die Tage zum Ruhebewahrer sagte: Wenn man mal ehrlich ist, haben wir uns bei fast allen Events brav und erwartungsgerecht in die Rolle der Jubelperser gefügt. (kennt Ihr eigentlich diesen Begriff auch nicht? Der Ruhebewahrer hat mich angeguckt wie Fragezeichen, als ich das sagte) . Gut, das ist manchmal so. Manchmal begleitet man eben nur, statt selber zu gehen. Andererseits hat man dann ja eigentlich auch das Recht, an manchen Tagen, z.B. an seinem Geburtstag mal selber im Mittelpunkt zu stehen. Zugegeben, ich fordere das nie offensiv ein.

Dennoch: ......... ach egal. Mantel des Schweigens. Schlimm genug,
 dass ich mich an diesem Tag geärgert habe. Ich mach das jetzt einfach mal andersrum und sage nochmal ganz ausdrücklich DANKE. Danke der Freundin, die einfach fragt: Welchen Kuchen soll ich Dir denn backen? Danke den Freunden, die mir gut durchdachte Geschenke schickten, die mir zeigten, was ich ihnen bedeute und dass sie sich über mich und sogar über meine one weekend Stand(haftigkeit)  Gedanken gemacht haben. Denen aus der Familie, die dito. Den vielen Gratulanten auf Twitter, Whatsapp und anderen Kanälen. Das sind nämlich die, die auch hier lesen und die es gar nicht verdient haben, dass ich jetzt hier rummotze. Also DANKE. Ihr habt mir den Tag gerettet.

A propos retten. Nutze ich einfach mal die Gelegenheit und zeige Euch eins der wie immer süßen Ruhebewahrer-Geschenke. Etwas, was ich mir tatsächlich gewünscht habe. Einfach, weil es schön ist und weil es eine gute Sache. Ein Bracenet. Hashtag #savetheseas Diese Armbänder werden aus geborgenen Geisternetzen aus verschiedenen Meeren geknüpft und der Erlös fließt wieder zurück in diese Aktion. Guckt Ihr hier. 

(Und irgendwie hat der Ruhebewahrer sich da mit Trixelinchen, dank der mein Weg zur dänischen Therapie jetzt auch ausgeschildert ist, farblich abgestimmt)
War sonst noch was? Nun - in der großen weiten Welt wohl genug. Vor allem letztes Wochenende im schönen Hamburg. Das war schrecklich. Einfach schrecklich. Auf mehreren Ebenen. Was dann die Woche folgte, war das Brechen sämtlicher Dämme. Vor allem medial. Ich beklage das ja schon länger. Das dauernde Gekreische, das sich reinsteigern in hysterische Erregungszustände. Gehört wird nur noch, wer am lautesten kräht. Es eskalierte diese Woche allüberall. Die News-Timeline ist kaum noch zu ertragen. Gerade heute kennen wieder alle kein anderes Thema als das verunglückte Kompliment des Trumpeltiers für die Premiere Dame Frankreichs. Meine Fresse. Ja, er ist ein Trumpel, ja er kann sich nicht benehmen und so weiter und so fort. Stimmt alles. Aber muss man das jetzt zur Top-Meldung machen? Gibt es nichts Wichtigeres? Auch und im Zusammenhang mit dem Ganzkörper-Doppelkinn? Und kann man nicht einfach auch Mme. Macron mal getrost zutrauen, dass sie mit solchen Trampeleien schon selber fertig wird. Denn um auch mal was über ihr Aussehen zu sagen. Die sieht nicht aus, als ob sie auf den Mund gefallen wäre.

Tun dann welche einfach das, was sie tun sollen, nämlich arbeiten, wird darüber überhaupt nicht geredet. Beispiel: der neue Landtag in Düsseldorf. Dort scheint man sich hingesetzt und neue Ansätze überlegt zu haben, die gar nicht so dumm sind, nimmt aber niemand zur Kenntnis. Trumpels verunglückte Komplimente sind ja auch soviel interessanter. Oder es gibt etwas Erholsames, worüber geredet wird, reden es sofort die üblichen Eiferer nieder. Beispiel: Sing meinen Song. Es gibt erstaunlich viele, die sich bei Twitter ganz offen über den erholsamen Charakter dieser Sendung freuen. Wird ihnen aber nicht gegönnt, ohne dass sich eine Gegen-Armada zu "Alles Heuchelei"" Tweets aufschwingt. Das ist so zum Gähnen. Zeigt aber gut den Zeitgeist. Erstmal alles niederbrüllen. Substanz ist weniger gefragt. Ach was, gar nicht gefragt. Eine Lehrstunde dazu gab es diese Woche aussem Pott.

