Sonntag, 27. November 2016

Serientipps der Woche:

 ganz up to date heute nur mit Updates:

Ja, diese Rubrik hat lange geschwiegen. Was nicht daran lag, dass wir plötzlich keine Serien mehr geguckt haben. Sondern eher daran, dass wir die zweite Jahreshälfte zunächst mit neuen Staffeln bereits vorgestellter Serien begonnen haben. Als da wären:

die zweite Staffel Bosch (Amazon Original):

nicht besser und nicht schlechter als die erste. Vielleicht einen kleinen Tacken besser, weil man sich an die kauzige Serienfigur des Hieronymus Harry Bosch schon gewöhnt hat. Der Ort der Ermittlungen erweitert sich um eins. Las Vegas kam dazu und richtig, der Thriller sucht sein Motiv im Casino Milieu. Die Story ist schlüssig, hat sehr wenig Längen und die Darsteller agieren durchweg professionell und glaubwürdig.

Empfehlung: Muss man nicht zwingend gesehen haben, kann man aber sehr gut sehen, um trübe Herbstnachmittage spannender zu gestalten.

die zweite Staffel Narcos (Netflix Original) 

hat Längen. Ist aber trotzdem gut zu schauen. Vor allem natürlich wegen Darstellern wie Wagner Maura und Pedro Pascal. Richtig witzig dabei waren vor allem die Tweets, die sich über Spoiler erregten, die von Escobars Tod berichteten. Zu schön. Narcos wird wohl auch weitergehen, fragt sich nur wie. Nun, da die Serie an Pablo Escobars Ende angekommen ist,

Empfehlung: Doch, doch. Sollte man gesehen haben. Die Serie fällt einfach so aus dem Rahmen und ist zugleich informativ und unterhaltsam, dass ich sie einfach als ein Muss empfinde.

die zweite Staffel Bloodline (Netflix Original) 

Ja, Ben Mendelssohns Präsenz der ersten Staffel fehlt. Flashbacks sind da kein ganz adäquater Ersatz. Chloe Sevigny fehlt mir ebenfalls schmerzlich. Die Handlung hat Längen und ist manchmal sehr weit hergeholt. Die Staffel endet mit einem der übelsten Chliffhanger aller Zeiten. Staffel 3 ist erst für Mai 2017 angekündigt. Verdammt lang hin.  Aber ich werde sie vor Staffelstart 3 noch einmal sehen. Diesmal gemeinsam mit dem Ruhebewahrer. Der muss die Serie ganz unbedingt auch sehen.

Daher keine überraschende Empfehlung: Prädikat unbedingt empfehlenswert.  Ungelogen- noch nach Monaten denke ich immer noch über die Serie nach. Selten eine so intelligente Serie gesehen, die so in die Tiefe geht und - kleine Triggerwarnung - so an Tiefen rührt, die man eigentlich für vergraben hält.

die vierte Staffel House of Cards (Netflix Original ) 

ist besser als die dritte und nicht so gut wie die erste. Aber gut gemachte Unterhaltung und vor allem Robin Wright als Claire Underwood brilliert durchaus. Vor allem in der Interaktion mit dem Schriftsteller Tom Yates.  House of Cards ist ja fast schon Bildungskanon. Was für ein überholter, hat sich allerdings am 9. November gezeigt. Gegen den Trumpel wirkt Frank Underwood wie ein Waisenkind.

Trotzdem Empfehlung: Gucken. Kevin Spacey ist eben toll. Und der Rest des Cast auch.

