Montag, 27. Juni 2016

Fang jetzt bloß nicht an zu weinen -

verdammte Scheiße - Doch !

Zum Tod von Götz George

Nach dem ersten Schock war eines der ersten Dinge, die mir gestern Abend durch den Kopf gingen, die Feststellung, dass ich Götz George ein Stück weit für unsterblich gehalten hatte. Ich teilte diesen Gedanken auf Twitter.  Die Reaktionen zeigten mir, mir ging es nicht alleine so.

Zu der Zeit - wir schrieben die frühen 80er - als George und mit ihm die polarisierende Figur des Horst Schimanski in Duisburg auftauchten, lebte ich dort. Schnell war er ein beherrschendes Thema in der Stadt. Die einen regten sich auf, weil der Tatort aus Duisburg nur die Schmuddelecken der Malocherstadt zeigte, die anderen erkannten in ihm den solidarischen Vorkämpfer, der sich die rohen Eier nicht aus dem Glas nehmen ließ und sich einen Scheißdreck um die Machenschaften der Großkopferten scherte und sich nie vor deren Karren spannen ließ. Wie auch auch der Mensch Götz George sich nie vor einen Karren spannen ließ, manche seiner daraus folgenden Ausbrüche sind legendär.

Duisburg ohne Schimmi war lange Jahre undenkbar. Bekam man Besuch von außerhalb, folgte unweigerlich die Bitte nach einer "Schimmi-Tour" und vor allem ein Besuch des "Schimanski-Tunnels" war Pflichtprogramm. (Ein alter, völlig runtergekommener Tunnel in Meiderich kurz vorm damals noch real arbeitenden Thyssen Hüttenwerks, heute Landschaftspark Nord, in welchem mehr als eine Verfolgungsjagd sein Ende nahm) Schnell sprach sich immer in der Stadt rum, wenn Schimmi in der Stadt war. Man wusste, er ist im Steigenberger umme Ecke, man kannte die Kneipe, wo er gerne hinging. Allerdings gab es damals noch nicht diesen übergriffigen Starkult von heute, er konnte in Duisburg relativ unbehelligt seiner Wege gehen. Ab und an bei schönem Wetter verbrachte ich mit meiner Freundin die Mittagspause auf dem Mercatorplatz gegenüber des Steigenberger, wo es damals noch Holz-Liegestühle gab, in denen man als blasser Büromensch kurz Sonne tanken konnte. und ab und zu sahen wir Schimmi mit seinem unverwechselbaren federnden Schritt vom Hotel kommend zum nächsten Drehort eilen, oft schon im unvermeidlichen Parka, dabei freundlich hierhin und dorthin nickend.

Unvergessenes Highlight in unserer damaligen Abteilung: Wie unser Chef zum Statist bei "Zahn um Zahn" wurde. Der Regisseur suchte gestandene, gediegene Herren, welche die Stadt-Honoratioren bei einem Aufeinandertreffen mit Schimmi in der Grassmann-Villa verkörpern sollte. Irgendjemand aus der Crew kannte einen, der einen kannte, wie das eben immer so ist und so fanden sich eines Abends drei meiner Kollegen, u.a. die imposante Erscheinung meines Chefs in einer Villa am Mülheimer Uhlenhorst wieder, harrend der Dinge, die da kommen sollten und die ziemlich lange auf sich warten ließen. Alldieweil George im Nebenraum damit beschäftigt war, eine Einstellung wieder und wieder zu drehen, seiner legendären Perfektionswut geschuldet. Aber - es war auch George, dem irgendwann die darbenden Statisten im Nebenraum einfielen und der die Kiste Bier für die drei orderte. Mein Chef sollte denjenigen spielen, der Schimmi drohend gegenüber treten würde und er tat das mit Grandezza und großer Gestik. Die Schilderung dieses Abends hat uns über Jahre bei Laune gehalten. Keine Feier, kein Abteilungskegeln, kein Umtrunk am Heiligabend, an dem nicht irgendjemand bat: "Chef, erzählen Se doch nochmal, wie sie Schimmi anne Gurgel gegangen sind". Die Szene blieb übrigens drin im Film und ist bis heute zu bewundern. Ach - und wie dann damals die Premiere des ersten "Tatorts goes Cinema" (nix Tschiller als Erster auffe Leinwand und so, muss bei der Gelegentheit dringend gesagt werden ) in Duisburg im alten immer leicht schmuddeligen Europa-Palast-Kino zelebriert wurde. Mein Chef und Kollegen waren auch geladen und wir standen draußen Spalier, die Kollegen und natürlich George zu beklatschen. Der - unvergessen bis heute - von den Angels im Motorrad-Konvoi zum Kino gebracht wurde. Man kann es wohl so sagen: Mit seinem Tod sind die 80er endgültig vorbei

Es waren aber auch noch andere Dinge, welche die Duisbuger bis heute nicht vergessen haben. Duisburg hatte ihm zum endgültigen Durchbruch verholfen, aber er gab der Stadt auch was zurück. Würde zum Beispiel. Alle, die damals dabei waren, die sich davon betroffen fühlten und über die Brücke der Solidarität gingen, um für den Erhalt der Krupp-Werke zu demonstrieren, alle die wissen auch noch, das Götz George sich damals für die Sache der Arbeiter einsetze und sogar durchsetzte, einen ganzen Tatort diesem Thema zu widmen. Alle, die damals dabei waren, werden ihm das nie vergessen. Auch später noch hat George, der eigentlich selten öffentliche Auftritte außerhalb der beruflich notwendigen wahrnahm, Schirmherrschaften für soziale Projekte in Duisburg angenommen. Duisburg und der Ruhrpott werden viele gute Erinnerungen an einen außergewöhnlichen Mann und Künstler bewahren.

Schmanski (mit ohne I, wie Hänschen zu sagen pflegte) war seine langjährigste Rolle, die, die er bewusst geprägt und angelegt hatte, aber es war natürlich nicht die einzige. George war ein unglaublich wandelbarer, akribischer Schauspieler, zu absolut jeder Darstellung fähig. Mit dem ihm heiligen Ernst hat er sich vor allem auch an der jüngeren deutschen Geschichte abgearbeitet, seine nuancierten Darstellungen in "der Totmacher", "die Katze", "der Maskenmann"  - von all dem wird dieser Tage in vielen Nachrufen zu lesen sein. Ich würde gerne noch daran erinnern, dass er auch Komödie/Satire konnte. Selten habe ich mich so gut amüsiert wie über seine schmierige Reporterfigur Hermann Willie in Schtonk, kongenial an der Seite von Harald Juhnke. so unerreicht gut.