Hat jemand das im Netz kursierende Video von Lindners Auftritt an der RuhrUniBochum gesehen? Ich hab mich köstlich amüsiert. War klar, war erwartbar, dass ein Auftritt eines FDP-Politikers an der RUB Automatismen auslöst. Ebenso klar war aber - zumindest dem aufmerksamen Beobachter, zu denen die Studenten im Vorfeld klar nicht gehörten - dass Lindner das zumindest einkalkuliert hat. Der ist ja nicht blöd. Der kommt von hier und weiß, was die politische Stunde an der RUB schlägt. Jedenfalls reagiert er nonchalant auf die Störer, reicht sein Mikro weiter (Wo in allen anderen vergleichbaren Fällen sofort der Saal geräumt wurde) und gibt Redezeit ab. Von der die brüllenden Studenten genau eine Minute nutzten. Eine Minute! Weil sie dann nämlich nicht mehr wussten, was sie sagen sollten. Dafür durften sie sich dann eine Nachhilfestunde über Demokratie und gegenseitiges Argumentieren anhören. Um sich dann - als sie sich unauffällig schleichen wollten - noch ein süffisantes "Jetzt ist aber mal Durchhaltevermögen gefragt. Wenn schon stören, dann bitte richtig" einzufangen. Hätten sie mal ihre Hausaufgaben gemacht, dann hätten sie gewusst, dass der Schuss nach hinten losgeht. Man muss kein FDP Anhänger sein, um zu wissen, dass sowas für Lindner eine willkommene Steilvorlage ist, bei der er erst recht zur Hochform aufläuft. Könnten sich andere Politiker gerne mal eine Scheibe von abschneiden. Problem ist nur: Sie können das einfach nicht.  So. Bevor ich jetzt noch weiterschwafel und mich auch noch über den bei mir als ausgesprochen peinlich rübergekommenen Auftritt des Ich bin der Martin, ne in der Schanze aufrege - einfach hier ein Cut. Für Eure

Statistik: 

Durchsage der Woche: Irgendjemand sollte Barack Obama mitteilen, dass seine
 Urlaubszeit abgelaufen ist. Das mit seiner Vertretung hat 
nicht funktioniert. (©Grantscheam auf Twitter) 
Rätsel der Woche: "Was ist dieses Twitter?" - "Keine Ahnung. Es ist noch nie
 jemand von dort zurückgekehrt" (©Kirschenfuchs auf Twitter) 
Erfüllung der Woche: Ich, 1997: In 20 Jahren haben wir fliegende Autos
 und teleportieren uns." 2017: "Jetzt neu: Fidget Spinner" (©Grolmori auf Twitter)  
Resümee der Woche: Die Gipfel-Tage in Hamburg in vier Worten 
zusammengefasst: So dumm und Gomorrha (©Ralf Heimann auf Twitter) 
Plan der Woche 1: Wenn Trump seine Tochter zur G20 Sitzung schickt, sollten wir 
seinem Beispiel folgen: Schicken wir unsere
 (erwachsenen) Kinder ins Büro (©Frazer2 auf Twitter)  
Plan der Woche 2: Deutschland und Frankreich planen gemeinsamen Kampfjet. 
Liberté, Egalité, Defizité. (©die heuteShow auf Twitter) 
Freude der Woche: Wenn ich so überlege, wie oft ich in meinem Leben schon
 falsch abgebogen bin, ist es toll, dass ich überhaupt noch auf 
diesem Planeten bin. (©Trixelinchen auf Twitter) 
Bedauern der Woche: "Ich warte schon seit Wochen auf eine Antwort von Ihnen!"
 -"Das stelle ich mir ziemlich langweilig vor" (©Regieklappe auf Twitter) 
Defintion der Woche: "stand bei Google weiter oben" ist das neue 
"der Schwager meiner Nachbarin hat erzählt" (©tfunke auf Twitter) 
Erkenntnis der Woche: Wenn sich im Leben eine Tür schließt, schnappt man sich
 manchmal besser Hammer und Nägel und sorgt dafür, 
dass das Ding auch zu bleibt (©? ich bekam es von der Ratgeberin 
und Ratgeber-Schickerin der Woche Trixelinchen) 

Allen ein schickes Wochenende. 
Stellt nichts in den Mittelpunkt, was ich nicht auch dahinstellen würde. 