Die Brücke, Staffel 3 ( ZDF, im streaming bei netflix ) 

Hach. Ach. Saga Norén. Was für eine großartige Serienfigur. Und so großartig gespielt von der Schwedin Sofia Helin. Also, wenn wir jemals ein Boot bekommen und es nach mir geht, dann würde ich das Boot so nennen. #Ausgründen sozusagen. Jedenfalls war ich skeptisch, bevor wir Staffel 3 geschaut haben. Bekam Saga doch einen neuen dänischen Partner. Und eigentlich war man ja immer auf und an der Seite von Martin Rohde. Aber - der Neue (großartig gespielt von Thore Lindhardt) ist noch besser. Und die Chemie zwischen den beiden schwierigen Charakteren stimmt um ein Wesentliches mehr. Der eigentliche Plot ist verwirrend, düster und beklemmend wie gewohnt. Aber diesmal wird auch das Leben der beiden Hauptakteure mit eingebunden. Etwas, was mich für gewöhnlich stört. Hier aber genauso genial beiläufig eingebunden wie die Geschichten anderer Beteiligter und für eine ganz neue Tonlage in der Brücke sorgend, die - man merkt es erst jetzt so richtig - in den vorhergehenden Staffeln echt gefehlt hat.

Empfehlung: Ganz unbedingt. Die dritte Staffel ist erstaunlicherweise die bisher beste der Reihe. Funktioniert auch ohne Kenntnis der vorherigen Staffeln. Aber auch diese absolut empfehlenswert.      
Und im Moment? na, Ihr wisst schon! Stars Hollow ! Gilmore Girls - a Year in the Life. Netflix Original.  Soviel kann ich spoilern: Ach, Hach. Ach. Freut Euch einfach drauf.

Ach - und noch eins. Sagt nicht, ich hätte es Euch vorenthalten. Herr Drachentöter, Aufmerksamkeit bitte!  Die Sissi machte wiederum mich darauf aufmerksam. Zeitgleich mit der Rückkehr der Lorelais kommt auch noch eine andere Serie zurück: The Affair. Staffel drei. Seit dieser Woche im amerikanischen TV und wochenweise mit einer neuen Folge bei Amazon Prime exclusiv. Ich werde aber wahrscheinlich erst schauen, wenn alles drin ist.

Freitag, 25. November 2016

T.G.i.F. - Stars Hollow und andere (Vor-)Freuden

Tach auch Liebeleins. Allet schick und schön soweit? Sonnenschein allüberall? Hier jedenfalls ist das Wetter prima, kalt zwar. Aber dagegen kann man sich ja anziehen. Oder sich warme Gedanken machen. Ist mir jedenfalls lieber als dieses feuchtwarme Niesel-Drecks-Wetter der letzten Wochen.

Und? Alle den Ge-Trump-el Schock überwunden? Nee? Ich auch nicht. Je mehr Zeit ins Land geht, desto wütender werde ich. In Gefühlsunion mit Resignation. Letzeres vor allem auch, weil es einfach unfassbar ist, wie bräsig nichtsmerkende Politiker hierzulande weitermachen. Da wird mal eben der neue Grüßaugust am grünen Tisch ausgekungelt. Nix mit eine Wahl haben. Und so weiter und so fort. Und in Amerika sitzt bald ein Wahnsinniger am roten Knopf. Um es mit Frau Jahnke zu sagen: Da gibbet nix zu beschönigen. Ett ist Scheiße und et bleibt Scheiße. Und es wird noch viel scheißiger werden. Hört auf meine Worte. Wie auch immer. Ziehe ich meine ganz eigene, ganz persönliche, ganz egoistische Konsequenz und konzentriere mich auf mein Leben. Und die schönen Momente darin. Die Nerven, hier politisch zu werden, muss ich mir erstmal wieder erarbeiten. Tjanun.

Hier war einiges los. Wir waren nicht in New York, ich berichtete. Hätte man wissen können, dass mit New York im Moment nichts zu reißen ist, s.oben.  Am Wochenende davor waren wir mit Freunden in Emmerich, Vattern und Vatter Rhein besuchen. Natürlich wurde auch der Pommesäquator überquert und das äußerst erfolgreich. Nicht nur shoppingtechnisch. Wir entdeckten auch noch den bislang unbekannten Bruder von Asterix und Obelix und durften aufatmend feststellen, noch hat der political-correctness-Wahn die beste Stadt der Welt nicht völlig im Griff. De zwarte Piet lebt. Doppelt und dreifach.




