Sonntag, 29. Mai 2016

Stadtmusikanten - unser Familienwochenende in Bremen

Hinter Huchting ist bekanntlich ein Graben, hinter dem direkt Getränke Hoffmann kommen sollte - schenkt man Herrn Regener Glauben. Aus unserer Richtung kommend ist hinter Huchting allerdings kein Graben, sondern die Weser - und die ist sogar breit und tief und an ihr liegt Bremen. Dorthin veschlug es uns für unser Familienwochenende, welches die Herren Studenten und ich mit vereinten Kräften dem Ruhebewahrer zum Geburtstag schenkten.

Gut, ich gebe zu : Vereinte Kräfte hieß in dem Fall, dass Muttern und der Jurist abnickten, was das Fi-Bu-Wunderkind Endlich19 organisatorisch so drauf hatte. Die Vorgabe war neben: "nicht so weit weg" Ü-Ei mässig: Es sollte was Spannendes dabei sein, was Süßes und was zum Spielen. Und alles zum Staunen. Kurzum, von allet watt dabei, was Ruhebewahrern im besten Alter so Spaß macht.

Und damit auch das traditionelle alljährliche Leiden auf der A1 nicht zu kurz kommt, starteten wir am bundesweit uneinheitlichen Feiertag mit Stau, Stau, nochmals Stau und diversen Umfahrungen. Sagte ich schon, dass der Jurist Münster und Umgebung so ganz und gar nichts abgewinnen kann? Nein? Macht nichts, der gute Junge ließ es uns dafür oft genug wissen. Dem Stau sei Dank brauchten wir in Bremen auch gar nicht allzu lange mehr auf den Check-Inn warten. Wir logierten im Innside by Melia an der Waterfront etwas außerhalb der City, direkt an der Weser und verkehrstechnisch günstig für unsere Unternehmungen gelegen. Und außerdem gab es in der Waterfront-Mall auch den bevorzugten Fast-Food-Caterer, Nervenstärkung durch Chicken Bucket Challenge. Das Hotel ist eine Mischung aus Captain Jack Sparrow meets Anakin Skywalker, aber durchaus empfehlenswert.Die Hotelbar jedenfalls war gut bestückt und das ist ja schon mal die halbe Miete.

Fronleichnam ist in Bremen kein Feiertag und so machten wir uns auf inne City, die Stadtmusikanten betatschen, den Roland begucken, die Altstadt durchqueren, an der Weser promenieren und was man eben in der Hansestadt als Touri so macht. Das Wetter war hanseatisch nieselig, aber dank des Nicht-Feiertags konnte ja noch alles erworben werden, was in den vereinigten Alice-im-Wunderland-Taschen so fehlte. Zur abendlichen Einkehr wählten wir die direkt an der Weser gelegene "Bar Celona", die trotz des vom Juristen bemängelten Flachwitz-Namens guten Service und leckere Tapas bot. Und die Entdeckung des Abends: den Gingerito. Na, Hauptsache, es knallt.


Am Freitag begann dann die Abarbeitung des liebevoll zusammengestellten Ü-Ei-Programms. Erster TOP: was Spannendes zum Staunen. Ab ins Universum, Wünsche inclusive. Mit diesem Wissenschaftsmuseum hatten wir eh noch eine Rechnung offen, eigentlich wollten wir damals auf dem Rückweg von Soltau dorthin. Welche Achterbahn genau unseren Plan durchkreuzte, entzieht sich leider meiner partiellen Erinnerung. Das Universum Bremen ist ein interaktives Museum mit den Themen Mensch, Technik, Natur und wir hatten alle in der Tat sehr viel Spaß mit und an den Exponaten. Wir testeten das Erdbebensofa in allen Stärken, die Jungs spielten Kicker gegen Roboter und und und. Den mannigfachen Lobreden über dieses Museum können wir uns nur voll umfänglich anschließen. Inclusive der sehr freundlichen Mitarbeiter dort. Zum Schluß besuchten wir noch die Sonderausstellung über das Altern und durchliefen verschiedenen Stationen, um zu testen, wie es so um unser tatsächliches Alter bestellt ist.... Da jedoch der Grundsatz: What happens in Bremen, stays Ihr wisst schon.


Abends dann der Programmpunkt: Was Süßes und auch zum Staunen. Dafür besuchten wir die Bremer Depandance des uns allen aus Essen bekannten GOP Varieté, welches nach Anlaufschwierigkeiten mittlerweile im Ruhrpott eine echte Institution ist. In Bremen befindet sich das GOP in der Überseestadt, auch direkt an der Weser zwischen diversen Neubauten, die dem neudeutschen Trend urbanes Leben am Wasser folgen. Und auch die Bremer Variante enttäuschte nicht und bot gewohnt feine Qualität.  Gute Moderation mit Stand-Up-Comedy, tolle Artisten mit atemberaubenden Leistungen und außerordentlich süße Mitwirkende. Der Endlich19 liebäugelt nunmehr mit noch mehr Nördlichkeiten als Malmö - Finnland hat nicht nur schöne Männer! Nimm dies, Samu! Man muss es den GOPs lassen, sie haben diese Genre in Deutschland nicht nur aus der Schmuddelecke rausgeholt, sondern es wirklich neu belebt und auf ein sehr hohes Niveau gehoben. Wer mal Gelegenheit hat, eine Show zu sehen: Nur zu.



Am Samstag dann der letzte Programmpunkt: Was zum Spielen! Die Männer spielten Laser-Tag und das durchaus erfolgreich - dank des Endlich19, der als Spieler17  mit einem Punkt Vorsprung den Highscore knackte - da haben sich die vielen Stunden an der Playstation und in anderen virtuellen Reichen endlich mal bezahlt gemacht. Man(n) ist jedenfalls bereit, den Drachentöter rauszufordern. Wir bleiben dran. 

Noch mehr Bilder vom Familien-Wochenende gibbet im G+Album Bremen.  
     
   

Samstag, 28. Mai 2016

Serientipp der Woche: ein echter Scandal

bzw. ganz viele kleine Scandals und ein großer

Scandal handelt von der Krisen-und Wahlkampfmanagerin Olivia Pope, die mit ihrem Team hochspezialisierter und eigenwilliger Anwälte und Hacker den Mächtigen Washingtons dabei hilft, Skandale abzuwenden oder sie zumindest anderen in die Schuhe zu schieben. Sie selbst nennen sich "Gladiatoren" und agieren immer am Rande der Legalität. Olivia selbst ist in eine Affäre mit dem Präsidenten verstrickt - der größte Skandal von allen. Dann gibt es noch eine Geheimorganisation, die es zu torpedieren gilt und und und.

Die Serie legt ein hohes Tempo vor und ist nicht zuletzt dank schneller Dialoge durchaus unterhaltsam. Mehr allerdings auch nicht. Plausibilität ist nicht gerade das erste Anliegen dieser Serie. Die kleinen Skandale, die meist gerade mal eine Folge umfassen, sind durchweg interessant, die beiden großen Skandale -Olivias Affäre und besagter Geheimbund sind auf die Dauer jedoch recht ermüdend und regelrecht ausgelutscht. Bis jetzt gibt es vier Staffeln auf Deutsch und die beiden großen Skandale werden immer noch mehr in die Länge gezogen.

Scandal verfügt über großartige Schauspieler, leider wirkt gerade die Hauptdarstellerin Kerry Washington nicht durchweg authentisch und glaubwürdig, sie kommt einfach manchmal zu barbiehaft rüber. Auch Tony Goldwyn als Präsident Fitzgerald Grant bleibt merkwürdig blass und zu allem Übel nimmt man den Beiden die Affäre nicht wirklich ab, irgendwie stimmt da die Chemie zwischen den Beiden nicht. Ob Olivia einen Stock umarmt oder den Präsidenten kommt meistens auf dasselbe heraus. Richtig toll sind die Nebendarsteller der Riege von Olivias Helfer und Jeff Berry als schwuler intriganter stabschef Cyrus Bean.

Fazit: gute Serie, um nach anstrengenden Arbeitstagen sich eine Stunde Ablenkung zu gönnen und runterzukommen. Aber kein unbedingtes Muss.

Die ersten vier Staffeln werden von Amazon prime zum streaming angeboten.

Dienstag, 24. Mai 2016

Rock it on Zollverein, Baby !