Über sein Privatleben wusste man wenig, gerade mal ein paar grobe Eckdaten. Dieses hat er über all die Jahre meisterlich verstanden abzuschirmen und war damit - wie ich finde - auch da durchaus ein Vorbild. Ich hoffe, er hatte einen friedlichen Übergang, man hätte ihm noch ein paar gute Jahre gegönnt. Ich persönlich empfinde es ja als etwas beruhigend, dass es seinem Umfeld in dieser sofort in hektische Erregungszustände fallenden Medienwelt gelungen ist, ihn so gut abzuschirmen, dass die Nachricht von seinem Tod noch etliche Tage geheimgehalten werden konnte. So wie George es für seinen Schimmi prophezeit hatte: Der Typ geht so leise, wie er laut gekommen ist. Gut so. Sehr gut sogar.  Denn - die Nachricht war kaum über den Ticker- stritten sich Bild und DPA ganz öffentlich auf Twitter darum, wer jetzt wohl als Erster die Schlagzeile hatte.  Aber ein paar Tage ungestörte Trauer hatte sein Umfeld und nun trauert die Öffentlichkeit. Die, die erstmal verstehen muss, dass er es nur in seinem künstlerischen Nachlass war - unsterblich.

Samstag, 25. Juni 2016

Serientipp der Woche - making a murderer

Der Fall Steven Avery

Dokumentarserie aus dem Jahr 2015

Über einen Zeitraum von 10 Jahren begleiteten die Dokumentarfilmerinnen Laura Ricciardi und Moira Demos die Familie Avery aus dem US-Bundesstaat Wisconsin. Die Serie beschäftigt sich mit den Ereignissen um Steven Avery, die weltweit Schlagzeilen machten. Steven Avery saß 18 unschuldig in Haft für eine Vergewaltigung. Nach seiner Entlassung verklagte er die für seine Verurteilung Verantwortlichen auf einen hohen Schadenersatz. Kurz bevor seinem Antrag stattgegeben wurde, verhaftete man ihn erneut. Diesmal wurde er des Mordes an einer jungen Frau beschuldigt und abermals verurteilt, obwohl die gegen ihn vorgebrachten Beweise allenfalls Indizien und höchst zweifelhaft sind. Mit Steven Avery verurteilt wurde sein Neffe Brendan, der geistig sehr eingeschränkt ist und in Verhören nachweislich manipuliert wurde.

Die Serie begleitet das Leben der Familie, die Gerichtsverhandlungen, die Arbeit der Anwälte und der Presse nüchtern und akribisch, ergreift aber sehr wohl Partei. Die Serien-Verantwortlichen sind sichtlich überzeugt von der Unschuld Steven Averys. Aber auch wenn man sich dem als Zuschauer nicht zweifelsfrei anschließen mag - die Serie erlaubt einen tiefen und verstörenden Einblick in US-Gerichtbarkeit und Polizeiarbeit.

Die Serie schlug in den USA große Wellen und löste landesweite Diskussionen und Petitionen aus. Auch in den sozialen Medien wurde sie vielfach diskutiert. Die Meisten drückten tiefe Betroffenheit aus und schrieben, dass sie überhaupt nicht aufhören konnten, diese Serie zu schauen. Wir fanden das nicht ganz so spannend wie erwartet, dazu geht es einfach um viel zu viele Kleinigkeiten. Und weder Steven Avery noch seine Familie sind echte Sympathieträger. Die Ankläger und Polizisten noch weniger. Eine Armada von kaugummikauenden selbstgerechten Typen, die meinen, dass ihnen die Welt gehört. Am spannendsten ist es noch, die Arbeit und Mühen der Anwälte zu beobachten.

Fazit: Kann man gucken, muss man aber nicht. Wenn man sich für die Thematik allerdings eh interessiert, ist diese Serie sicher sehr empfehlenswert. Aber die Dynamik und Betroffenheit, die andere empfanden, kann ich so nicht nachvollziehen.

Making a murderer läuft ausschließlich bei Netflix.  



Freitag, 24. Juni 2016

T.G.i.F. - trillernd und rasselnd gegen den Exit

Tach auch Liebeleins. Und? Alle gut durch die Nacht gedonnert und geblitzdingst? War ja mächtig was los vergangene Nacht und wer war mal wieder im Epizentrum des Donners? Richtig. Gut geraten. Aber - wir haben alles gut verrammelt und die morgendliche Haus- und Hofbegehung ergab keine sichtbaren Schäden. Derweil bewunderten die Twitterfreunde aus den umliegenden Ortschaften das Wetterleuchten und Geblitze über uns. Bißchen spooky, wenn man nach dem Gewitter auf Twitter in teilweise sogar bewegten Bildern das Geschehen am Himmel über uns nachträglich bewundern kann. Will ich Euch nicht vorenthalten. Der liebe Axel von Emscherwetter hat mir erlaubt, seine Bilder auch hier zu zeigen:


Weiter im Text. Parole des Moments: Atmen. Durchatmen. Nach den diversen Donnerschlägen der Nacht. Denn es gab ja noch einen ganz anderen Knall. The Brexit. Ich musste nicht einmal die News-Timeline bemühen, die nächtliche WA des Endlich19 " Ab nach Jersey!!!" sagte mir alles. Dabei gilt doch eigentlich: keine Katastrophenmeldung vor dem ersten Kaffee. Aber ob es so eine Katastrophe sein wird, muss sich ja auch erst noch weisen. Für die Briten sehr wahrscheinlich. Für den Rest? ich sach ma so: Nach den ersten Börsenbeben beruhigte es sich ziemlich schnell wieder. Ich hab da ja so eine Ahnung, wer mit Super-Mario telefoniert hat.

Irgendwo - ich weiß leider nicht mehr wo - las ich vorhin: Die Generation Empire habe über die Generation Erasmus gesiegt. Dem ist wohl so. Leider. Ich bin nur mal gespannt, ob denen eigentlich wirklich klar ist, dass raus aussem Beet auch raus ausse Kartoffeln bedeutet? Wer sich selber out-et, muss die Konsequenzen tragen. Und ja - das Pfund wird wohl lange nicht mehr wuchern. Man könnte in der Tat ernsthaft mal wieder über Jersey nachdenken......

Now to something only a little bit different. Butch Kasalla stand auf dem Programm. Werktätige aller Länder und .. Ihr wisst schon. Natürlich am bis dato heißesten Tag des Jahres. War ja klar. Rasselnd und trillern durch die Dortmunder Innenstadt bei nahe 40 Grad.