           
Stammtisch hatten wir, ganz nett und unspektakulär. So wie es sein soll. Sowie Mädels-Treff der alten Bronx-Besetzung. Auch da, wie es sein soll, nett und unspektakulär. Und im Kino waren wir. In Radio Heimat. Und fanden es richtig, richtig gut. Wir haben gelacht, wie waren gerührt und datt Blach hat gelernt, watt Klammerblues ist. Mehr kann man von einem Abend doch nicht verlangen! Heimat ist eben doch eine Lösung. Hier bei uns innem Pott auf jeden Fall. (Kritik kommt noch in den Revierpassagen )

Die Aussichten sind ebenfalls gut. Sehr gut. Längerfristig und kurzfristig. Langfristig haben wir die Boote klargemacht für 2017. Wenn der Urlaubsplan schon mal so früh steht. Jedenfalls heißt es wieder Leinen los, Limanda. Zwei volle Wochen. Und im Mai gibt es noch ein Tussendoortje auf dem Wasser. Als Familienausflug. Mit vorfreudigem Schwager und skeptischer Schwägerin. Wird spannend. Kurzfristig freuen wir uns auf das Weihnachtskonzert en famille. Traditionen wollen ja gewahrt sein. Dieses Jahr dürfen Bastille in die Fußstapfen von DTH treten  Freue ich mich total drauf.

Meine Begeisterung für deren Musik hat sich trotz Hörens in Dauerschleife noch nicht gelegt, ganz im Gegenteil. Irgendwie ist es das erste Mal seit Ewigkeiten, dass ich eine neue Band richtig, richtig großartig finde. Je länger ich das höre, desto mehr habe ich das Gefühl, dass Bastille die logische Weiterentwicklung der Musik machen, die ich immer gemocht habe und die ich mangels anderer Ideen mal unter dem Genre "Alternative" zusammenfasse. Zumindest kategorisiert Amazon alles, was ich mir in die Musikbibliothek runterlade, so. Eigentlich wolle ich ein Video verlinken, aber ich kann mich nicht für eines entscheiden, Stöbert halt selbst mal. Und für den Herrn Spieler: Es gibt sogar ein Lied über Laura Palmer von Bastille! Die sind nämlich erklärte Twin Peaks Fans!

Und worauf ich mich noch freue wie verrückt? Today ist the day. Heute abend werden wir die Rückkehr nach Stars Hollow zelebrieren. Gilmore Girls - a year in the life ist seit heute morgen online. Und ich olle Spoiler-Tante muss mich extremst beherrschen, um mir nicht die letzten fünf Minuten der aller, allerletzten Folge der neuen Staffel anzusehen, um endlich zu wissen, wie der berühmte bisher nicht gesagte Satz lautet. Aber keine Sorge, liebe Sissi und andere. Ich werde niemanden spoilern. Versprochen. Ich halt die Klappe. Von anderen Serien-Fortsetzungen hingegen werde ich noch berichten. Wir haben einige Folgestaffeln durch. Update ist in Arbeit. Doch vorher eure wie immer up to date seiende

Statistik: 