Wie immer gilt: Wer Tippfehler findet, kann sie behalten. 
Weitere Links auf Nachfrage  

Freitag, 30. Juni 2017

T.G.i.F. - mit Floh im Ohr

Tach auch Liebeleins. Na, wie isset denn soweit? Alle noch trockene Füße? Oder schon irgendwo bei Euch Land unter? Hier im Pott iss noch allet moderat. Dieses Mal hat es uns verschont. Dieses Mal.


Aber wenn es dann doch kommt, ich werde es Euch erzählen. Macht ja wahrscheinlich in dem Fall sonst wieder keiner. Ja, ich weiß, ich bin nachtragend. Aber ich kann nix dafür, als ich gestern die Bilder aus Berlin  gesehen hab, konnte ich den Gedanken nicht abschütteln, dass wir die Schreckensbilder locker toppen könnten mit unseren archivierten Pfingssturm-Ela-Bildern. Ich will da auch gar nichts relativieren oder respektlos sein vor den sicherlich enormen Schäden, mit denen sich die Armen dort herumschlagen müssen. Aber - es ist schon interessant zu sehen, wie solche Dinge auch medial aufbereitet werden können, wenn man nicht nur arm, sondern auch noch sexy ist und vor allem Hauptstadt.

Ist da der Gedanke so fernliegend, dass die Berichterstattung über uns damals so abgeschwächt daher kam, damit bloss nicht die Dringlichkeit klar wurde, mit der hier Mittel gebraucht worden wären? Wäre ich böse, könnte man das durchaus so interpretieren, dass hier sowieso Hopfen und Malz verloren ist und man den Pott eh aufgegeben hat? Und wenn dem wirklich so ist, sorry, dann ist der Pott auch ein gutes Stück selber schuld daran. Wenn ich schon diese neue Kampagne sehe " Stadt der Städte". Ja, nee iss klar. Kleiner ham se et ma wieder nich. Wird nur leider allüberall allenfalls zum Augenrollen verleiten. Vielleicht könnte man einfach mal bei Metropolregion Ruhr bleiben und darauf aufbauen.

Und dann war da diese Woche noch der Kollege, der in der Mi-Pa stolz erzählte, wie sie ganz clever ohne Bändchen die Extraschicht gerockt hätten. Danke für's Gespräch. Passt ins Bild des selbstverschuldeten Pott-Elends. Ebenso wie die Tatsache, dass mein kritischer Beitrag zur #Extraschicht erstaunlich oft gelesen wurde und ebenso erstaunliche Zustimmung hervorrief auf mehreren Kanälen. Meine neue Marktlücke: Kritisches aussem Pott. Irgendeiner muss ja, ne?


War sonst noch was? Der Endlich20 laboriert an anderen #Hurricane-Schäden, sprich er holt immer noch Schlaf nach. Er war jedenfalls begeistert vom Festival und kam pottendreckig, aber love and peace and schlammbeseelt nach Hause. So muss das. Ich meinerseits setzte dem Ruhebewahrer einen Floh ins Ohr, aber noch greifen seine Dompteurskünste nicht so richtig. Falls der Floh springen lernt, werde ich es Euch erzählen. Vorerst bleibt das mal unter der Decke bzw. bei denen, die wir da mit ins Boot nehmen müssten. ( hihi, gutes Wortspiel, wa? Könnta schon Flöhe husten hören)

In der Whisteria Lane steigt morgen eine große Feier. Der Nachbar von ggü. aka Sohn der Nachbarn nebenan aka Bruder der Nachbarin schräg ggü. rechts aka Onkel der Nachbarin schräg ggü. links aka Neffe der Nachbarin Ende der Strasse hinten rechts aka Cousin der Nachbarn Ende der Strasse hinten links heiratet.  (und nein, wir sind immer noch in der Whisteria Lane und nicht im Saarland und ja, das hab ich schon auf Twitter gepostet, beschwert Euch ruhig, dass nichts Neues kommt) Die Hochzeit war aber schon lange geplant und hat nichts mir der #Ehefüralle zu tun. So schnell reagiert man hier dann doch nicht, auch wenn ich gerade zuerst Eile für alle getippt hatte. Passt ja auch irgendwie, so schnell wie das auf einmal ging. Aber mir soll es recht sein. Solange es eine Kann-Vorschrift bleibt. Soweit ich weiß, braucht keiner nervös werden und sich einen Ehegespons aus dem Ärmel schütteln.