 GuMo da draußen Erster Urlaubstag 😀 Regenwetter 😡Kulturprogramm mit Frau 😍 Ich würde sagen die Vorteile überwiegen

Mit diesem Gu-Mo-Tweet der lieben @Trixe19 war der Tag schon prima zusammengefasst, bevor er überhaupt erst begonnen hat. Angesagt war TTTmitT (TwitterTreffenTag mit Trixe). Als hätten wir uns abgesprochen, hatten wir gleichzeitig Urlaub und da musste doch mal wieder eine gemeinsame Unternehmung her. Mein Wunsch war: Nichts mit allzu vielen Menschen um mich herum - auch wenn die Trixe unberufen die beste Shopping-Queen aller Zeiten ist . So kamen wir auf Kultur und natürlich - wir sind Ruhrpott-Prinzessinnen - musste es Ruhrpott-Kultur sein. Da passte es ganz prima, dass wir zwar beide schon mal eine Führung durch die Kokerei   unternommen hatten, das auf Zeche Zollverein ( immerhin unser Weltkulturerbe umme Ecke) ebenfalls ansässige Ruhrmuseum aber links liegengelassen hatten. Noch besser passte uns da in den Kram, dass auf Zollverein gleich zwei Sonderaussstellungen laufen, die uns beide interessierten.

Bei allerschönstem ruhrpottgrauen Nieselregen also auf nach Essen - die 40 brav gemieden, weil wir hatten zwar Zeit, aber muss ja trotzdem nicht sein - und - wir waren nicht die Einzigen, die auf diese glorreiche Idee gekommen waren. Mit wenig Menschen war also nichts, aber es verläuft sich ganz gut auf dem großen Areal. Witzigerweise liefen wir als erstes meinem Herner Kollegen mit Gattin in die Arme, der an seinem ebenfalls ersten Arbeitstag diesselbe Idee gehabt hatte.... schon lustig. Leider waren die beiden schon durch, sonst hätten wir im Rock-It-Keller ein gemeinsames Selfie machen und der WA-Kollegen-Gruppe schicken können. Wäre bestimmt super angekommen...... ähem.

Zunächst machten wir uns brav und kulturbeflissen auf den Weg durch die Dauerausstellung, die Vergangenheit und Gegenwart unseres Reviers beleuchtet. Die Dauerausstellung ist ganz ok, aber jetzt nicht so DIE Erleuchtung. Ich muss da ehrlich sagen, dass ich die thematisch ähnlich gelagerte Ausstellung auf Zeche Zollern in Dortmund wesentlich gelungener und empfehlenswerter fand. (in diesem stets bildungsbeflissenen Blog nachzulesen hier und hier) . Aber ein paar Impressionen will ich Euch nicht vorenthalten.
Nach einer kleinen Stärkung ab inne erste Sonderausstellung. Dort wurden Fotografien des Dortmunder Arbeiter-Literaten Erich Grisar gezeigt, aus den Jahren 1928 - 1933, die vor allem die Menschen in ihrem damaligen Alltag zeigten. Was wir sehr interessant und berührend fanden. Leider sind fast alle Fotos in Dortmund entstanden und auch wenn man die Stadt so ein bißchen kennt, die Zuordnung und Übertragungsmöglichkeit von "guck mal, so sah das damals aus" fehlte uns ein bißchen.

Umso mehr Wiedererkennungswert brachte uns da schon die zweite Sonderausstellung "Rock und Pop im Pott". Dort ging es um die Stars, die unser Revier so hervorgebracht hat: Von Nena bis Grönemeyer und sogar meine allererste LP von der Dortmunder Band Cochise  hatte einen Ehrenplatz. Womit geklärt wäre, dass ich mir diese Gruppe nicht ausgedacht habe.... Ganz spannend fanden wir auch den Raum mit all den rockigen Veranstaltungsorten im Pott und vor allem die Ruhrpott-Ureinwohnerin Trixe konnte für sich verbuchen, weit mehr als die Hälfte davon besucht zu haben.

 
Ganz besonders viel Spaß hatten wir (in dem Moment allerdings nur wir, Herrschaftszeiten, was gibt es doch für humorbefreite Spaßbremsen) im Mitmach-Raum. Dort konnte man in einem inner circle zur eingespielten Mucke tanzen und bekam das auf einer Leinwand fein in der passenden Lichttechnik zu sehen. Also ich finde, wir haben da ein veritables Konzert gerockt.


Mega oder? Tjanun - gekonnt ist gekonnt. Und wenn wir eins können, dann einen verregneten Tag unvergesslich rocken. Den abschliessenden Kaffeeklatsch im blauweißen Sonnencafé hatten wir uns redlich verdient. 

©Fottos bis auf das eigenwillige Selfie alle by Trixe19 !

Serientipp der Woche: irgendwie und sowieso - als die Revolution nach Oberbayern kam

Ein Gastbeitrag von meinem guten Freund Spieler 7 



Wir schreiben das Jahr 1968, bekanntlich eine bewegte Zeit, die sogar das friedliche oberbayerische Kaff Zell erreicht und nicht nur den Jugendlichen dort gehörig den Kopf verdreht oder zurechtrückt, je nach Betrachtungsweise. In erster Linie ist es natürlich die Musik, die fasziniert, aber dann folgen auch neue Ideen und veränderte Denkmuster, eben ein Aufbruch in eine neue Zeit.


Die wichtigsten Protagonisten in der bayerischen Provinz:


Der schweigsame Mechaniker Sepp (Elmar Wepper, cool wie James Dean)


Der eigenwillige Bauer Alfons alias Sir Quickly (Ottfried Fischer, dickschädelig wie Ottfried Fischer)


Der dialektische APO-Gymnasiast Effendi (Robert Giggenbach, eloquent wie Rudi Dutschke)


Die patente Busunternehmer-Tochter (Olivia Pascal, sexy wie Uschi Obermaier)


Nicht immer gemeinsam, geschweige denn einig stellen sie sich den Herausforderungen des Lebens (und der Liebe), manchmal zögernd, manchmal begeistert, aber immer authentisch, Kompromisse gibt es eher selten.


Gedreht wurde die Serie (die eigentlich ein Film mit Überlänge ist) 1986 und Regisseur Franz Xaver Bogner gelingt es dabei perfekt, das 68er-Lebensgefühl nicht nur zu rekonstruieren, sondern mit neuem Leben zu erfüllen, bis hin zu den Klamotten und Autos. Es hat sich ja leider eingebürgert, allen möglichen Mist mit dem Etikett »Kult« aufzuwerten, aber hier trifft der Begriff mal wirklich zu. Die Darsteller agieren absolut überzeugend, man hat den Eindruck, sie spielen einfach ihr Leben statt ausgedachter Rollen.


Wer die famosen Romane von Frank Goosen kennt wird bei »Irgendwie und sowieso« (trotz aller regionalen Unterschiede!) etliche Parallelen entdecken, z.B. die kritische Verbundenheit zur Heimat. Bei Goosen heißt das lapidar »woanders iss auch Scheiße«, in der Serie meint Sepp »Irgendwann muss jeder mal heimgehen, ganz egal, wo das dann ist« (von mir ins Hochdeutsche übersetzt, Untertitel gibt es nicht). Auch bei Goosen sind es meistens beautiful losers, die durch ihre Freundschaft zu Gewinnern werden und natürlich gibt es bei »Irgendwie und sowieso« ebenfalls jede Menge Musik, die Leben retten kann.

Ein Tipp für alle, die sich die Kosten für DVD oder BluRay sparen wollen: Ab 06.06.2016 wird dieses Highlight der (nicht nur bayerischen) Fernsehgeschichte anlässlich des dreißigjährigen Jubiläums erneut beim BR ausgestrahlt.

©Text von derSpieler7

Anmerkungen der Bloginhaberin:
1. Dem Spieler7, Autor dieses formidablen Gastbeitrags könnt Ihr folgen:
Auf GooglePlus und auf Twitter

Samstag, 21. Mai 2016

Serientipp der Woche: Bosch

Der Man in Black als Ermittler

Die Krimiserie "Bosch" ist eine Eigenproduktion von Amazon, basierend auf den HarryBosch Romanen von Michael Connelly. Zunächst wurde nur eine Pilotfolge gedreht, die Kunden Amazoniens wurden aufgefordert, die Serie zu bewerten und kundzutun, ob es gewünscht sei, mit "Bosch" in Serie zu gehen. Mittlerweile gibt es zwei Staffeln, auch schon auf Deutsch.

Die Hauptrolle des Ermittlers Hieronymus "Harry" Bosch spielt Titus Welliver, bekannt aus Akte X und vor allem als der geheimnisvolle Man in Black aus Lost. Die Serie spielt in Los Angeles, in einem recht düsteren, vom glamourösen Teil der Stadt weit entfernten Los Angeles. Eine Staffel behandelt jeweils einen Kriminalfall, in der ersten Staffel geht es um einen vor 25 Jahren verschwundenen Jungen, dessen Knochen erst jetzt in einem Waldstück gefunden werden. Daneben geht es auch um die persönliche Geschichte des schweigsamen, grüblerischen Harry Bosch, der ungebrochen für das Gute kämpft.

Gutes Tempo, gute Kameraführung, eindrückliche Bilder. Kann man gucken, muss man aber nicht. Langeweile jedenfalls kommt nicht auf, aber atemlos zurückgelassen wird man nicht. Fazit: Okay.