Aber watt mutt, datt mutt. Dafür sind wir eben Pottkinder. ( bekanntlich das Höchste, was man werden kann)  Und Verdis Waffen wirken! Wenn auch vorerst nur beim Endlich19. Aufgeschreckt durch die bei Heimkehr ihre neuen Lärminstrumente demonstrierende Frau Mama wurde der Acker beackert und Muttern mundgerecht mit Wassermelone bedient. Geht doch.

Ok. Späßkes beiseite. An dieser Stelle darf ich einmal bittedanke kurz die Kapitänin Obviously geben und einen kurzen Abstecher ins deutsche Arbeits-und Tarifrecht unternehmen? Es war diese Woche eben ein Thema und es erweist sich immer wieder, dass vielen Arbeitnehmern etwas Existentielles gar nicht wirklich klar ist: Ein Tarifvertrag gilt qua Legitimation nur für die, die ihn erstritten haben. Also für die Gewerkschaftsmitglieder. Wenn er flächendeckend Anwendung findet, ist das eine Freiwilligkeit der Arbeitgebers. Bis hin zum worst case: Der Aufkündigung des Manteltarifvertrags. Diese Drohung steht in der Tat im Raume. Denn - wie der Name schon sagt: es ist ein Vertrag. Und Verträge können aufgekündigt werden. Ende Gelände. Tarexit sozusagen. In diesem Fall werden zwar bis dato erstrittene Errungenschaften eingefroren und es gilt die Besitzstandswahrung. Aber nur für die Gewerkschaftsmitglieder. Allen anderen viel Spaß mit dem deutschen Arbeitsrecht. Genießt Eure 20 Urlaubstage nach Wochen mit 49 Arbeitsstunden. Besser wird es nie mehr werden. Ein Trittbrett ist eben kein festes Standbein. So. Feddich mit de Doziererei. Ich nehm meinen erhobenen Zeigefinger wieder runter. Das Wort gebührt Euch.

Die Statistik:

Stoßseufzer der Woche: "Darüber sind sich Experten bislang uneins" - jedes Mal, 
wenn ich diesen Satz höre, denke ich
"Tja, dann seid Ihr eben keine Experten...." (©Rimi1812 auf Twitter)
Wunsch der Woche: Könnte ich den anderen Planeten nochmal 
sehen? (©Twelectra auf Twitter)
Frage der Woche: Und was ist mit Gummibärchen?
 (sry, kleiner Insider für das Engelchen und mich)
Cookie der Woche: Sommer ist, wenn man überlegt, ob 
Erdbeerbowle auch bei Männergrippe hilft.
Rezept der Woche: "Wir brauchen 4 Tassen Reis und 12 Tassen Wasser" -
"Ich weiß nicht, ob ich soviele Tassen habe" (©UrselausMais auf Twitter)
Enthüllung der Woche: Eine Tante klärt mich auf, dass Sex im Alter eher olympisch wird.... 
dabeisein ist alles!...den 4-Jahres-Rhythmus 
muss ich noch abklären. (©SonjaScheerer auf Twitter)    
Lifestyle der Woche: Das Fußballspiel. Der Alkohol. Der Wecker. -
 Hurz!!! (©Flötenton auf Twitter)
 (©die257er - mein vorläufiger Sommerhit)
Erkenntnis der Woche: Harte Schale, innen weich und süß, aufrechte Haltung 
und obendrauf stolz eine Krone. Ich bin eine Ananas. (©JuliaSinglesias auf Twitter)
Regel der Woche: Jeder Haushalt braucht einen Schrank, aus dem beim Öffnen 
alle Tupperdosen & Deckel rausfallen, wenn man was braucht. 
So will es das Gesetz. (©Trixelinchen auf Twitter)

Allen ein schickes Wochenende
Nehmt keinen Ausgang, den ich nicht auch nehmen würde.

Wie immer gilt: Wer Tippfehler findet, kann sie behalten.
Weitere Links auf Nachfrage


Montag, 20. Juni 2016

Antwort einer Leserin - warum ich bei Amazon kaufe

Im Netz liken gerade ganz viele den Brief eines Münchner Buchhändlers, der sein an Verzweiflung grenzendes Bedauern darüber ausdrückt, dass alle Welt in Amazonien kauft und nicht beim Buchhändler vor Ort. Nun, lieber Münchner Buchhändler, ich kenne Sie nicht, ich kann Sie auch leider nicht testen, weil zu weit weg, kann gut sein, dass Sie der Buchhändler wären, den ich mir wünschen würde. Aber ich kann Ihnen den Grund nennen, warum ich meine Bücher fast ausschließlich über Amazon kaufe. Der Grund ist ganz einfach: Ich habe resigniert. Ich finde ihn nicht, den Buchhändler, bei dem ich gerne kaufen würde und der mir nicht die Freude am Lesen vergällt. Ganz einfach.

*


Ich gäbe was drum, hätte ich einen. Einen Buchhändler, der mit Freude selber Bücher liest und empfiehlt und mich sachkundig und freundlich berät. Ich wäre eine prima Kundin, dankbar, treu und lohnend. Alleine - ich habe einfach nur schlechte Erfahrungen gemacht. und ich habe es ausdauernd und immer wieder versucht. In diesem Blog habe ich immer mal davon berichtet, aber untermauernd greife ich Highlights gerne nochmal auf.

Als mir begegneten:

- die Dame, die mir hochnäsig beschied, zu so einem belletristischen Werk wie Dörte Hansens "Altes Land" würde sie sich nicht äußern, das wäre unter dem von ihr für diesen Laden gewünschten Niveau. (die letzte unabhängige Buchhändlerin einer Stadt mit 100.000 Einwohnern, die sich gerade -ökonomischen Zwängen geschuldet - kleiner setzen musste. )
- die Dame, die noch nie was von David Guterson gehört hatte und mich dreimal fragte, ob ich mir sicher sei, denn sie hätte keine Lust, ganz umsonst im Computer nachzuschauen (Angestellte in einer Filialbuchhandlung)
- die Dame, die mir erzählen wollte, dass ich statt John Niven ganz bestimmt David Niven meinen würde und sich weigerte, im Lager nachzuschauen ( andere Dame, gleiche Buchhandelskette, welche an diesem Tag damit warb, dass jede Filiale "John Nivens Gott bewahre" zur TB-Premiere vorrätig haben würde)
- die Dame, die viel viel lieber Kaffeeekränzchen mit ihren Freundinnen in der gemütlichen Leseecke ihrer eigenen kleinen Buchhandlung hält, als sich zu bequemen, die wenigen Kunden, die sich zu ihr an den Stadtrand verrirren, mit mehr als der Frage "bar oder mit Karte?" zu beehren.
- der Herr, der jeder Mutter, die es wagte, seinen Laden auch nur zu betreten, direkt entgegenschleuderte: Kinder dürfen hier nur gucken, auf gar keinen Fall was anfassen. (der vorletzte selbstständige Buchhändler in o.g. Stadt, mittlerweile nicht mehr existent) .  