Mir bleibt noch ein ruhrischer Gruß nach Düsseldorf,

welches heute ja zu Frankreich gehört. Mein Gruß aber geht nach ganz oben, an die, die sich gerade in der völlig neuen Disziplin "unaufgeregtes Regieren" üben. Ich gebe zu, ich finde den von dort abstrahlenden Pragmatismus ganz erholsam nach dem Gekeife der letzten Jahre. Wenngleich ich auch hier feststellen muss, medial erregt das kaum Aufsehen. Womit ich den Kreis geschlossen hätte. Wenigstens hier im TGiF.


Die Statistik: 


Beschwerde der Woche: Es wird einem echt nicht einfach gemacht, 
Geld auszugeben. (©der Ruhebewahrer zum Floh ) 
Vokabel der Woche: spürkeln  
Cassandra-Ruf der Woche: #Ehefüralle - das wird die gleichen fürchterlichen 
Konsequenzen haben wie diese schreckliche Rockmusik und 
die Entwicklung des Computers (©K-Tacki auf Twitter) 
Nervfaktor der Woche: Eilmeldung zum Wetter und Zack denkste, dass ein Tief 
über Russland das Azorenhoch angreift. (©MeinolfsSchwester auf Twitter)   
Irritation der Woche: der Zusammenhang zwischen offenen Augen und wach 
ist noch nicht wirklich geklärt (©Trixelinchen auf Twitter) 
Erkenntnis der Woche: Man kann nur dreimal im Leben richtig reich werden:
 Bei der Geburt, bei der Hochzeit oder 
bei der Scheidung (©der Oppa von Twitterer ParaNeues) 
Stoßseufzer der Woche: Ich hasse den Spruch: Steh auf, die Sonne scheint.
 Was soll ich denn machen? Photosynthese? (Max J.Ostermann) 
Serienkritik der Woche:      rules....again. 
(©Spieler7 auf Twitter. Erzähl uns mal mehr) 

Allen ein schickes Wochenende. 
Bändigt keinen Floh, den der Ruhebewahrer nicht auch bändigen würde.    

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Sonntag, 25. Juni 2017

Die ExtraSchicht - eine ernüchterte Bilanz

Schicht im Schacht. 

Wir waren geringfügig erleichtert und dezent frustriert, als wir gestern abend nach Beendigung der Mission Endlich Extraschicht diesen Satz stoßseufzten. Fazit des Abends: Das Gigantischste an der Extraschicht ist ihre Medien-und Marketing-Kampagne. Und wir sind drauf reingefallen. Mit uns zig andere - die aber wahrscheinlich trotzdem brav weiter mitstricken an der Mär der einzigartigen Veranstaltung, weil sie entweder nicht zugeben wollen, dass sie auch nicht verstanden haben, was denn jetzt so toll war an dem Abend oder es nicht zugeben wollen oder eben wie so viele - und da nehme ich mich gar nicht aus - nur zu gerne mitstricken an der Legende vom hippen coolen sexy einzigartigen Ruhrpott. Watt hatte ich mich gefreut!

Endlich #Extraschicht! 


Seit Jahren will ich dahin, seit Jahren linste ich neidvoll auf die vielen tollen Fottos bei Twitter, las die jubelnden Berichte in den einschlägigen Gazetten und ärgerte mich still über das schlechte Timing. Dabei schien die Extraschicht ein Event wie gemacht zu sein, um ein Pottmädchen-Herz höher schlagen zu lassen. Was für eine magische Idee. Eine Nacht gewidmet der Industriekultur, Licht-, Feuer-, Sanges-Akrobatik- und watt noch allet  Kunst zeitgleich an allen Industriekultur-Standorten, Sonderaktionen dazu.