Freitag, 20. Mai 2016

T.G.i.F. - von Freunden und Feiern

Tach auch Liebeleins. Meine Fresse, nee. Wie lange genau braucht man so in unserem Alter, bis man sich von einem exzessiven Feier-Wochenende erholt hat? Also, mit einer Woche alleine isset nich getan. Vor allem, wenn da noch seriöses Arbeiten angesagt ist. Ich sach Euch. Stöhnend und gähnend getippt.

Yau, die epische Feier in mehreren Akten zu Ehren des Ruhebewahrers ist vorbei. Und es war nicht nur anstrengend, sondern auch toll. Toll, toll, toll. Vor  allem der furiose Schlussakt. Beschweren kann der Gatte sich jedenfalls nicht. Ihm wurde zwar vielleicht nicht gehuldigt - obwohl.... aber auf jeden Fall gewürdigt. Glückwünsche kamen von nah und fern, garniert mit Vermissen in Richtung Süden.  ( Ihr habt uns zu unserem Glück noch gefehlt )


Am Samstag feierten wir zunächst gediegen im Kreis der Verwandschaft. Es war ein schöner Abend. Das Fotobuch wurde gewürdigt, das Essen auch. Zumindest in Teilen. In den Teilen, die kaum Arbeit gemacht haben, um genau zu sein. Ein bißchen grande Desaster de Ghost of Stockholm flimmerte im Hintergrund, aber all in war es da wohl besser, die ESC Taste zu drücken ( sry, Plattwitz, jährlicher. Aber muss einfach sein.)

Nachdem somit der Gediegenheit Genüge getan wurde, war Zeit für den exzessiven Teil des Ganzen. Feiern mit den Assigen und dem Stammtisch - was erwartungsgemäß prima übereinander passt. Ganz bewusst hatten wir nur einen kleinen Kreis von Freunden eingeladen und zwar genau die Freunde, mit denen wir auch sonst immer zusammen sind. Plus natürlich die Jugend, die ihren Verbindungen entsprechend noch besser am Glas ist als der Rest. Ich verrate hier auch nicht, was alles die Kehlen runterfloss, so exzessiv hatten wir es jedenfalls lange nicht.

Der Stammtisch kann ja an und für sich auch solide - schließlich haben wir einen waschechten Put-your-fucking-hands-up Pfarrer unter uns - aber wenn wir mal anfangen, dann können wir auch richtig. Die Wahlverwandschaft war auch dabei, aber da gibt es ja eh zig gewachsene Querverbindungen. Und erstmals in dieser Runde der Drachentöter und das Engelchen. Klappte prima, passte bestens. Assige unter sich eben, erkennen und mögen sich sofort. Und wenn der Drachentöter erstmal seine Schwungmassen in Gang setzt und brutalo pinken Charme spielen lässt - da bleibt keine rosa Bananenstaude trocken. Zonen-Gabi wäre stolz gewesen. Gut, dass wir uns am nächsten Abend ähem ausruhen konnten. In unseren gemütlichen Theatersesseln beim Sitzplatz-nummerierten 3,5 Std. BAP Konzert in Duisburg.

Als ich so im Nachgang den Abend Revue passieren ließ, dachte ich einmal mehr, wie wichtig und schön doch Freundschaften sind. Gute, ehrliche, gewachsene Freundschaften, so wie sie an diesem Abend mal wieder zutage traten. Es hat unglaublich gut getan, unbeschwert und ohne sich unter Druck gesetzt zu fühlen, alle da gehabt zu haben. Und ich dachte auch, dass es schön ist, so eine gewachsene Gruppe wie unseren Stammtisch zu haben, der auch immer mal mit offenen Armen Freunde aus anderen Kreisen aufnimmt. Ja, sicher, manchmal schimpfe ich, wenn Stammtisch-Abend ansteht und würde lieber mit meinem elitären Arsch auffe Couch bleiben, aber unterm Strich ....ebend.

Wir kennen uns teilweise seit über 20 Jahren und auch wenn wir uns Sonntag hauptsächlich der schönen und witzigen Dingen erinnerten, die wir miteinander erlebten, wir haben in diesem Kreis gemeinsam auch alles durch, was Leben so an Schicksalsschlägen bereithält. Waren dabei immer da, nicht nur mit tröstender Hilfe, sondern durch die enge räumliche Nähe auch immer mit praktischer unkomplizierter Hilfe. Genauso, wie es seit etlichen Jahren jetzt auch schon mit den Assigen ist. Danke allen dafür. Es ist unglaublich viel wert. Und auch für die Kinder, wie man doch gut merken konnte an diesem Abend. Es war bei uns ja nicht immer so, wie man sich das eigentlich so denkt, aber eines hatten wir all die Jahre: diesen Kreis, in dem alle unsere Kinder groß geworden sind. Hat allen nicht geschadet, wenn ich mich hier auf der Straße so umschaue. Also: alles richtig gemacht.

So und bevor ich mich jetzt ganz in Sentimentalitäten ver#hache, zum einen die Ansage: Nächste Woche ist Pause, dann spielen wir Vier die Stadtmusikanten en famille und zum anderen ganz ehrlich und unsentimental

die Statistik:       

Schwur der Woche: What happens in Whisteria Lane, 
stays in Whisteria Lane. 
Zahl der Woche: 1,5 plus.... ( Liter)  
Frage der Woche: Müsste auf dem Shirt vom Drachentöter nicht
 eigentlich Glückuff stehen? ( © Stammtischschwester A. ) 
Stoßseufzer der Woche: Ich bin heute so fit, ich könnte Kontinentalplatten verschieben
....oder Schallplatten. Ja, Schallplatten wären okay. (©Silberrücken auf Twitter)
Plan der Woche: "Ich werfe mir jetzt mal die bunten Pillen ein, dann wird es schon 
gehen heute!" -"Das sind Smarties!" - 
"Mir doch egal, wie die heißen (©Ela(gedankengefickt) auf Twitter) 
Fleißarbeit der Woche: "Ich gehe nur schnell einkaufen, warte im Auto auf mich". - 
"Beeil Dich bitte" - "Natürlich Schatz." - Ein Kastanienbaum hat 8 434 999 Blätter. 
Erkenntnis der Woche: Freunde? ..... das sind doch die, mit denen man sich auf einen
 Kaffee trifft & dann sturzbesoffen mit nur einem Schuh 
nach Hause kommt..... (©WiViEIma auf Twitter) 
Cookie der Woche: Schuld ist nur die Woche, weil sie Abstimmungswerte vorgibt, 
die von der ESC Industrie gar nicht eingehalten werden können. 
Ergebnis der Woche: Nachts sind alle Besoffenen blau. 

Allen ein schickes Wochenende. 
Feiert keine Party, die ich nicht auch feiern würde. 

Wie immer gilt: Wer Tippfehler findet, kann sie behalten. 
Weitere Links auf Nachfrage  


Donnerstag, 19. Mai 2016

4 x 10 Jahre - BAP auf Jubiläumstour

Evangelisches Jugendheim Emmerich, 1977: Gastauftritt einer völlig unbekannten Band aus Köln. Vielleicht 30 Leute waren gekommen, um auf kölsch gesungenen Protestsongs* zu übelst schrammelnden Gitarren zu lauschen. Mein erstes Rockkonzert. Mein erstes BAP-Konzert.

Theater am Marientor, Duisburg 2016. BAP auf Jubiläumstour, unglaubliche 4 x 10 Jahre gibt es die Kölschrocker schon. In unterschiedlicher Besetzung. Mit wechselndem Erfolg. Aber es gibt sie noch und es ist ein Stück weit Herzenssache, hinzugehen. Nach 39 Jahren also mein vorerst letztes BAP-Konzert. Mit nummerierten Sitzplätzen. Rang Mitte links. Die erfahrene Rockkonzert-Besucherin in mir schluckt und weint leise. Aber nun - dem Alter will Tribut gezollt sein.



Was uns beim Ticketkauf nicht ganz klar war - es war noch gar nicht die offizielle Tournee, es war eins der berühmt-berüchtigten Warm-Up-Konzerte, die BAP gerne vor offiziellem Tourstart veranstaltet und wo ein zahlenmäßig recht kleines Publikum als Versuchskaninchen herhalten darf. Das beruhigte mich dann doch etwas, denn wie gesagt: BAP-Warm-Ups sind berühmt berüchtigt, weil Niedecken und Mannen da gerne alles, aber auch gnadenlos alles ausprobieren und spielen, was auch nur ganz eventuell auf die wechselnde Setlist einer Tournee kommt. Man kriegt also definitiv viel geboten für's Geld. Viel Musik vor allem, ungezählte Soli, austesten, wieviel Textsicherheit beim Publikum noch so da ist - dafür sind die Warm-Ups berüchtigt.

Und so war es dann auch. Fast 3 1/2 Stunden Konzert im kleinen, feinen, kuscheligen Marientor-Theater. Da ist es gar nicht so verkehrt, wenn man zwischendurch mal sitzen kann. Und vor allem - man kann großartig alles sehen und ist recht nahe dran.