Vorfreude der Woche: Where you lead I will follow. ( ja, ich weiß. Ich nerve.
 Aber ich freu, freu, freu mich so darauf heute abend ) 
Beobachtung der Woche: Es wird Winter. Der Nordeuropäer zieht sich 
ins Internet zurück. (©dieMim auf Twitter) 
Stoßseufzer der Woche: Wenn man Karl den Käfer gefragt hätte, 
wäre die Welt besser (©Paul Fauser auf Twitter) 
Diskrepanz der Woche: Die Afd erklärt eine intakte Familie zum primären Lebensziel.
 Die Frage ist aber: Wie intakt ist eine Familie, in der jemand
 AfD wählt? (©die Heuteshow auf Twitter) 
Suchspiel der Woche: An die Follower, die südöstlich von mir wohnen: Eure Sachen
 liegen in meinem Garten. Ich fahr jetzt nordwestlich, um meine Sachen 
zu holen. (Rimi1812 auf Twitter) 
Bestätigung der Woche: "Wo warst Du, als der 1000ste Tatort gesendet wurde?"
 "Auf Netflix" (©Alf Frommer auf Twitter und ja, wir auch. ) 
Bedauern der Woche: Früher war alles besser. Sogar die "scheiss Musik" war besser. 
Wir hatten ja keine Helene. Unsere Helene war Marianne. (©PunkMetalOma auf Twitter) 
Wahrheit der Woche: The truth about elections: Candidates win. Voters don't 
(©der Twitter Account Frank Underwood) 
Erkenntnis der Woche: Erinnert sich jemand an Danny Glover und sein
 "ich bin zu alt für diesen Scheiß?" - So geht es mir immer öfter. (©derSpieler7 ) 

Allen ein schickes Wochenende. 
Spoilert nichts, was ich nicht auch spoilern würde. 

Wie immer gilt: Wer Tippfehler findet, kann sie behalten. 
Weitere Links auf Nachfrage 


Sonntag, 20. November 2016

Wären wir besser nicht noch niemals in New York gewesen

Was.War.Denn.Das? Eine Runde Ich war noch niemals in New York und ich hatte noch niemals Gesangsunterricht?*

Die Schockstarre lässt langsam nach, ganz langsam. Aber immerhin so schnell, dass ich darüber berichten kann. Die Twittergemeinde weiß ja schon Bescheid. Im Rahmen der "endlich werden alle Geburtststagsgeschenke eingelöst" Aktion waren am Freitag die liebe Trixelinchen, ihr Mann, der nie schreibt, der Ruhebewahrer und ich im Essener Colosseum zum Musicalbesuch. Zwei Jahre, nachdem ich auf einem der letzten Konzerte von Udo Jürgens war, wollten wir mal schauen, wie so die Lieder im Musical "ich war noch niemals in New York" weiterleben. Fazit: Der arme Udo muss sich wie ein Ventilator in seinem Grab drehen (©Trixe) .

Gut, wir wissen: Udo Jürgens hat das Musical noch gesehen und auch authorisiert. Das kann man vielleicht, mit viel gutem Willen noch nachvollziehen. Trotz ganz dünner Story, ganz mühsamem, an allerdünnsten Haaren herbeigezogenem Bezug zu den Liedern, trotz Plattwitzen aus der Abteilung Niveau ist aus. Aber gut: Udo Jürgens war zuallererst Entertainer im Wortsinne. Wenn einer wusste, was das Publikum will, dann war er das und er hat es ihm (auch) gegeben.  Aber er hat garantiert nicht die Besetzung gesehen, die man nun, da das Musical in diversen Städten nur zweumonatsweise gastiert, auf das Publikum los gelassen hat.

Die Aufführung war so schlecht, dass dagegen die Aufführungen der Literaturkurse der Jungs am Gymnasium im Nachhinein wie preiswürdige Festspiel-Beiträge wirken. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Vielleicht bei der grottigen Aussteuerung der Musik. Wobei wir oft genug froh darum waren, dass das Orchester unverdrossen die Sänger übertönte. Denn die waren alles - nur keine Sänger. (Bis auf die kleine Riege der Darsteller, welche die Schwule-Gemeinde verkörperten). Der Rest war Grauen. Ich persönlich weiß ja von mir, dass ich keine besonders gute Sängerin bin und aus diesem Grunde singe ich auch ausschließlich im Auto. Wenn ich alleine bin. Selbst bei den Geburtstagsständchen für Kollegen bin ich immer die, die nur ganz leise flüstert. Soll sich ja keiner beleidigt fühlen an seinem Ehrentag. Aber seit gestern überlege ich ernsthaft, das zu ändern. Wenn so etwas auf einer Bühne geboten werden darf, dann kann ich auch in Gesellschaft singen.