Dies nur ein Ausschnitt. Wie viel netter kann ich es mir da zuhause am PC machen? Tässchen Kaffee dabei und mich gemütlich durch diverse Neuerscheinungen scrollen, kleine Leseprobe hier, kleine Leseprobe dort.  Für mich war das Aufkommen des Online-Buchhandels wirklich eine große Erleichterung. Früher musste ich gekaufte Bücher manchmal wochenlang liegen lassen, bis ich die Titel nicht mehr mit dem miesen Gefühl beim Einkaufen verbunden habe. Tut mir leid, wirklich leid. Aber das bin ich mir einfach selber wert. Lesen ist für mich eine große Freude und eines der Dinge, die das Leben wirklich schöner machen. Und das will ich mir nicht mehr verderben lassen, indem ich mich im Laden anraunzen oder geringschätzig behandeln lasse. Ich bin einfach zu alt und mein Geld zu hart erarbeitet, als dass ich bereit bin, es arroganten, inkompetenten oder einfach nur unwilligen Buchhändlern zu geben. So einfach, so zugegebenermaßen traurig.

*kleiner, sehr kleiner Ausschnitt aus unserem Bücherzimmer.... 


Samstag, 18. Juni 2016

Serientipp der Woche: Bloodline

Eine Serie, wie gestrickt für mich, die spoilerfreudige Zuschauerin. Ja, ich geb es zu. ich spoilere mich gerne und konsequent. Wenn ich ein neues Buch beginne, dann lese ich zunächst die ersten Seiten und dann die letzten. Ähnlich mit einer neuen Serie. Spätestens nach der ersten Folge bemühe ich diverse Episodenguides vorhaltende Portale, um das Ende einer Staffel zu erfahren. Das hat nichts mit der weiland von Meg Ryan in Harry und Sally beschworenen Tiefgründigkeit "Wenn ich sterbe, weiß ich wenigstens, wie es ausgegangen ist" zu tun, sondern damit, dass ich das "Wie" in einem Buch oder einer Serie wesentlich interessanter finde als das "Was". Sprich, ich verfolge mit großem Interesse, wie die Macher auf ihr Ende hingearbeitet haben und wie sowas von sowas kommen konnte. Das Ende an sich ist mir eigentlich egal, da akzeptiere ich meist schicksalsergeben dichterische Freiheit, aber ob es schlüssig ist, das will ich immer wissen.

Genug der Vorrede. Die Serie Bloodline bedient diese meine Vorliebe perfekt. Bloodline erzählt eine Familiengeschichte, besser gesagt einen Familienthriller. Schon in den allerersten Sequenzen erfährt der Zuschauer, dass diese Geschichte nicht gut ausgehen wird. Die Stimme aus dem Off verrät es uns "Etwas Schreckliches wird passieren .... und nichts kann das verhindern". Die Stimme gehört dem "guten " Bruder John und er verrät uns am Ende der ersten Folge auch, wen es treffen wird und wie. Nur das "warum" wissen wir nicht. Und das macht es ganz ungeheuer spannend und illustriert außerdem ganz nebenbei perfekt meine Spoiler-Begeisterung.

Bloodline spielt in den idyllischen Florida-Keys, gedreht an Originalschausplätzen. Die Familie Rayburn führt dort ein formidables Hotel, ist bestens integriert in die Gesellschaft. Die Serie beginnt mit einer fröhlichen Feier, zu der sich alle Geschwister im Familiensitz bei den Eltern einfinden. Vier Geschwister sind sie, doch einer ist der verlorene Sohn, das schwarze Schaf der Familie. Abel sozusagen. Auch dass es mehrere Kains geben wird, erfahren wir sehr früh. Danny, der verlorene Sohn kommt also überraschend auch zu der Feier und - er will bleiben. Zurückkehren in den Schoß der Familie. Kann er das, darf er das? Und warum ist das überhaupt eine Frage? Wer von der Familie lügt, wer hat noch verborgene Geheimnisse oder besser gefragt: Wer nicht? Und was ist mit Danny los, dem verlorenen Sohn? Wie es scheint, wird er der Eine sein, der sie alle aus ihrem Paradies vertreibt. Weil - vielleicht haben sie es nicht besser verdient. Die Serie stellt eine der Grundfragen des Lebens: Ist man wirklich der, der man ist oder verharrt man in der Rolle, die einem innerhalb eines Familiengefüges zugewiesen wurde? Woraus beziehen wir unsere Identifikation?

In manchen Momenten erinnert die Serie an die großartige Serie "the Affair". Wenn auch ohne ausschlaggebende Affäre. Aber in Punkto Geheimnisse und zunächst Verborgenes und nur langsam ans Licht Kommendes steht Bloodline der Affäre in nichts nach. Bloodline enthüllt diese Geheimnisse allerdings außerordentlich gemächlich, man braucht zunächst einen langen Atem. Selbst ich als erklärter Fan epischer erzählter Geschichten habe vier Folgen gebraucht, bis die Serie mich richtig gepackt und in ihren Sog hineingezogen hatte. Bloodline gehört zu den bemerkenswerten Eigenproduktionen von Netflix und wartet neben großartigen Bildern auch mit namhaften Schauspielern auf. Chloé Sevigne gibt überzeugend melancholisch die liebenswerte Dorfschlampe, Sissy Spacek ist dabei und Sam Shepherd gibt einmal mehr den knorrigen Patriarchen. Nicht ganz so prominent, aber in ihren schaupielerischen Leistungen den berühmten Kollegen in nichts nachstehend sind Kyle Chandler und Ben Mendelsohn als ungleiches Brüderpaar.

Prädikat: Sehr sehenswert. Ach was, unbedingt sehenswert.

Bloodline ist nur bei Netflix zu sehen.      

Freitag, 17. Juni 2016

T.G.i.F. - Schnüffelgate und andere verregnete Schwierigkeiten

Tach auch Liebeleins! Na, wie sieht's denn aus? Schwimmhäute inzwischen gewachsen? Und wie weit sind wir denn so mit dem Bau der Arche? Fragen über Fragen. Das war aber auch wirklich mal eine nasse Woche oder? Allüberall, wie man liest und sieht. Tut mir besonders leid für den gelegenheitsrauchenden Ruhebewahrer und für die Urlauber unter uns, also zumindest die, die nicht bei 40 Grad Hitze den Delphinen hinterher jagen. Was uns zur nächsten wichtigen Frage bringt: Wie erklären wir dem Flipper die 19 Grad im heimischen Pool?