Und natürlich wurde zwischendurch auch gestanden, getanzt und gesungen - einige Wenige, die gerüchteweise vor 39 Jahren zum ersten Mal bei BAP waren, konnten sogar die 40 Jahre alten Texte mitsingen (nur schade, dass diese wenigen Mitgröhlenden nicht so ganz die schöne Stimme hatten, ähem hüstel, aber da muss man durch. Also die anderen um mich herum. Pech gehabt ). Am Ende stand das Marientor noch, die Duisburger Philharmoniker können aufatmen und wir waren es zufrieden. Trotz der Sitzplätzen, die noch am Vorabend bei der Geburtstagsfeier des Ruhebewahrers für Heiterkeit gesorgt hatten : "Na, kommt. trinkt ruhig noch einen. Morgen Abend könnt Ihr Euch ja ausruhen. In Euren gemütlichen Theatersesseln."

Gut, das wolltet Ihr wahrscheinlich alles gar nicht so genau wissen. Sondern, wie es denn jetzt so war, BAP nach 40 Jahren. Sagen wir es so: Das Konzert war ok, der Abend war toll. Toll vor allem wegen der Atmosphäre und der schon aufkommenden Sentimentalität. Zwischen dem evangelischen Jugendheim in Emmerich und dem Marientor in Duisburg - vill passiert sickher.  Sehr vill. Bei BAP, bei mir, bei wohl allen, die Montag da waren. Aber doch schön, dass es doch so eine Konstante gibt. Tatsächlich ist es mir nicht mehr möglich, zu zählen, wie oft ich BAP live gesehen habe, da waren in den 80ern ja auch die Festivals und Großdemonstrationen, wo man sich immer wieder begegnete. Im Hintergrund der Jubiläumsbühne ist eine große Bilderwand aufgebaut, auf der immer wieder Szenen aus den 40 Jahren eingeblendet werden und uns wird klar: Nicht nur, aber auch bei den entscheidenden Stationen waren wir dabei. Konzert an der toten Brücke, Arsch huh, Zäng ussenander und und und.    

Ok - weil alles trotzdem anders bleibt. Das Musiker-Karussell hat sich mal wieder gedreht, es ist eben nicht mehr die Band von 1977 und auch nicht die aus den Neunzigern, leider auch noch nicht mal die von 2006. Der altgediente BAP-Trommler Jürgen Zöller ist auf eigenen Wunsch unter die Pensionäre gegangen, mit seinem Nachfolger Sönke Reich kam erstmals ein Musiker, der jünger ist als die Band. Und Helmut Krumminga ist nicht mehr dabei. Was vor allem mir sehr, sehr leid tut. Ich mochte die musikalische Weiterentwicklung der Gruppe, die in weiten Teilen Krumminga zu verdanken war, wirklich sehr. Allein, dass "Verdamp lang her" live auch nach so vielen Jahren immer noch ein großartiges Stück ist, das ist wohl Krumminga** zu verdanken. Warum genau  er nicht mehr dabei ist, ist nicht bekannt.

Er fehlt jedenfalls sehr.  Zur Rechten Niedeckens steht jetzt Ulrich Rode, meines Wissens der Mann von Anne de Wolff, die BAP live schon lange unterstützt und auch diesmal zum Glück wieder dabei war. Rode ist - trotz aller Bemühungen und Malmö Gedächtnisfrise - für mich kein gleichwertiger Ersatz. Er klingt sehr klassisch, weit weg von einem eigenen Sound, den Krumminga und der Mayor*** damals hatten. Was Rode abliefert, ist solides Handwerk - und in ein, zwei Stücken nicht einmal das. Da muss noch so ein kleines bißchen geübt werden, um es mal vorsichtig auszudrücken. Eine gute Entscheidung, einige der Soloparts - so auch bei Verdamp lang her - an den altgedienten Keyboarder Michael Nass zu geben. So kann man es auch machen, uns gefiel das gut. Eine große Bereicherung der Percussionist Rhani Krija. Es ist ja schon lange ein Markenzeichen von BAP live, immer viel Percussion dabei zu haben, dankenswerterweise.

Neu-Arrangements gab es auch ein paar, bezeichnen wir sie freundlich als gefällig. Neue Stücke vom Jubiläumsalbum Lebenslänglich waren auch dabei, auf den ersten Horch allerdings auch nichts, was vom Hocker reißt, zumal mir einige Texte beim ersten Hinhören sehr selbstgefällig mit Tendenz zur Hochnäsigkeit daherkamen. Aber das muss ich mir nochmal in Ruhe anhören, bevor ich mich da zu weit aus dem Fenster lehne.

Was bleibt:

Das Gute daran, seit 39 Jahren auf BAP-Konzerte zu gehen: Man kann wirklich alles mitsingen und über "et letzte Leed hück ovend" hab ich mich sehr gefreut. Konnte ich mich doch für 3 Minuten noch einmal wie die aufgeregte 13jährige fühlen, die ich 1977 war.
Das Schlechte daran, seit 39 Jahren auf BAP-Konzerte zu gehen: Man kennt sie alle, fast alle. Die  Dönekes, die W.N. erzählt. Hat so ein bißchen was Schwiegervateriges.  

Alles in allem: Wir jedenfalls waren froh, uns für das Sitzplatz-Konzert in meiner alten Heimat entschieden zu haben und nicht für den offiziellen Tour-Auftakt in der von uns ungeliebten Halle Münsterland.
Und auf alle Fälle: Glückauf für die Tour. Blievt so, wie Ihr woord. Jraaduss.    

* beliebtestes Thema damals: Wehrdienstverweigerungs-Anhörungs-Tribunale: "Stell Dir vüür, do sitz daheim en dingem Jaade, nevven Dir do stünd e Flugabwehrjeschütz" unvergessen. Heute noch beklemmend 
**Krumminga ist derzeit mit Inga Rumpf auf Tournee. Stell ich mir auch ganz gut vor. 
*** Auch der Mayor tourt noch mit seiner HeuserBand.     

Sonntag, 15. Mai 2016

Serientipp der Woche: Die Brücke

Der Öresund bei Nacht. Stromausfall. Kurz darauf wird eine tote Frau auf der Brücke gefunden. Genau auf der Grenzmarke zwischen den beiden Ländern, die sie verbindet. Eine Frau? Nicht ganz. Es sind zwei tote Frauen, die aber nur halb. Von der einen der Torso, von der anderen der Unterleib. Eine dänische Polizistin.  Eine schwedische Prostituierte. Doch bei diesen Morden bleibt es nicht. Schon bald erkennt das dänisch/ schwedische Ermittlungsteam, dass die Bedrohung viel größer ist. Haben sie es gar mit global operierenden Terroristen zu tun?

"Die Brücke" ist eine dänisch-schwedisch-deutsche Koprouktion, eine Krimiserie mit durchgehender Handlung in den Staffeln. Neben den eigentlichen Kriminalfällen, die immer geschickt aktuelle Themen unserer Zeit aufgreifen, sind etliche Nebenhandlungen, die sich erst nach und nach aufdröseln und in die Haupthandlung einfügen, ein besonderes Kennzeichen dieser Serie.

Ort des Geschehens: Malmö und Kopenhagen. An und für sich alleine schon ein Grund, die Serie zu schauen, allerdings sind beide Städte oft sehr düstern beleuchtet. Und die Brücke. Ja, DIE Brücke. "Meine" Brücke. Die, für deren Überquerung wir dezente 100 Öcken ausgeben haben, damit ich einmal darüberfahren kann bzw. der Endlich19 Malmö besichtigen kann (so die offizielle Version) , also dieses Wunderwerk von Brücke über den Öresund, welches Dänemark und Schweden verbindet.

*


Die handelnden Personen: In Staffel eins und zwei Saga Norén von der Kripo Malmö und ihr dänischer Kollege, Martin Rohde. Zwei beschädigte Charaktere, aber nicht gebrochen. Aus sehr unterschiedlichen Gründen sympathisch. In Staffel 3 gibt es einen neuen männlichen Gegenpart. Ich habe es noch nicht gesehen, kann also dazu nichts sagen, aber die Kritiken waren durchweg wohlwollend.

Saga hat eine leichte Form des Asperger-Syndroms, aber sie leidet nicht darunter. Sie geht auf in ihrem Beruf , ist eine verbissene messerscharfe Analytikerin und wenn sie regelmäßig Sex haben kann, fehlt ihr weiter nichts. Allerdings ist sie nicht empathisch genug, ihre Andersartigkeit zu bemerken und konsultiert diverse Ratgeberbücher, aus denen sie lernen will, ein normales soziales Leben zu führen. Warum auch nicht. Sonst hat sie ja auch schließlich so ziemlich alles gelernt, was ihr Überleben sichert. Und im Zweifel kann sie ja immer noch Martin fragen.