Es gab Mitwirkende, die haben keinen, ich wiederhole keinen Ton getroffen. Und die ließ man dann so wunderschöne Titel wie "wie könnt' ich von Dir gehe " oder das Titellied verhunzen. Bei der ersten derartigen Darbietung dachte ich noch, das gehöre auf irgendeine Art und Weise, die sich mir noch erschließen würde, zur Dramaturgie. Doch am Arsch die Waldfee. Die gemeinten Musicaldarsteller-Darsteller trällerten unverdrossen schmerzfrei weiter. Bei den meisten anderen war es Glückssache, ob vielleicht wenigstens ab und an zumindest der Refrain erkennbar war. Dass die Riege aber weit mehr als die Hälfte der Einsätze verpasste, war da auch schon egal, da man dauernd der Musik hinterher stolperte. A propos stolpern: das bißchen dargebotene Gehüpfe würde ich selbst in meinem hohen Alter noch besser hinkriegen. Aber ok, ich hatte ja auch lange Jahre Ballettunterricht. Einigermaßen erträglich war die Darbietung nur, wenn der ganze Chorus zusammen auf der Bühne war.

Ganz ehrlich - das war schlicht eine Unverschämtheit. Die Karten haben 76, in Worten sechsundsiebzig Öcken gekostet. Mit Rabatt wohlgemerkt. Zum Vegleich: Für das Udo Jürgens Konzert 2014 mit dem großartigen Pepe-Lienhard Orchester und sehr professionellen Gastsängern haben wir 39,90 bezahlt !! Und auch wenn wir das Konzert damals nicht als erklärte Fan-Girls, sondern eher aus nostalgischen Gründen besuchten, waren wir sehr beeindruckt von der 100igen Perfektion, die geboten wurde und die für Udo Jürgens so wichtig und typisch war. Perfektion gab es im Essener Colosseum auch - von den gut geschulten Angestellten der Locataion.

Die Aufführung n Essen war nicht nur eine Unverschämtheit, sondern auch eine Beleidigung eines künstlerischen Erbes. Warum trotzdem Teile des Publikum begeistert mitklatschten, können wir uns nur so erklären, dass wir die Pillenausgabe nicht gefunden haben.Ganz ehrlich? Dass das typische Musical-Publikum nicht den gleichen kulturellen Anspruch stellt wie vielleicht andere Theatergänger ist klar. Ist auch ok. Aber so etwas muss man trotzdem nicht aufbieten. Das ist schlicht und ergreifend respektlos, um nicht zu sagen Abzocke.  Wir werden jedenfalls nächste Tage erstmal noch die Udo-Jürgens-Doku gucken, die auf unserer Festplatte noch schlummert. Um den Liedern ihre Würde zurückzugeben. Und immerhin: Liebe ohne Leiden haben sie nicht verhunzt. Was aber daran lag, dass es nicht zum Repertoire gehörte

Stoßseufzer des Abends. Also ich weiß nicht warum, aber ich fand es 
echt nicht gut (© der Mann, der nie schreibt )
Antwort des Abends: Ich weiß warum. Weil es einfach nicht gut war. 
(©die Trixe und ich im "zwei Doofe, ein Gedanke Modus)
Trost des Abends: auch die schlechteste Veranstaltung wird mit den richtigen 
Menschen im Nachhinein noch sehr lustig. 

*getwittert vom Ruhebewahrer

Donnerstag, 10. November 2016

Der Tag von und der Tag nach "shock and awe"

"Guten Morgen, mein Kind. Es ist sechs Uhr, es hat geschneit und Donald Trump ist Präsident der USA. Such Dir aus, welche dieser Katastrophen für Dich die größte ist"

So reizend wurde gestern der Student im Palais geweckt. Von mir. Die ich bis zu diesem Zeitpunkt bereits die erste mentale Achterbahnfahrt des Tages hinter mir hatte. Kurz nach fünf ging mein Wecker - ausgerechnet am schicksalträchtigen 9. November, dem Tag, an dem historisch gesehen eher selten etwas Gutes geschah - war ein sehr frühes Morgenmeeting angesetzt. Gab mir die zweifelhafte Chance, "live" der nächsten 9.11. Wende beizuwohnen. Abends hatte ich noch getwittert:


aber ich hatte schon so ein komisches Gefühl. Allerdings eher so in die Richtung der Wahl Bush-Gore anno 2000.  Um fünf Uhr also erstmal Kaffee. Keine Katastrophenmeldung vor dem ersten Kaffee. Zur Sicherheit mit der Unterstützung Frank Underwoods.