Ansonsten war meine Woche ruhig. Was will man auch machen außer Couching, wenn es erstens in Strömen regnet und zweitens alle einfach mal nicht da sind. Und die, die da sind, gucken Fußball. Oder  Eierkraulen. Man will gar nicht wissen, welche Gesetze derweil wieder durchgewunken werden. Aber um nochmal auf das #Schnüffelgate zurückzukommen, ganz ehrlich, mich hat das auch irritierend amüsiert. Nicht, dass der sich da seine Klöten zurecht gezuppelt hat, das eher nicht. Das finde ich noch halbwegs nachvollziehbar. Aber war zum Henker hat der erwartet, was er zu riechen bekommt? Smells like teen spirit? Und ganz ehrlich: die Häme wäre auch nur halb so eskaliert, wenn der gute Mann nicht sonst immer so etepete daherkommen würde.....

War sonst noch was? Ein Nachtrag noch zum TGiF der letzten Woche. Erstaunlicherweise hat das Land NRW angekündigt, nun doch Soforthilfen bereitzustellen. Für die, die Risiken zum Opfer gefallen sind, die nicht zu versichern gewesen wären. Konjunktiv galore. Aber immerhin. War ich wohl nicht die Einzige, der diese Unverfrorenheiten aufgefallen waren. Aber noch sind es nur Lippenbekenntnisse. Wir werden es weiter beobachten.

Nachzutragen wären noch die Feiern am letzten Wochenende. Der Drachentöter feierte Wiegenfest und hatte mächtig Glück mit dem Wetter. Dafür weniger mit den Gästen bzw. mit deren Anwesenheiten. Wir konnten leider nur ein kurzes Gastspiel geben, aber immerhin - es hat gereicht für das schönste Bild der Woche*:



Wir hatten nämlich noch eine weitere Veranstaltung zu beehren, hashtag Familienfest und andere Schwierigkeiten. Aber immerhin, es war lecker und die morgens vorsorglich gegründete WA-Gruppe haben wir aufgrund geschickter Tischordnung auch nicht gebraucht. Über alles andere, vor allem über die zweierlei Maß, mit denen mittlerweile so ziemlich alles gemessen wird, legen wir den Mantel des Schweigens. Besser iss das. Auch wenn es mir schwerfällt. Gar nicht schwer hingegen fiel diese Woche

Die Statistik: 


Sorry der Woche: Ich entschuldige mich für die Turbulenzen, 
mir ist das Handy runtergefallen. (©eineFüchsin auf Twitter) 
Kompliment der Woche: So, Belgium is a beautiful city! (©DonaldTrump)
Frage der Woche: Wer ist Fuchur und warum schweigen die Lämmer unendlich?
(©eine kleine famose TwitterRunde, daraus resultierend das   
Resümee der Woche:  - Und? Wie war Dein Abend? - TV halt. - 
UND, was lief? - Twitter! -(©derDrachentöter) 
Reklamtion der Woche: Ich habe bis heute nicht richtig verwunden, dass in den Ferien 
auf Saltkrokan die Malin den Peter geheiratet hat. (©Tamhonks auf Twitter)
Erkenntnis der Woche: Manche Menschen hinterlassen eine Lücke. 
Andere machen Platz. (©Urschoepfer auf Twitter) 
Cookie der Woche: Das Internet hat die Art und Weise revolutioniert, 
wie Menschen anderen Menschen auf die Nerven gehen. 
Wahre Geschichte der Woche: Jetzt muss auch noch für die Dachdecker ein Auto 
umgesetzt werden - ratet, wessen? Es regnet...... - 5 Min. später: Und jetzt sind die 
Dachddecker alle nach Hause - es regnet ja. +KopfaufTischplatte+ 
(erzählt vom ©Pechvogel K-Tacki auf Twitter) 
Ausflucht der Woche. Kornblumenblau geht immer.    



Allen ein schickes Wochenende. 
Schnüffelt an nichts, woran ich nicht auch schnüffeln würde 

Wie immer gilt: 
Wer Tippfehler findet, kann sie behalten. 
Links auf Nachfrage. 
* ©Drachentöter, geklaut in Engelchens Blog 

Samstag, 11. Juni 2016

Serientipp der Woche - Narcos

Pablo Escobar und das Medellin-Kartell

"Narcos" ist eine Eigenproduktion von Netflix und auch nur dort zu sehen und zu streamen. Bis jetzt gibt es eine Staffel, eine weitere wurde nach dem großen Erfolg in Auftrag gegeben und wird wohl gerade gedreht.

Beleuchtet wird die  Geschichte von Pablo Escobar, seinem Aufstieg zum Drogenbaron und seinem Fall in halbdokumentarischer Form. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der amerikanischen DEA-Ermittler, die Escobar jagen und aus Escobars Sicht erzählt.  Eingestreut sind etliche "echte" dokumentarische Schnipsel. Die Serie ist zweisprachig, zum einen englisch bzw. in der Synchronisation deutsch im Erzählstrang der DEA-Ermittler, zum anderen auf spanisch im Erzählstrang über Pablo Escobar. Dann mit Untertiteln in der jeweiligen Sprache. Das ist zunächst gewöhnungsbedürftig, macht das Ganze aber noch spannender, weil eben authentischer.

Die erste Staffel umfasst die Jahre 1975 - 1992, gedreht wurde an Originalschauplätzen, die lateinamerikanischen Rollen sind ausschließlich mit lateinamerikanischen Schauspielern besetzt - also uns gänzlich unbekannte Darsteller, was zu so mancher Entdeckung führt. Besonders Wagner Moura als Pablo Escobar hatte es mir angetan.

Prädikat. Unbedingt sehenswert. Mal ganz was anderes. Eine mutige Produktion, die ein sehr hohes Niveau erreicht.

Freitag, 10. Juni 2016

T.G.i.F. - mit ohne Katastrophenschutz

Tach auch Liebeleins. So. Können jetzt so langsam alle wieder durchatmen? Nachdem der Pott bis zur Wochenmitte kochte und die Hamburger Freunde Tornado-Live-Bilder aussem Wohnzimmer appten, war dann im Laufe der Woche auch mal die Mitte und der Süden des Landes dran. Immerhin war irgendjemand irgendwann so nett, ein paar Löcher under the dome zu bohren und etwas Luft durchzulassen. Sowas von gar nicht mein Wetter, sowas von absolut gar nicht. Aber immer noch besser, als das, was andernorts geschah, das weiß ich wohl auch.