Martin, der sie sehr mag, ihre Unverstelltheit und Ehrlichkeit schätzt - vor allem in Staffel zwei, als er selber fast zerbrochen ist. Sagas Attitude führt zu dem einigen oder anderen Lacher, aber auch zu erstaunlichen Beobachtungen:  Weil sie ohne Mitleid handelt, tut gerade sie oft etwas, was andere tröstet. Eben durch ihren unverstellten Blick für's Wesentliche und ihr absolutes Unvermögen zur Heuchelei. Martin hingegen will immer das Richtige tun und macht gerade deswegen so ziemlich alles falsch, was geht. Schon die dritte Ehe fährt er gegen die Wand,  zu oft ist er fremdgegangen. Glücklicherweise nicht mit Saga, so plump hat es die Serie nicht.

Die Musik:  Für die Filmmusik zeichnet das dänische Musikprojekt "Choir of young believers" verantwortlich, der Titelsong "Hollow Talk" passt perfekt zur kühlen, etwas düsteren Atmosphäre und bleibt lange im Ohr.

Fazit:  Sehr spannend, sehr phantasievoll und dennoch nahe an der Realität. Nichts für schlechte Nerven. Wer die zeitweilig unterkühlte Art skandinavischer Serien mag, ist hier bestens bedient. Ganz so düster und hoffnungslos wie bei den Mankell-Wallander-Krimis ist es zum Glück aber nicht. Großartige Schauspieler, von denen man sehr sehr gerne mehr würde. WIe eigentlich von allen skandinavischen Schauspielern. Qualität wird bei unseren nordischen Nachbarn großgeschrieben, aber das wissen wir ja allerspätestens seit den Millenium-Verfilmungen (den Originalen) und natürlich seit Borgen.

Staffel 1-3- liefen im ZDF und sind dort auch noch in der Mediathek abrufbar. Auch einige Streaming-Dienste bieten "die Brücke an.

*Fotocollage aufgenommen im Sommer 2014
Die Dame auf der Brücke vor der Brücke ist übrigens nicht Saga Noren - obwohl die Dame durchaus manchmal gerne etwas mehr wie Saga wäre....

Freitag, 13. Mai 2016

T.G.i.F. - tat gar nicht weh

Tach auch Liebeleins. Sacht ma, geht et noch? Wer von Euch war das? Wer hat diese bekloppten Eisheiligen eingeladen zu Pfingsten? Die ganze Woche brüllend warm, staubig ohne Ende, gelb, wohin man schaut und wenn man datt feine Wetterken gebrauchen könnte, wird et kälter als an Weihnachten? So nicht, Freunde, so nicht.

Aber leider, so wohl. Tjanun, müssen wir eben enger zusammenrücken, ist dann auch direktemang kuschelig warm. Wir werden nämlichst die Bude voll haben am WE, erst die bucklige Verwandschaft, dann die bucklige Nachbarschaft plus ein paar special Buckels - es steht an: Akt 2 und 3 für den Ruhebewahrer. Ihm hat genullt - und es tat gar nicht weh. (Wenn man seinem WA-Status glauben darf). Die Ouvertüre gab es am Mittwoch im kleinen Kreis mit dem Ergebnis, dass ich am Donnerstag Marie-Antoinette-Tag ausrufen konnte: Wenn man kein Brot mehr im Haus hat, isst man eben Kuchen.

Das Geburtstagskind wurde reichlich beschenkt, es gab Zeit in jeder Form. Family-Quality-Time, wie es neudeutsch so schön heisst, in der Zukunft, Bastel-Aufopferungs-Zeit in der Vergangenheit. Zum letzten, zum allerletzten Mal habe ich ein Fotobuch gebastelt, ich schwöre, das mach ich echt nie, nie wieder. (Bis zum nächsten Mal.... ) Jedenfalls fand ich im Zuge der ausgiebigen Sichtung alter Alben, Kartons und und und die Konfirmationsurkunde ausweisend den Spruch: "Die, die Ihr mühselig und beladen seid, kommet zu mir, so will ich Euch Ruhe geben". Ist das nicht der Hammer? Frühes Omen. Zumal, wie ich dann gestern vom Ruhebewahrer erfuhr, er sich wohl eigentlich was anderes ausgesucht hatte, ihm dieser Spruch aber zugewiesen wurde. Vom dephinischen Orakel höchstselbst vermutlich. Gut, dass das Engelchen an dem Tag frei hatte, als ich das fand. So hatte ich wenigstens eine, die das ausgiebig mit mir bequietschte. Konnte ich ja schlecht twittern. Jedenfalls war klar: Zusätzlich zum Fotobuch musste noch das ultimative Ruhekissen für den Ruhebewahrer her:


Kann er auch prima gebrauchen, hat ihm nämlich derzeit und b.a.w. seinen Status von Einpendler auf Hesse geändert,  Und ich meinen auf Strohwitwe. Zeit für restliche Scandals. Könnte man meinen. Wenn einen aber sowohl der Jimny als auch der Gatte temporär verlassen und man sich nur noch auf sein Fahrrad verlassen kann, ist Zeit eher Mangelware. Von daher muss ich wohl oder übel hier auch schon zum Ende kommen. Mal überlegen....

War sonst noch was? Also was, was hier unbedingt noch rein muss? Vielleicht noch die Anekdote vom Paketboten, der wohl echt Schiss vor einem Shitstorm hatte und die Abgabe des Päckchens beim Nachbarn direkt vorauseilend rechtfertigte:



Woher der wohl wusste, dass ich twittere? Und dann noch schnell ein Nachtrag zu einem Thema der letzten Woche? Ihr erinnert Euch? Kaliumiodid und so? Wie ich die Tage las, ist es wohl so gut wie beschlossen, dass NRW einen Vorrat anlegen und verteilen wird. Aber - zuerst muss das europaweit ausgeschrieben werden, wer den Auftrag bekommt. Hahahaha. Nicht. Ich lache hart und bin froh, dass ich darauf im Zweifelsfall nicht warten muss. Und Ihr müsst nun auch nicht länger warten, hier ist Eure

Statistik: 
Zahl der Woche: 50 
Irritation der Woche: Es macht bei Google tatsächlich einen Unterschied, ob man "Nudeln
 färben" oder "Nudel färben" eingibt. #Kopf auf Schreibtischplatte ( ©Ktacki auf Twitter) 
Stoßseufzer der Woche: Erdogan hat uns die Presse poliert. (©Cholli Brehm auf Twitter) 
Liebeserklärung der Woche: Ein Freund ist jemand, den man gut kennt
 und den man trotzdem mag. (©französisches Sprichwort )
Erkenntnis der Woche: Es ist übrigens eine der schwierigsten Sprachen, zwischen den 
Zeilen lesen zu können. Manche sprechen sie fließend, 
manche überhaupt nicht. (©Trixelinchen auf Twitter)  
Gruß der Woche: Werde mich erstmal hier oben einrichten.
 Sie hören dann von mir. ( ©TwitterAccount Margot Honecker) 
Cookie der Woche: Morgen hole ich mir auf dem Bürgeramt 
eine Ungelenkigkeitsbescheinigung
Charakterisierung der Woche: Manche Menschen werden noch während des Weltuntergangs die Ellenbogen auf die Zäune stützen und Sätze wie "Irgendwas ist immer" sagen. (©die Romanfigur Linda Franzen in Juli Zehs großartigem Roman Unterleuten ) 
Beschwerde der Woche: Zuviel Lärm und nichts. 

Allen ein schickes Wochenende 
Bedruckt keine Kissen, die ich nicht auch bedrucken würde. 

Wie immer gilt: 
Wer Tippfehler findet, kann sie behalten. 
weitere Links auf Nachfrage


Montag, 9. Mai 2016

Von Meta-Ebenen und Unterleuten

Bis vor kurzem wäre es mir undenkbar erschienen, ein Werk von Juli Zeh zu belobhudeln. Erschien mir ihr Werk bisher immer auf mit hervorgehobener Intellektualität verbundene Anerkennungssuche ausgerichtet und hinterließ den Eindruck nur mühsam unterdrückter Larmoyanz. Dann las ich im Buchjournal eins.2016 des deutschen Buchhandels ein Interview mit ihr, in dem sie ein inniges Bekenntnis zum Genre des Gesellschaftsromans abgab und sagte "Mit Unterleuten habe ich alles gegeben, was ich konnte, um einen Gesellschaftsroman für unsere Zeit zu schaffen."

Auch wenn man in Juli Zehs öffentlichen Äußerungen bis dato meinte, einen mokant herablassenden Ton herauszuhören, so eine vollmundige Ankündigung - demütig und selbstbewusst zugleich - machte neugierig. Das interessierte dann doch brennend, wie das denn wohl so aussieht, wenn eine derart hochgelobte, hochdekorierte Autorin wie Juli Zeh ihr ganzes Können in die Waagschale wirft. Zumal auch mein Lieblingsgenre das des so oft zu Unrecht belächelten Gesellschaftsromans ist. Ich wagte mich also an gleich 634 Seiten Juli Zeh und um das Fazit vorwegzunehmen: Juli Zeh hat das Genre zwar nicht neu erfunden, aber sie hat es neu belebt. "Unterleuten" ist ein großartiger Gesellschaftsroman, einen besseren hat es in Deutschland lange nicht gegeben.