Half aber auch nichts. Twitter auf: Florida ist noch nicht ausgezählt, aber Trump führt deutlich. Heilige Scheisse. Duschen, Anziehen. Kaffee 2.0., Twitter wieder auf: Done. Es ist passiert. Das, was keiner angeblich hat kommen sehen können. Es war fünf vor sechs und es stellte sich die Frage: Wie sage ich es dem Kinde? Siehe oben. Subtilität war noch nie so meine Sache.  Und watt soll ich sagen: Nix so schlecht, dass es nicht irgendwo gut für iss.( ©unser Omma, wissta ja ) .

So schnell hab ich das Kind noch nie aus dem Bett springen sehen. Wobei Springen wirklich wortwörtlich gemeint ist. Tjanun. Als Trost hatte ich nur den übelst hinkenden Reagan-Vergleich anzubieten. Es war und blieb ein Tag der Fassungslosigkeit. Auf Twitter und Whatsapp machten unzählige Bild-Montagen und Witzchen die Runde, irgendwie muss sich das schockierte Bildungsbürgerherz ja abreagieren und sein "Wir fühlen uns so klug und sind auf der Seite der Guten Gefüh"l ja wiederherstellen. Weltweit jubelten rechtsgerichtete Politiker und pöbelten alle anderen, was die Kinderstube nur so hergab. Sehr produktiv.  Nicht. Die Medien waren hilflos. Zugegebenermaßen, die Schlagzeile " Merkel mahnt, Mexiko mauert, Vatikan betet" im Handelsblatt fand ich auch noch einigermaßen gelungen. Allerdings eben nicht zielführend oder hilfreich. Der einzige Aufmacher, ,der mir wirklich aus dem Herzen sprach, war der unserer famosen Revierpassagen:

         
Wer zwischen den nicht vorhandenen Zeilen lesen mag, der liest das, worauf ich hier noch hinaus will, nämlich das bewährte Motto "Don't feed the trolls" ins real life zu übertragen.  (Und - um kurz zu something totally different zu wechseln - er liest die Schlagzeile, die sich da diese Rezensentin ausgedacht hat, um sich mal wieder einen gepflegten Verriß zu gönnen. Ist übrigens vielleicht gar nicht so totally different, geht auch da um Manierismen eines klugen, aber narzistischen Kopfes )

Ok. Gut. Nehmen wir den roten Faden wieder auf, dessen Fehlen ich andernorts ja so gerne zu bemängeln pflege. Es verging also der Tag. Trump war das Gesprächsthema Nr. 1. Egal, wen man traf. Selbst unter Schulkindern morgens im Bus. Die sich allerdings nicht einmal einig waren, ob der aktuelle Präsident von Amerika (sic) Obama oder Putin heißt. Willkommen im Bildungsniveau unseres Landes. Das sind die Wähler von morgen. Auch egal, was man las. Ich jedenfalls las wenig Konstruktives. Um genau zu sein: Es waren genau zwei konstruktive Beiträge zu den Ereignissen, die bis zu mir durchdrangen. Einen Beitrag, der sich die Mühe machte, Fakten zusammen zu tragen, bekamen wir dankenswerterweise im hauseigenen Intranet an die Hand. Für den anderen zeichnete Christian Lindner, FDP, verantwortlich, der sich als einziger Politiker ebenfalls der Mühe der Faktensammlung unterzog und zumindest erste Antworten gab. Ansonsten nur Polemik auf breiter Front. Oder Verharren in Schockstarre. Selbst der Ruhebewahrer mailte mir nur ein beredtes "Boot-Marrekrite".