Um somit vom Wetter aufs Wetter und von da auf den betitelten Katastrophenschutz zu kommen: Schrecklich, was die Wetterlage dieses Jahr wieder angerichtet hat. Nur gut, dass wir keinen Klimawandel haben. Wenn der nun auch noch dazu kommen würde. Nicht auszudenken das. Dennoch, so bitter es klingen mag: Den Betroffenen in Bayern und Baden-Württemberg muss ich leider zurufen: Ihr hattet Glück im Unglück. Ihr lebt wenigstens nicht in NRW. Ihr habt wenigstens noch Ministerpräsidenten, die Soforthilfe zusagen. Nicht, dass ich das falsch finden würde. Ganz im Gegenteil. Richtiger geht es nicht.

Hingegen unsere Landesmutter: Stellt sich im von Wasserschäden betroffenen Gebiet hin und erklärt salbungsvoll, dass es dem Steuerzahler ja wohl nicht zuzumuten sei, Leuten zu helfen, die sich nicht richtig versichert hätten. Bääm. Nimm das, Du Betroffener, Du! Dass die Schäden hauptsächlich dadurch entstanden, dass ein Regenwasser-Rückhaltebecken der öffentlichen Hand nicht ordentlich in Schuss gehalten wurden - ach kommt, geschenkt. Dumm nur für die Betroffenen, dass man sich gegen das Land NRW uind seinen Sanierungsstau leider gar nicht hätte versichern können. Aber so einfach ist es doch wohl heutzutage: Alles, was schief läuft in der Politik, wird kurzerhand der Assekuranz und/ oder Justitia aufs Auge gedrückt. Dazu noch eine prächtige Portion Selbsthilfe und - läuft doch. Läuft nicht. Wenn ich das einmal kurz mit einer Collage demonstrieren dürfte:  


Diese Bilder habe ich ganz frisch gestern aufgenommen im kleinen Lohwald, gelegen hinter der Whisteria Lane im stolz so betitelten Naherholungsgebiet. Den Lohwald hat es arg getroffen - nicht in diesem Jahr. Nein, Passiert ist das Pfingsten 2014, Ela, we remember. Die geleugnete Naturkatastrophe - alldieweil geleugnet, weil passierte ja nur im Pott, dem Armenhaus der Republik. Auch zwei Jahre danach sieht man immer noch die Schneise der Verwüstung, nur wenige der umgestürzten Bäume sind überhaupt beseitigt worden, gerade mal so viele, dass man den "Wald", der einst unseren Kindern als Abenteuerspielplatz diente, wieder betreten darf. Aber halt - nein stop. Was sehen wir noch auf diesen Bildern? Da sind doch Neuanpflanzungen. Richtig. Diese kleinen Zweige mit den gelben Bändchen drumherum. Das sind doch Birkenzweige! Birkenzweige, die sicherlich dareinst unseren Ur-Ur-Urenkeln erquicklichen Schatten werden spenden können. Dumm nur, dass die wuchernden Brennesseln die kleinen gelben Bändchen so arrogant ignorieren und einfach alles überwuchern. Und wenn man dann noch dazu weiß, dass die Neu-Anpflanzungen nicht etwa auf Initiative der Stadt oder des Landes passierten, sondern auf eine Initiative der Ki-Ta in unserer Siedlung zurückgingen.... dann ganz ehrlich, kann man doch jeden Glauben verlieren. Firma Immergrün tobt hier dreimal die Woche ohne Sinn und Verstand durch die Siedlung, aber da wo es mal nötig wäre, um Eigeninitiative wenigstens zu unterstützen.... nada. nothing,niente.

Leider nicht die einzige Baustelle, auf der man den Glauben verlieren könnte. Doch für heute genug der Suada. Als Strohwitwe hat man allenfalls Zeit für ein Lamento pro Tag. A propos Zeit. Zeit für

Die Statistik: 

Cookie der Woche: Also, liebes 2016. ich habe schon mehr gelacht. 
Beschwichtigung der Woche: Ist ja ganz normal, dass man im Juni den ganzen Tag 
das Licht brennen lässt, um überhaupt etwas zu sehen. ( ©derspieler7 auf Twitter) 
Frage der Woche: Ab dem wievielten Regentag können wir eigentlich mit dem 
beginnenden Wachstum von Schwimmhäuten rechnen? (©Trixelinchen auf Twitter)
Plan der Woche: Man darf sich niemals durch Mangel an Wissen davon abhalten lassen,
 als absolute Autorität auf einem Gebiet aufzutreten. ( Grantscheam auf Twitter) 
Erkenntnis der Woche: Meistens bedeutet es, erwachsen zu sein, den Scheiß von
 gestern zu verdrängen, um stark genug
für den Scheiß von heute zu sein. (©KlabustaMinista auf Twitter)
Suche der Woche: Wo ist eigentlich dieser komische Garten, wo die ganzen Harten alle sind?
 Hat den schon jemand gesehen? GoogleMaps vielleicht? (©Trixelinchen auf Twitter)  
Beobachtung der Woche: Kommata? Das sind doch Relikte aus dem 
Mittelalter oder? (die Belegschaft) 
Prognose der Woche: Der Ball ist rund und die Erde ein Dorf. 

Allen ein schickes Wochenende. 
Rennt hinter keinem Ball her, hinter dem ich nicht auch hinterherrennen würde. 

Wie immer gilt: 
Wer Tippfehler findet, kann sie behalten. 
Links auf Nachfrage 


Donnerstag, 9. Juni 2016

Und noch ein Serientipp der Woche: 11.12.63 - der Anschlag

Ein Gastbeitrag von meinem guten Freund Spieler7 


Jake Epping, 35 ist Englischlehrer in Lisbon Falls, einem Nest in Maine und führt ein eher durchschnittliches Leben. Das ändert sich jedoch schlagartig, als ihm sein Kumpel Al Templeton in der Abstellkammer seiner Imbissbude ein Tor in die Vergangenheit zeigt. Die Regeln sind einfach: Bei jedem Eintritt gelangt man zum 21. Oktober 1960 und bei jeder Rückkehr sind in der Gegenwart genau zwei Minuten vergangen. Außerdem wird bei jedem erneuten Durchschreiten ein kompletter Reset gestartet, sämtliche bei vorherigen Besuchen ausgelösten Änderungen sind hinfällig.