Aber: Wie so oft: Irgendwatt war immer, was wir nicht absagen konnten. Goldhochzeiten, Abibälle, rundende Freunde. Dieses Jahr verabredeten wir uns frühzeitig mit Trixelinchen und ihrem Mann, der nie schreibt und stiegen in die Planungen ein. Ich besorgte die als Tickets fungierenden Armbändchen für 17 Öcken pro Nase im VVK ( abends schmale 20 Euronen) , der Trixelinchen-Gatte erklärte sich bereit, uns durch die Nacht zu fahren, das mobile High-Tech-Kühlgerät des Ruhebewahrers wurde in Stellung gebracht und ergiebig bestückt, nur das mit dem fahrenden Dixie-Klo entsprach nicht ganz der durchaus vorhandenen Motivation. Sehr schade. Denn wie sich im Laufe der Nacht herausstellte, war pipilieren ein von den Veranstaltern kaum bedachtes Problem und wir hätten mit einem mobilen Klosett sicherlich richtig Kohle machen können, so viele in so großen Nöten befindliche Extraschichtler hauptsächlich Schichtlerinnen begegneten uns unterwegs. Den Preis für unsere nutzlosen Bändchen hätten wir so locker rausgestrullert bekommen.

Extraschicht in Duisburg 

Von vorne. Wir starteten erwartungsfroh, gut ausgestattet dank besagter High-Tech-Kühltasche und begannen am andere Ende des Potts, in der alten Heimat, in Duisburg. Erstmal Innenhafen - immer eine schöne Kulisse. Der Plan war, dort ein wenig zu flanieren, alsdann per (als Attraktion angekündigten) Schiffs-Shuttle nach Ruhrort, von dort weiter mit dem Shuttle-Bus über Thyssen-Krupp zum Landschaftspark Nord. Kaum im Innenhafen angekommen fing es dann an zu regnen. War klar. Nachdem wir eine Woche geschwitzt hatten wie die Dullen, keinen Tropfen abgekommen hatten vom allüberall tobenden Unwetter, musste es uns jetzt die Extraschicht verregnen. Gut, kann ja keiner watt für. Dänen-High-Tech-Jüppchen an, Schirme auf und ab durch die Mitte.

Wir erlauschten eine Jazz-Band, über die man allenfalls lobend sagen konnte: Sie gaben sich stets Mühe oder wie es der Trixelinen-Mann formulierte: "Hauptsache, er kann blasen. Rhythmus muss er ja nicht können." Wir passierten unzählige Fressbuden und registrierten: Im Innenhafen läuft alles unter umsonst und draußen. Unsere Bändchen können wir getrost unter der Jacke trocken halten, nicht, dass uns die zwar teuren, aber materialmäßig eher schwachen Bändchen noch aufweichen und wir beim nächsten Spielort umsonst draußen bleiben können. Ab zum Schiffssteiger. Zum Glück sind wir ortskundig, denn ausgeschildert war dort wie sonst auch überall genau nichts. Die Schlange war lang und wir sahen, der Shuttle war gar kein Shuttle, er fuhr nur 1x die Stunde zu festgelegten Zeiten. Halbe Stunde würde es noch dauern. Der Captain inspizierte und verkündete: Großes Schiff, sehr großes Schiff, da passen locker alle drauf. Feini. Bißchen warten, damit hatten wir schon gerechnet. Wir also nuckelten an unserer Wegzehrung und ab und an ging es auch ein Stückchen weiter.