Ich habe mich dem Werk mit Respekt genähert und mich bemüht, für diese Rezension ebenfalls alles zu geben. Als "Goodie" gibt es obendrauf noch die Geschichte hinter der Geschichte - investigativ recherchiert, wo ich schon einmal dabei war - , also die auf den ersten Bluick nicht erkennbaren Meta-Ebenen, die um "Unterleuten" herum gebaut wurden.

Viel Spaß mit der Rezension von Unterleuten in der Literaturzeitschrift. 
 !

Lärm - ist nicht gleich Lärm

Geht Euch das auch so? Irgendwie werde ich immer lärmempfindlicher. Es gibt Arten von Lärm, die mich nachgerade aggressiv machen, kurz vor Eskalationsstufe Rot! Aber ich stelle fest: Lärm ist nicht gleich Lärm und meine wachsende Aggressivität der akustischen Belästigung gegenüber hat nichts mit Intoleranz zu tun. Bilde ich mir zumindest ein. Immerhin.

Beispiel. Ich sitze hier gerade am Schreibtisch, Fenster weit geöffnet. In Hörweite ist eine Kita, eine große Kita mit 100 Kindern. Natürlich sind die Ulligen bei diesem feinen Wetterken alle draußen und es ist laut. Ich höre Lachen, Rufen, auch mal Schreien, Juchzen - und es stört mich kein Stück. Das ist Leben, das ist Glück, das ist Unbekümmertheit - alles gut. Gestern nachmittag hingegen saß ich auf der Terrasse und ich hörte ebenfalls Kinderlärm. Drei Blagen in Hörweite tobten durch ihren Garten und durch den Miniwald hinter unserem Haus. Die Blagen kreischten, was das Organ hergab - sichtlich bemüht, die Aufmerksamkeit ihrer mit Bierflaschen beschäftigten Eltern zu erhaschen. Immer schriller, immer lauter, es endete in einer unflätigen Beschimpfung der Blagen untereinander - hier nicht zitierfähig, ohne auf FSK18 umzustellen. Der Jüngste reagierte seinen Frust schließlich damit ab, dass er mit einer Eisenstange Äste von einem Baum abschlug - das war Lärm, der mich ungemein aggressiv machte.

Oder: Uns gegenüber wohnt jetzt ein junges Paar mit hoher Affinität zur Hardrock-Metalcore Szene, die junge Frau kenne ich seit Krabbelgruppenzeiten. Gerne wird drüben mal (so alle 3 Monate einmal) gefeiert, man hört die halbe Nacht Musik und Lachen, teilweise kann ich die Stimmen sogar zuordnen. Stört mich ebenfalls kein Stück, kann ich bestens bei schlafen, sogar das Fenster bleibt weit geöffnet - frei nach dem Motto böse Menschen kennen keine Lieder, weiß ich ja, dass drüben nichts Böses passiert. Aber wenn dann der selbsternannte Blockwart der Whisteria Lane die Polizei ruft und laut auf der Straße herumschaffuttert, dass man ja bei diesem Lärm und so weiter und so fort - dann stehe ich senkrecht im Bett und fühle mich massiv gestört.

Leider nimmt der ungute Lärm immer mehr zu, just gerade mischt in das Kita-Gelärme das Geschreie der Nachbarn zur Linken, die mal wieder was auch immer man weiß es nicht so genau.... Und mein entspanntes Tippen, während ich den Kita-Kindern lausche, wandelt sich so langsam zu wütendem in die Tasten kloppen.....  Ihr kennt sicher auch unzählige Beispiele.  

Samstag, 7. Mai 2016

Serientipp der Woche - Borgen oder was Macht mit Menschen macht

Machtkämpfe, Medienkritik, Intrigen, Politdrama, dazu noch ein paar persönliche Schicksale – das ist Borgen. Borgen ist nicht nur der Name des Volksmundes für den dänischen Regierungssitz Christiansborg, sondern auch der Titel einer europaweit gefeierten Fernsehserie
Borgen hat durchaus auch in Deutschland eine eingeschworene, wenn auch kleine Fangemeinde. Arte, die ARD und der WDR haben die erste Staffel bereits gesendet oder sollte man (aufgrund undankbarster Sendetermine) besser sagen, versendet? Aber das Thema der Sendezeiten von Serien mit intellektuellem Anspruch steht auf einem anderen, schon oft beschriebenem Blatt. In den letzten Wochen wurde die erste Staffel im späten Abendprogramm des WDR wiederholt und auf besondere, eindringliche Empfehlung der politischen Nachwuchshoffnung in unserem Hause haben wir es geschaut. Mit wachsender Begeisterung, mit wachsender Empathie, mit kaum zu bändigender Neugierde. Großartige Serie.
Im Mittelpunkt der Serie steht die Figur der Birgitte Nyborg. Birgitte ist Chefin der dänischen „Moderaten“, einer fiktiven sozialliberalen Partei. Überraschend wird sie nach den Parlamentswahlen zur ersten Premierministerin Dänemarks, muß Koalitionen eingehen und eine Regierung bilden. Schnell merkt die bis zu ihrer Wahl noch recht idealistisch agierende Politikerin, dass man an der Spitze der Macht mit Ideologie nicht weit kommt, man Prinzipien loslassen und Kompromisse eingehen muss. Doch was wird die Macht mit Birgitte machen?
Das furiose, aufrüttelnde Finale der ersten Staffel – es lief am Mittwoch und beschäftigt mich bis heute – zeigt eine Birgitte Nyborg am Ende. Eigentlich hat sie nur das getan, was getan werden musste – doch welchen Preis hat sie dafür bezahlt? Ihre politischen Weggefährten hat sie opfern müssen, ihre Freunde – hatte sie je welche? – sind nicht mehr existent und ihre Familie ist zerbrochen. Ehemann Philipp konnte sich mit der Rolle des Hausmanns nicht arrangieren, zumal Birgitte mit ihm nicht anders umging als mit dem Leiter der Staatskanzlei.Schonungslos und nachdrücklich zeigt die erste Staffel die bestürzende Entwicklung Birgittes von der sympathischen, charismatischen Politikerin zur einsamen, machtbesessenen Premierministerin. „Opfere alles für Deine Familie – außer der Macht“ – so ist einer der Trailer betitelt, die für die Serie werben – und das trifft es gut.
Ergänzender Gegenpart zum reinen Politikgeschehen ist die Medienwelt. Hier agieren die beiden weiteren Hauptfiguren, die aufstrebende Nachwuchsjournalistin Katrine Fonsmark und Kasper Juul, Spin Doctor der Premierministierin. Auch Katrine ist idealistisch, sie will nicht bloß Nachrichten moderieren, sondern sie am besten gleich komplett selber machen. Kasper hingegen hat keine Probleme damit, seine Ideale und Überzeugungen zu verraten, so er denn überhaupt je welche hatte. Er kann jede Art von Politik verkaufen und ist stolz darauf.
Beider Leben besteht vor allem aus Karrierestreben, gelegentlich bleibt Raum für eine gegenseitige Anziehungskraft, die bei der Beerdigung von Kaspers Vater zu einer der stärksten Szenen in der ersten Staffel führt. Auch bei diesen beiden Protagonisten steht die Macht im Mittelpunkt, sie verstehen die Medien als politisches Kontrollinstrument, agieren dabei kompromiss- und rücksichtslos und machen so die Serie ganz nebenbei noch zu einem Lehrstück in politischer Rhetorik.
Die spannendsten Szenen sind immer die, in denen klar wird, wer von welcher Überzeugung geleitet wird und welche Umstände eintreten müssen, damit sie sich von diesen Überzeugungen abwenden. Die Serie legt ein hohes Tempo vor, nichts mehr mit dem berühmten dänischen „hyggelig“ (gemütlich), die Handlung ist trotz aller auserzählten Szenen rasant, die Dialoge knapp und messerscharf, die Schauspieler ohne jede Ausnahme auf sehr hohem Niveau.
Endlich mal eine politische Serie, bei der man sich nicht an ferne Schaltzentralen sogenannter Supermächte gewöhnen muss, sondern die den Zuschauer mitten in einen europäischen Regierungssitz führt. Die Serie ist nicht zuletzt auch deshalb für den deutschen Zuschauer so interessant, weil Dänemark kulturell und politisch ähnlich wie Deutschland organisiert ist und die Themen der dargestellten Tagespolitik uns nicht fern liegen. Ob jetzt ein Autobahnbau in Ringkobing oder Münster diskutiert wird, ist für die Problematik an sich eher zweitrangig. Um Koalitionsgeschacher, Zuwanderung, Renten, Afghanistan, Steuern geht es auch hier. Dazu kommt natürlich das Thema Frauenquote und ganz allgemein Frauen in der Politik und Karriere.
Erstveröffentlichung dieser Kritik am 23.08.2013 in den Revierpassagen.de
Nachtrag: Der innovationsfreudige Sender DR1 bleibt (leider) auch bei Borgen seiner Devise treu: Nie mehr als 3 Staffeln einer Serie. Alle drei Staffeln habe ich mit großer, nie nachlassender Begeisterung gesehen. Uneingeschränkte Empfehlung ! 
Zu sehen ist Borgen derzeit leider nur auf DvD, aber Arte wird es sicher bei Gelegenheit wiederholen. In allen Ländern Europas lief Borgen übrigens mit großem Erfolg zur Primetime, nur in D musste man gut suchen, dass man es im Spartenprogramm zu unchristlicher Zeit zu sehen bekam. Wie es immer so ist : Die hierzulande Verantwortlichen halten den Zuschauer für blöder als er ist. 