Al hatte einen großen Plan: Er wollte in der Vergangenheit bis zum Jahr 1963 ausharren und den Mord an Präsident Kennedy in Dallas verhindern, indem er den Attentäter Lee Oswald vorher tötet. Lungenkrebs im Endstadium zwingt ihn jedoch zur vorzeitigen Rückkehr und er bittet Jake, den Job zu übernehmen. Dessen anfängliche Skepsis wird bald von Neugier besiegt und so stürzt er sich in das ungewöhnliche Abenteuer. Und das ist erst der Anfang, auf Jake wartet nicht nur die Liebe seines Lebens, sondern auch eine Vergangenheit, die sich partout nicht ändern lassen will...

Es gibt im Leben Momente, in denen man innehält, weil einem bewusst ist, dass das soeben Geschehene den Lauf der Geschichte nachhaltig verändern wird. Der 11. September war so ein Ereignis, die Ermordung von John F. Kennedy ein anderes. Es gibt darüber unzählige Bücher, Filme und Dokumentationen; Lou Reed hat ein wunderbar anrührendes Lied geschrieben ("The day John Kennedy died"), auch Axl Rose sang: "And in my first memories they shot Kennedy". Und mit Stephen King (auf dessen gleichnamiger Romanvorlage die Serie beruht) nahm sich vor einigen Jahren auch der erfolgreichste Schriftsteller der Welt des Themas an.

King wählt dabei einen eigenen Ansatz: Er lässt die Verschwörungstheorien (an die er übrigens im Gegensatz zu seiner Frau nicht glaubt) weitgehend außen vor und schickt seinen Ich-Erzähler in die Vergangenheit, um diese zu ändern - mit allen (unbekannten) Konsequenzen. Er hält sich dabei eng an die historischen Vorgaben der Personen und Schauplätze im Dunstkreis von Oswald und verleiht dem Roman somit zusätzlich Authentizität. Natürlich ist auch das Leben in dieser Zeit ein weiteres Hauptthema und dieses Leben ist durchaus zwiespältig, denn neben der unbeschwerten Fröhlichkeit kleinstädtischer Tanzveranstaltungen und nachbarschaftlicher Empathie haben ebenso provinzielle Bigotterie und alltäglicher Rassismus ihren festen Platz.

Die filmische Umsetzung hält sich einigermaßen eng an die literarische Vorlage, auch wenn die Handlung gestrafft wurde (kein Wunder bei einem 1.000 Seiten-Roman) und da Stephen King selbst daran beteiligt war, findet die Serie auch Gnade vor den Augen des Meisters (im Gegensatz etwa zu Kubrick’s »Shining«). Mit acht Episoden vergleichsweise überschaubar und in Hauptrollen mit James Franco und Sarah Gadon exzellent besetzt bietet »11.22.63 – Der Anschlag« vor dem historischen Hintergrund ausgezeichnet spannende TV-Unterhaltung, die mitunter auch zutiefst anrührend ist, mehr kann man als Kassenpatient nicht verlangen.


P.S.: Die Ausstrahlung lief in Deutschland bei Sky, dürfte aber demnächst wohl auch auf anderen Plattformen erhältlich sein.

©Text von derSpieler7

Anmerkungen der Bloginhaberin:
1. Dem Spieler7, Autor dieses formidablen Gastbeitrags könnt Ihr folgen:
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Samstag, 4. Juni 2016

Serientipp der Woche - Im Angesicht des Verbrechens

Eine der besten deutschen Serien, die es jemals gab

Leider auch eine der unterschätzesten, die eine viel höhere Quote verdient gehabt hätte. Lag wahrscheinlich auch daran, dass die Serie wie so viele andere im Nischenprogramm versteckt wurde.

Im Angesicht des Verbrechens ist eine zehnteilige Serie, die in Berlin spielt und mehrere Handlungsstränge verdichtet, die alle zum Schluß zusammenlaufen. Ganz grob zusammengefasst stehen zwei Ermittler im Mittelpunkt, die gegen die Russenmafia kämpfen. Ganz grob zusammengefasst - wie gesagt. Die Serie ist in hohem Tempo gedreht, hat großartige Schauspieler: Marie Bäumer, Ronald Zehrfeld, Misel Matisevic als Miiiischa und Max Riemelt in den Hauptrollen. Die Regie hatte der hochdekorierte Dominik Graf, seine Filme sind ja grundsätzlich und durch die Reihe sehenswert.

Im Angesicht des Verbrechens ist außerordentlich episch erzählt, trotz des Tempos nimmt die Serie sich Zeit, Miliues und Stimmungen zu entwickeln. Die einzelnen Folgen bauen aufeinander auf und laufen schließlich auf ein unausweichliches Ende zu. Die Atmosphäre ist beklemmend, beängstigend und manche Seqeunzen nachgerade rauschhaft und ziehen einen ganz tief in den Sog hinein.

Prädikat: Muss man unbedingt gesehen haben. Unbedingt.

Zu meiner großen Erleichterung gibt es "Im Angesicht des Verbrechens" mittlerweile auch als Angebot bei diversen Streaming-Diensten. Erleichterung deshalb - weil es sich bei mir zu einem manischen Zwang entwickelt hatte, immer wenn ich am Wochenende zufällig in die Serie reinzappte - und sie läuft ständig am Wochenende im Nachtprogramm der Spartensender und dritten Programme - jedenfalls immer dann, wenn ich zufällig darauf stieß, konnte ich nicht aufhören, weiterzuschauen und das hat mich etliche Stunden Schlaf gekostet. Immerhin kann ich die Serie wohl mittlerweile mitsprechen.        

Freitag, 3. Juni 2016

T.G.i.F. - von Macondo, der GEZ und der Gurke des Grauens

Tach auch Liebeleins. Allet gut bei Euch? Alle noch trockene Füße? Hier ist zwar kein Land unter, aber mit trockenen Füßen iss trotzdem nöppes. Alles klebt und ist von einem komischen Feuchtfilm überzogen. Selbst beim Laufen über die sonst immer kalten Fliesen quietscht es. Und wagt man sich einmal eine Minute in dieses Draußen, hat man alles an sich pappen, was förmlich in der Luft steht. Nachwuchs-Grashüpfer auf der Brille inclusive. Aber wie sagte man mir die Tage? Schaltjahre sind nicht nur Sterbejahre, sondern auch Schlechtwetter-Jahre. Wär das auch geklärt. Aber immerhin die Hecke blüht schön.