Unten am Kai angekommen, wunderten wir uns so langsam. Ab und an verschwand eine kleine Traube Menschen - und ward nicht mehr gesehen. Wir standen vor diesem riesigen Schiff, aber kein Mensch war drin. Waren wir an Gleis 9 3/4? Dann auf einmal lautes Rufen und Juchhei hinter uns. Wir drehten uns um und erspähten eine Nussschale, auf der vielleicht mit viel gutem Willen 100 People platziert waren. Die Glücklichen, die geshuttlet wurden. Denn es war nicht das Riesen-Schiff, welches shuttlete, das Riesen-Schiff diente nur als Durchgang zur Nussschale. Daher das 9 3/4 Gefühl. Unsere Alternative: auf den nächsten "Shuttle" eine Stunde später warten, in der Hoffnung, dass unser mühsam erstandener Warteplatz in der Schlange dafür reichte oder Plan B. Plan B erschien uns safer. Also zurück. Kurz noch 'ne Pommes geschnappt und ernüchtert wie wir waren, direkt mit dem Auto zum Landschaftspark Nord. ShuttleBusse hatten wir noch keine gesehen und das würde sich im übrigen bis ein Uhr nachts nicht ändern. Auch davon gab es wohl nicht soviele, dass sich der Begriff Shuttle wirklich bestätigte. ( wie ich im Nachgang noch herausfand, hielt der Shuttle für den LandschaftsparkNord - immerhin eine der größten Standorte - 1 km weit weg in der Wallachhei. Warum auch immer. Denn eine große Straße führt dort ja vorbei. Verstehe, wer will. )

Extraschicht im Landschaftspark Nord Duisburg ( La-Pa-Du) 

Parkplatz in DU-Nord klappte erstaunlich gut, wir hatten mit Schlimmerem gerechnet. Im Landschaftspark dann die nächste Ernüchterung. Auch dort alles umsonst und draußen. Wir waren wirklich blond und vertrauensselig davon ausgegangen, dass man die Bändchen als Eintrittskarte für die Spielstätten kauft. Ist aber nicht so. Man braucht sie für den Sonderfall, dass man einen Platz in einem Shuttle ergattert oder einen der raren Plätze für Sonderaktionen. Im Landschaftspark z.B. für die Begehung des Hochofens, etwas, was man für schmales Geld auch sonst machen kann. Uns interessierte der historische (historisch hieß in dem Fall die 70er lassen grüßen) Zug über das Gelände bis rüber zu Thyssen Krupp. Stellte sich ebenfalls als nicht machbar heraus, wie uns ein zwar freundlicher, aber auch resignierter Ordner immerhin dann mitteilte. Es gab vier Waggons und vier Schlangen. In jeder Schlange hatten einmal die Stunde 65 People die Gelegenheit. 65 x 4 x 5 ... braucht man nicht mal im Detail auszurechnen, um zu wissen, dass keine 10 Prozent der Besucher die Chance haben, ihr Bändchen sinnvoll einzusetzen. Ein Blick auf den Twitteraccount der Extraschicht bestätigte das Bild. Überall dasselbe. Mehrere Stunden Wartezeit, Chancen auf Teilhabe an einem der großsprecherisch angekündigten Events schon um 22:00h überall so gut wie aussichtslos. Wir waren ratlos. Was machen um 22:00 h abends bei strömendem Regen? Auf der großen Bühne mühte sich ein Gospelchor mit mäßigem Erfolg "Habt Ihr wirklich keine Hände frei, die in die Luft können" , weitere Darbietungen auf der kleinen zweiten Bühne Fehlanzeige. Dabei sollte der Park doch von vielen Stimmen erfüllt sein, wie vollmundig angekündigt. Aber Wegweiser fehlten ebenfalls in Gänze und bei der Größe des Areals kann man ja schlecht bis ans andere Ende, um zu gucken, ob da nicht vielleicht doch noch was. Sahen wir doch beim Fußweg vom Parkplatz, dass auch die angekündigten Führungen am biologischen Zentrum irgendwie eher nicht stattfinden würden. Das Einzige, was wir dort hätten noch machen können: Im Regen stehen und Freßstände abklappern. Davon gab es überreichlich. Street-Food-Market neudeutsch genannt. Leider nur zu oft zu übersetzen mit MatschePampe zu völlig überteuerten Preisen. Gerne auch vegan. Wir jedenfalls konnten uns nicht vorstellen, noch eine Stunde so zu verbringen, das Feuerwerk würde also ohne uns stattfinden. Überließen wir es also den Leuten ohne Bändchen. Man muss auch gönnen können. Aber wahrscheinlich war genau das Feuerwerk dann die Aktion, die den vollmundigen Ankündigungen entsprochen hätte. Ganz bestimmt. Dafür hatten wir dann doch noch Spaß mit der 112. Auf der Rückfahrt ebneten die großen roten Wagen uns nämlich den Weg aus dem Gedrängel und der Trixelinchen-Gatte gab den Chef der Feuerwehr mit lauthals gebrüllten Befehlen in die Nacht. Das war die bis dahin gelungenste Vorstellung des Abends. (Sie würde es auch bleiben.)