Freitag, 6. Mai 2016

T.G.i.F. - strahlend schön

Tach auch Liebeleins. So einen Feiertach muss man sich auch erstmal leisten können. Nervlich, aber auch zeitlich. Den ganzen Morgen bin ich schon auf der Suche nach der verlorenen Zeit von Belang und überhole mich quasi selbst. Aber jetzt - jetzt seid Ihr dran. Man muss halt seine Prioritäten setzen. 

Und? Alle schön gegrillt, den Astralkörper inne Sonne und die Kawensmänner auffem Grill? Oder wart Ihr etwa bollerwägerig unterwegens? Hier zumindest keiner. Diese vonne florale Industrie ersonnenen Feiertage werden im Palais geflissentlich ignoriert. Zur großen Erleichterung der großen Kinder. Vor allem dieser Muttertach. Sagte ich dieses Jahr schon, dass mir solche Nazi-Traditionen nicht innen Sonntach kommen?

Wie auch immer - wir waren dann gestern mal auf Fahrradfahrt statt Himmelfahrt. So war zumindest der Plan. Aber der Fehler lag wie so oft im eigentlich. Der angeblich so einfache Mocca-Träger mutierte in kurzer Zeit zum Bastelspaß für die vereinigte Vaterschaft der Whisteria Lane und so reichte es für uns nur zu einem Rundkurs am Datteln-Wesel-Kanal. Aber ganz hübsch dort. Und vor allem recht leer. Ist halt nicht jedermanns Sache, wenn Idylle immer mal wieder jäh unterbrochen wird. Tjanun. Ruhrpott eben.


Von einer anderen Idylle ist noch zu berichten. Nachdem Montag ein berüchtigter Stadtteil beschloss, sich selbst zu helfen und notdürftig als Baustelle getarnte P-Zäune mit zugehörigem Krach Lärm errichtete, freute ich mich über eine ganz prima Einladung zum TwitterKaffee in echt. 


Ja, so ungefähr darf man sich das vorstellen, wenn man bei Twitterern zum Kaffee eingeladen wird. Man achte auf das, was auf dem Teller liegt! Wir haben es dann aber doch nicht gebraucht, so immeramWasser, wie wir da waren. 

War sonst noch was? In der großen weiten Welt bestimmt. Aber für die hab ich heute mal sowas von gar keine Zeit. Nur eins will ich noch berichten, verbunden mit dem Zaunpfahl, es mir vielleicht nachzumachen. Ihr könnt mich jetzt hysterisch nennen, aber mich beruhigt es. Ich war vorhin auf der Erledigungsrunde in der Apotheke und habe hochdosiertes Kaliumiodid gekauft. So. Ich traue weder diesen maroden belgischen Meilern noch dem deutschen Katastrophenschutz und wenn diese Dinger in Belgien hochgehen, dann sind zumindest wir in NRW überall im zweiten Kreis. 

Und bis die das hier mal verteilt haben - wenn es denn überhaupt für alle reicht. Nee, da hab ich es lieber bei mir für die paar Öcken fuffzich. Für auch weiter strahlend schöne Feiertage. Ja, ich bin da 80er Jahre geschädigt, aber nach dem 30sten Jahrestag von Tschernobyl* fiel mir die damalige Empfehlung und Selbstverständlichkeit wieder ein, dieses Zeug bei sich zu haben und ich habe es schließlich ja auch nehmen müssen, nachdem ich die Tschernobyl-Nacht damals im Zelt bei strömendem Regen am Ijsselmeer verbrachte und ausgerechnet in Lelystad der höchste radioaktive Niederschlag in Europa außerhalb des ersten Kreises gemessen wurde. So, jetzt aber Schluss mit unken, jetzt kommt Eure

Statistik
Maßeinheit der Woche: "Wie müde sind Sie auf einer Skala von 1 bis 10?"
-"Dornröschen". (©Trixelinchen auf Twitter) 
Erkenntnis der Woche. Es gibt Tage, die lächelt man sich schön
und es gibt Tage. (©Ethniesoph auf Twitter)  
Rezept der Woche: Schwiegermuttersalat 
(©erfunden von KTacki - und zwar nicht auf Twitter, sondern ganz real )  
Beobachtung der Woche: Morgens, wenn das Leben wieder Fräulein 
Rottenmeier ist, nachdem es den Abend zuvor noch mit lautem Lachen 
Menschen in Champagner ertränkte. (©BamboKrause auf Twitter) 
Roman der Woche: Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen 
Träumen erwachte, rief er zunächst Twitter auf und 
betrachtete ein lustiges Katzenvideo. (Zwiebelzwist auf Twitter) 
Resignation der Woche: Es bringt nix das schärfste Messer in der 
Schublade zu sein, wenn es Joghurt gibt. (©Schaukelwurst auf Twitter)  
Gastgeschenk der Woche: Es bloggt wieder. Hoffentlich bald auch
wieder mehr: Der Serientipp von Spieler7 hier auf dieser Spielwiese: 
Cookie der Woche: Ich habe hier Filet. Wie so ne Kanzlerin.

Allen ein schickes Wochenende
Unternehmt keine Himmelfahrt, die ich nicht auch unternehmen würde.

Wie immer gilt. Wer Tippfehler findet, darf sie behalten. 
Weitere Links gerne auf Nachfrage.

* für die Jüngeren unter uns, die vielleicht nicht wissen, wovon ich da rede: Die (rechtzeitige) Einnahme von Kaliumiodid vor Eintreffen einer radioaktiven Wolke erzeugt eine sogenannte Jodblockade, die bewirkt, dass radioaktives Jod vom Körper nicht mehr aufgenommen werden kann. Der richtige Zeitpunkt wird im Katastrophenfall per Radio durchgegeben ( hab ich damals zumindest so gelernt ) und ansonsten verweise ich ohne Gewähr auf den Wikipedia Artikel.

Donnerstag, 5. Mai 2016

Und noch ein Serientipp der Woche: Twin Peaks - Die Eulen sind nicht, was sie scheinen

Ein Gastbeitrag von meinem guten Freund Spieler7 



Twin Peaks heißt die (für mich) beste TV-Serie aller Zeiten, die zu Beginn der 90er Jahre weltweit die Menschen faszinierte und in ihren Bann zog. Urheber der Serie sind Regisseur David Lynch und Autor Mark Frost. In 30 Episoden erzählen sie vom Leben in einer amerikanischen Kleinstadt, die nur oberflächlich betrachtet normal ist. Viele der Einwohner haben dunkle Geheimnisse und hinter den Kulissen lauert das Böse.


Der Inhalt: Am Ufer eines Sees in Twin Peaks wird - eingehüllt in Plastikfolie - der Leichnam der High School Schülerin und homecoming queen Laura Palmer entdeckt. Der zur Klärung des Mordes herbei gerufene FBI Angent Dale Cooper (Kyle MacLachlan) muss bald feststellen, dass das allseits beliebte all american girl Laura auch eine dunkle Seite hatte und gefangen war in einem Strudel aus Sex, Drogen und Gewalt. Agent Cooper stößt im Laufe seiner Ermittlungen auf Abgründe, die nicht nur sein Leben, sondern auch seine Seele bedrohen werden.


Eine umfassende Inhaltsangabe zu der Serie ist nicht möglich, zu komplex sind die Handlungsstränge, zu vielfältig die Nebenhandlungen. Gründe für die Faszination und die Einzigartigkeit von Twin Peaks mag es viele geben, mir fallen spontan vier ein:


Die Protagonisten


Die Schauspieler agieren mit einer ungeheuren Intensität, die Rollen sind sehr tiefgründig, so dass der Zuschauer mit den Figuren mitfühlt, es gibt sehr Gute, sehr Böse und jede Menge dazwischen.