Macondo-Feeling frei Haus. Ganz ohne Regenwald und zum Glück auch ohne hundert Jahre Einsamkeit. Auch wenn sich Gottwerweißweralles erkundigt, ob Klein-Britta allein zu Haus sich auch nicht allzu sehr grämt in ihrem Strohwitwen-Dasein. Wohlerzogen, wie ich nun mal bin, habe ich aber keinem verraten, dass ich einer der wenigen Menschen bin, in deren Gesellschaft ich mich noch nie gelangweilt hab.... Außerdem gibt der Endlich19 alles, um den Mann im Haus zu ersetzen. Naja, bißchen alles.

A propos Endlich19.  Kaum erwachsen, kann auch dieses gute Kind seine eigene GEZ-Story versnapchatten, kaum dass der Jura-Student nach einem Jahr Auseinandersetzung denn auch mal sein verbindliches Zimmer als Wohnheim-Zimmer anerkannt bekommen hat. Immerhin - ihm hat die GEZ die unter Vorbehalt gezahlte Summe mit Zinsen erstattet. Vielleicht mal eine gute Rendite-Idee in diesen Zeiten? Zurück zum Thema. Also der Endlich19. Aus unerfindlichen, uns noch nicht näher klaren Gründen hat das Einwohnermeldeamt unserer wunderbaren Stadt soviel Zeit, dass es ihn bei der GEZ angemeldet hat. Unter WhisteriaLane Nr.35 statt 39 wie richtig und auch im Perso und der Meldebestätigung vermerkt. Nun erreichte uns ein "wohlformuliertes" Schreiben dieser reizenden Behörde, in dem Zahlungsrückstände und weitere Zahlungen gefordert wurden. Selbstredend erreichte uns das Pamphlet auch erst Wochen später, alldieweil falsche Adresse. Iss klar. Wenigstens hat die Post einen Vermerk "Irrläufer" drauf gemacht. Zurückschicken wegen Nicht-Erreichbarkeit hätte ihm allerdings mehr geholfen. Denn dann hätte die GEZ ja wohl eine EMA-Anfrage machen müssen. Tjanun. Ein Telefonat mit der Hotline brachte genau nichts außer " Mir egal, machen Sie das schriftlich". Danke für nichts.


Um es mal so zu sagen: ich will mich gar nicht einreihen in die Reihe derer, die über die ungerechtfertigten Gebühren streiten. Das lasse ich mal dahingestellt, zumal ich als bekennende Radiohörerin tatsächlich etliche öffentlich/rechtliche Medienangebote nutze und so wenigstens was kriege für mein Geld. Was mich hingegen mega stört, ist der wirklich harsche Tonfall, dessen die Briefeschreiber sich dort befleißigen. Der Endlich19 - sich keiner Schuld bewusst - war ehrlich erschrocken und betroffen, so aus dem Lameng heraus unverhohlen des Betrugs bezichtigt zu werden und direkt diverse Konsequenzen angedroht zu bekommen. Wirklich hart ! Und völlig überzogen. Würde nicht ein Schreiben mit Bitte um Stellungnahme für's erste reichen? So wird das jedenfalls nichts mit der Imagepflege. Immerhin erspart der Jurist im Haus den Anwalt.

Aber ein echter, richtiger Glücksmoment ist auch noch zu vermelden. Dank Twitter. War es mir doch am Mittwoch tatsächlich gelungen, einen Periscope-Stream zu Coldplay inne Turnhalle umme Ecke zu finden, so dass ich wenigstens in Echtzeit zu Viva-la-Vida mitheulen konnte. Wo ich mich im Nachhinein so geärgert hatte, keine Tickets gekauft zu haben. Aber da ahnte ich noch nichts von Chris Martins kryptischen Harry-Potter-Coldplay-7 ist eine gute Zahl-Vergleichen, die nun mal befürchten lassen, dass man live keinen Sky full of stars mehr sehen kann. Immerhin die Erkenntnis: Vielleicht setzt sich dieses Internet ja doch durch. Manchmal ist es ja echt zu etwas gut.

Und dann hab ich noch einen Nachtrag zu unserem wunderfeinen Familienwochenende bei den Stadtmusikanten. Denn da war ja noch die mysteriöse Gurke des Grauens. Von Euch vielleicht einer eine Idee zu folgendem Geschehen: Was in aller Welt macht eine junge Frau mit einer ungeschälten, unregelmäßig angenagten Schlangengurke auf der Herrentoilette einer Raststätte im westfälischen Nirgendwo? Was? Bitte? In aller Welt? Ganz klar und gar nicht mysteriös wie immer Eure

Statistik: 

Erkenntnis der Woche: Es gibt solche Leute und solche. 
Aber leider mehr solche. (aus dem real life) 
Cookie der Woche: Mein Hakuna hat sein Matata verloren. 
Held der Woche: "Ich fürchte mich nicht vor künstlerischer Intelligenz, ich fürchte mich
 viel mehr vor Menschen. (Statement eines Nerds in 
einem Ausstellungsvideo im Bremer Universum) 
Ansage der Woche: Keine Diagnose durch die Hose.
 Hab ich mal so gelernt (©die Mim auf Twitter) 
Tragik der Woche:  Ich bin jetzt zu alt für diesen Scheiß bekommt 
auch 'ne völlig neue Bedeutung, wenn man wirklich 
zu alt für diesen Scheiß ist. (©SimiSchalke aufTwitter) 
Stoßseufzer der Woche: Manchmal ist der einzige Knochen, der morgens
 beim Aufstehen nicht weh tut, das Ohrläppchen (©ElliVator auf Twitter) 
Kopfschütteln der Woche: Manchmal macht die Autokorrektur aus
 "hahaha" einfach "hahahahahahaha". Und ich denke
 "Also so lustig war das ja nun auch wieder nicht."(©Trixelinchen auf Twitter) 
Frage der Woche: War gestern was mit Jerome Boateng und Gauland? Hab nix 
mitbekommen, war den ganzen Tag bei meinen Nachbarn. (©Gerald Asamoah auf Twitter) 
Schreck der Woche: Der neue Kollege war noch nicht mal geboren, da bin ich schon
in der Firma rumgehampelt..... Meine Fresse (©das lebende Inventar Spieler7 auf Twitter)
Erläuterung der Woche: Ich würde die entscheidenden Passagen ja immer weglassen.
 Sollen die Anderen doch darauf kommen, wo das steht. ( ©der hauseigene Jurist) 

Allen ein schickes Wochenende. 
Nagt an keiner Gurke, an der ich nicht auch nagen würde. 

Wie immer gilt: Wer Tippfehler findet, kann sie behalten. 
Weitere Links auf Nachfrage