Extraschicht in Gelsenkirchen 

Zurück Richtung Heimat. Wir würden einen letzten Abstecher wagen. Lag quasi auf dem Weg. Der Nordsternpark in Gelsenkirchen. Da sollte es noch eine LaserLightLatinShow im Amphitheater geben. Zunächst aber gab es einmal jede Menge freie Parkplätze. Nahm nur solange Wunder, wie wir erfuhren, dass die Parkplätze im Nordsternpark nicht im Bändchen inkludiert sind, sondern bescheidene 5 Öcken pro Auto kosten sollten. 5 Öcken für den Acker am Nordsternpark!? Am Abend der Extraschicht! In Gelsenkirchen?! Hallo Gelsenkirchen! Ihr seid zwar irgendwie auch eine Hauptstadt des Barock, aber Preise wie im alten Rom entbehren dann doch eher jeder Geschäftsgrundlage. Egal. Ging auch so. Und siehe da. Ein Shuttle knatterte auch zeitgleich heran. Im Nordsternpark dann brauchten wir auch endlich unsere Bändchen. Ob nur für die LaserShow oder ob auch die aggressiv-hysterische Ordnerin am Eingang auch Teil des Programms war - wir haben es nicht herausgefunden.  Der TrixelinchenGatte war jedenfalls eingeschüchtert genug, um noch einmal zum Auto zurück zu joggen, um den Regenschirm loszuwerden, der leider draußen bleiben musste. Dafür standen wir dann im Regen im Amphitheater, nachdem wir glücklicherweise unverletzt die glitschigen Stufen in völliger Dunkelheit erklommen hatten und sahen uns fünf Laserstrahlen sowie ein paar Tanzpaare an, die zu deutschen Schlagern, neu eingesungen in Latin Rhythmen (Wir konnten die lets läster dance Gemeinde quasi kollektiv aufstöhnen hören) die Hüften halbwegs gekonnt kreisen ließen. Plus zehn ein paar in die Luft geschossene Feuerwerkskörper. Wahrscheinlich für jede Minute der Vorstellung eine. Da hatte sich unser Investment zu später Stunde doch dann endlich bezahlt gemacht. Halleluja.

Tjanun. Sowas fällt immer unter private Risikosphäre. Aber das Gefühl dezent verarscht worden zu sein, kann keiner von uns abschütteln. Ich sach ma so: Sollten wir nächstes Jahr an diesem Termin mal nichts vorhaben und das Wetter ist schön - man könnte drüber nachdenken, zu einer Location zu fahren, ein bißchen was zu schnabulieren, ein bißchen Musik zu hören und ein Feuerwerk zu schauen. Aber diese Bändchen kaufen wir nie, nie wieder. Denn letztendlich hatten wir 17 Öcken pro Nase ausgegeben, um 10 Minuten die Künste der Tanzformation Bottrop-Velbert genießen zu dürfen. Uns allen ist völlig unverständlich, wieso in all den Jahren nie eine kritische Stimme über diese Veranstaltung zu hören war.  Die Geschichte der Extraschicht ist wohl die einer sich verselbstständigenden großangelegten Lobhudelei ohne Grund. Und ich hatte 17 Jahre lang Herzchenbluten. Ebenfalls ohne Grund.

Der Mond von Wanne-Eickel über Gelsenkirchen? Sind bestimmt Fake News. Rüchtich.
War ein Ballon. Immerhin ein schönes Bild. 
Bestätigung des Abends: Vorfreude ist die schönste Freude
Lob des Abends: Wenigstens hat die Britta an Alkohol gedacht für unterwegs.
Stoßseufzer des Abends: Hier laufen se. Woanders werden se gesucht. (zu später Stunde angesichts diverser struntendichter Besuchergruppen, die ihren Frust wohl ertränkten )
Erfolgserlebnis des Abends: Die Kühlkette der Salzstangen wurde nicht unterbrochen

( Weitere Bebilderung ist mir zu mühsam, müsste ich mir erst von den anderen zusammensuchen. Seht es mir nach. Aber es finden sich in Funk, Fernsehen, Presse und sozialen Medien genug feine Bilder, die ein ganz wunderbares Event suggerieren. )