Die Bilder


Wie bei eigentlich allen Werken von David Lynch ziehen einen die Bilder in ihren Bann. Der Unterschied zwischen der sauberen, idyllischen Kleinstadt am Tag und der dunklen, brutalen Seite bei Nacht. Dazu Traumsequenzen und Visionen mit einer hypnotischen Atmosphäre. Gewalt kommt eher selten vor, aber wenn, dann geht die Darstellung an die Grenzen des damals im TV Möglichen.


Die skurillen Einfälle


Die Liste ist fast endlos: Ein Fisch in der Kaffeemaschine, rückwärtssprechende Riesen und Zwerge, ein weißes Pferd an der Zimmerdecke, der wohl älteste und langsamste Zimmerjunge der Welt, ein Vogel, der erschossen wird, weil er zu viel redet, ein tauber und deswegen laut schreiender FBI-Chef (David Lynch), ein pazifistischer und unglaublich unhöflicher Forensik-Experte etc.


Die Musik

Betörend und hypnotisch, tieftraurig und zugleich wunderschön: Komponiert von Angelo Badalamenti und David Lynch, dazu die magische Stimme von Julee Cruise, eine einzigartig faszinierende Mischung.


Sie enthält neben allen TV-Folgen auch den oft unterschätzten Spielfilm „Fire walk with me“, der später als Prequel zur Serie gedreht wurde. Eine kompetente Rezension zu der außergewöhnlichen BD-Box gibt es selbstredend auch.

Vor zwei Jahren gab es dann für alle Fans sensationelle Neuigkeiten: Twin Peaks wird nach 25 Jahren fortgesetzt, es wird mindestens eine 3. Staffel geben. Inzwischen sind die Dreharbeiten abgeschlossen und die TV-Ausstrahlung ist für 2017 geplant. Neben David Lynch und Mark Frost sind auch etliche Darsteller von damals mit dabei, ich bin mehr als gespannt!

©Text von derSpieler7

Anmerkungen der Bloginhaberin:
1. Dem Spieler7, Autor dieses formidablen Gastbeitrags könnt Ihr folgen:
Auf GooglePlus und auf Twitter
( und ganz bestimmt auch ganz bald wieder auf einem eigenen Blog, ich werde unverzüglich Bescheid geben.
2. Ja, auch Kyle McLachlan wird bei der Fortsetzung dabei sein..... ( dies noch als kleiner Service für die Damenwelt.... Das Auge isst schließlich mit )
3. vielen lieben Dank. Ich hab mich sehr gefreut.

Mittwoch, 4. Mai 2016

Mad Men - das abgedrehteste Serienfinale aller Zeiten

Achtung Spoiler !
( Wildschöne Freundinnen und andere klicken bitte weg )

Hallelujah. Ooom (mani padme hum) Das war sie, die letzte Einstellung mit einem der charmantesten, skrupellosesten, zerrissensten Serienhelden, die das serielle Erzählen uns je beschert hat. So glücklich wie in der letzten Einstellung hat man den schönen Don nie gesehen - und das, obwohl er noch kurz zuvor so tief zerstört am Boden war wie kaum jemals. Nicht einmal, nachdem Megans verrückte Mutter ihm die Bude leer geräumt hatte und mit seinem Blutsbruder Roger durchbrannte. Er durchlebte im Eiltempo eine im Wortsinne kühlschrankkalte Katharsis - die ihm ausgerechnet einer jener "Jemande" , auf die er immer herabgeblickt hatte, bescherte.

Und dieses Lächeln, so tief beseelt. Es bleibt der Phantasie des einzelnen Zuschauers überlassen, dieses Lächeln zu deuten, welcher Art Erleuchtung ihn da gerade überkam. Ich glaube sicher, es ist kein Lächeln höherer Erleuchtung, es ist einfach eine Eingebung. Sein "Ziehkind" Peggy Olsen wird zu ihm durchgedrungen sein mit ihrem gehauchten "CocaCola" und der Verheißung, er könne immer noch willkommen sein  - wenn schon seine Tochter und seine Ex-Frau ihm ziemlich unmißverständlich klargemacht haben, dass ihn keiner braucht und keiner vermisst. Eine Eingebung, die ihm und seinem Land ein Stück Kulturgeschichte bescheren wird. Wobei man trefflich darüber streiten könnte, ob einer der erfolgreichsten Werbespots der Welt wirklich ein Stück Kulturgeschichte sind. Aber daran hat Don Draper nie gezweifelt, wenn auch an sonst so ziemlich allem.

Dnn bei allem, was sonst noch an Mad Men, dem nun 92 Folgen langen Epos über die verrückten Männer von der Madison Avenue ( daher eigentlich der Titel, aber verrückt waren sie ja doch alle auch ) lockte - die Detailbesessenheit, die historische Genauigkeit, die genau gezeichneten Charaktere, die selten auserzählten Geschichten, deren Ausgang immer der Phantasie des Zuschauers überlassen blieb - all das, wofür man die Serie lobte, wofür sie Maßstäbe setzte, an denen andere Serien kläglich scheiterten - all das war Mad Men auch. Aber es war auch immer eine Serie, die ihren Charakteren und ihren Zuschauern die Frage stellte  "Was wollt Ihr vom Leben" "Was dürft Ihr, damit Ihr mit Eurem Leben glücklich seid"? Die Antwort war oft genug schlicht "alles" und so verrückte die Serie Maßstäbe in Mengen. Als Zuschauer hatte man sich an die Erzählweise der losen Enden gewöhnt, nicht immer fand man es gut.

Schauen wir uns die einzelnen Enden an, die meisten waren doch befriedigend. Allen voran die der beiden Frauenfiguren der Serie. Peggy Olsen wird sich im Haifischbecken der großen Agentur beweisen, der Spirit ihres Besäufnisses mit Roger Sterling möge sie tragen. Die Liebe hat sie auch noch entdeckt, gefunden hatte sie sie ja schon lange. Joan, die seit Ewigkeiten weiblichste, vor Sex und Charme sprühende Serienfigur, bleibt wie sie ist und bekennt sich zudem  zu ihrer Business-Frau-Mentalität, einen Mann braucht sie dafür nicht. Auch wenn sie meint, dass zwei Namen klangvoller sind für ihr neu gegründetes Business - dann nimmt sie eben ihre eigenen Namen. Glückauf für Holloway-Harris. Gute Idee.

Roger? Nunja, ich hätte es ja lieber gesehen, er wäre im ewigen AmourFou mit Joan geblieben, aber sein Abgang als römische Statue im Brokatüberwurf des Luxushotel-Betts - war seiner würdig. Gut hingegen gefiel mir das Ende von Bert Cooper. Als tanzender, Jack Kerouac zitierender Untoter, der den ihm im Leben einst Anvertrauten Wahrheiten einflüstert. So genial. Von Megan wissen wir nicht viel, aber seien wir ehrlich - sie passte nie zu Don. Die Chemie passte nicht nicht, möge sie einen reichen Mann finden und gut iss. A propos reicher Mann. Das Ende der Srienfigur Pete Campbell - hahahaha. So gut, so unfassbar gut. Die Figur, die als sich um Sympathien bemühender Unsympath geschrieben wurde und die die wenigsten Zuschauer gemocht haben, sie bekommt das glamouröseste Ende. So typisch Mad Men. Provokant mal eben die Wahrheit raus hauend. Seht her, der reiche weiße arrogante Mann - er wird siegen. Aber gut - er macht wenigstens was draus und versöhnt sich mit Frau und Tochter. Ich konnte nicht umhin, es ihm zu gönnen. Selbst die Sekretärinnen bekamen ihren Abschieds-Handschlag, der gebeutelte Ken wird es richten (müssen)..

Und Dons Familie? Nachdrücklich in Erinnerung bleiben wird die Figur der Sally, von ihrer Darstellerin, der 16 jahre jungen Kiernan Shipka wird sicher noch einiges zu sehen sein. Bettys letzte Einstellung - so typisch für sie. Aber sie trägt wie immer alles mit Würde und in Schönheit. Ihre Tochter und sie haben sich miteinander ausgesöhnt, einen Weg gefunden. Ihr letztes Telefonat mit Don - bittersüß wie vieles in ihrer Geschichte.            

Und Don? Zu seinem Ende ist eingangs bereits fast alles gesagt. Interpretieren wir es so: Don Draper hatte die Idee für den Love-And Peace-for-everyone-Coca-Cola Werbespot und er wird wieder das tun, was er immer am liebsten tat.  Ganz einfach. Sein Selbstfindungstrip wird ihm dazu gedient haben, dass seine von ihm selbst erfundene Identität doch eine gute ist und er das liebt, was er damit tut.

Auch wenn Mad Men wohl eher nicht die Serie ist, die man zweimal guckt, danke für 92 stunden beste fesselnde Unterhaltung. Ich habe gerne die 60er und zum Schluß auch die frühen Siebziger mit Euch durchlebt. Damals war ich ja noch zu klein dafür.