Womit wir beim day after wären. Hilflosigkeit hat die Polemik abgelöst. Und Selbsterkenntnis. Ob allerdings als Weg zur Besserung wird sich noch weisen müssen. Denn dass selbst die NY-Times sich nicht entblödete, zu titeln, die Zeit für unabhängigen Journalismus wäre gekommen, lässt nicht nur mich mit einer Menge Fragezeichen zurück. Wo war denn der unabhängige Journalismus vorher? Schön, dass es mal einer zugegeben hat. Aber immerhin - man bemüht sich, zu verstehen. Und da gibt es einiges, was zu verstehen nicht einfach ist.

 Zu allererst muss man mal verstehen, dass Mister Trump ein Narzisst wie aus dem Bilderbuch ist. Und ich kann Euch aus eigener Erfahrung sagen, das geheime Supertalent von Narzissten besteht darin, zu manipulieren. Und zwar so geschickt, dass es schon einer ganzen Menge Nerven, Abgeklärtheit und Lebenserfahrung bedarf, um solcherart manipulative Mechanismen zu durchschauen und sich dagegen zu stemmen. Trump hat eines ganz klar erkannt: Er wusste, dass seine Anhänger übelst beschimpft und verachtet werden würden. Anstatt dagegen anzugehen, hat er das befeuert. Und alle, wirklich alle - Politiker, Medien, Stars - haben ihm den Gefallen getan und sind in diese Falle gegangen. Anstatt auf andere Weise zu versuchen, die Menschen zu erreichen, haben sie sich im Wähler- und Trump-Bashing verausgabt. Was Trump die einzigartige Möglichkeit gab, ein Wir-Gefühl zu erzeugen. Welches schließlich so stark war, dass es jeder Erschütterung standhielt. Natürlich hat das keine einzige Umfrage vorhergesagt. Hat sich ja kaum einer getraut, offen zuzugegeben, dass er für Trump war. Aber er hat im Geheimen gedacht: Wiegt Ihr Euch mal in Sicherheit, Ihr werdet schon sehen....  Und gesehen haben es erst alle am so geschichtsträchtigen 9. November.

Dazu kommen die Geister, die wir riefen. Jahrelang haben wir auf die Nichtwähler geschimpft. Das war auch in den USA nicht anders. Es hieß immer "Nicht wählen heißt rechts wählen". Das habe auch ich immer so gesagt und gedacht. Wir lagen falsch. Nicht wählen hieß für diese Klientel wohl, Nicht wählen heißt nicht rechts wählen. Die linke hat keine Lösung und keine Alternative für die sozial Abgehängten und die, die Angst davor haben, angeboten. Nun suchen sie die Lösung rechts. Das ist übrigens nicht neu. Das hatten wir schon mal. Dass die Linke der beste Wahlhelfer der Rechten war. Sehet die Zeichen.

Noch ist Zeit in diesem Land, noch kann etwas getan werden, um die Menschen, die sich abgehängt oder von diversen mehr oder weniger diffusen Ängsten bedrängt fühlen, die sich nicht länger von selbstherrlichen selbsternannten Besserwissern gängeln lassen wollen, die sich angezogen fühlen von der Macht des Faschismus, die nicht über bildungsbürgerliches Verständnis verfügen, die nicht intellektuell, intelligent oder whatever sind, mitzunehmen. Denn sie alle sind wahlberechtigt. Mit Arroganz, Überheblichkeit oder Gängelei wird sie man nicht erreichen. Es wiegen sich viel zu viele in der Sicherheit des "Ich weiß es besser, ich gehöre zu den Guten" und übersehen, was um sie herum passiert. Weil sie nicht hinsehen. Es nicht sehen können, es nicht sehen wollen, meistens aber, weil sie gar nicht auf die Idee kommen, über ihren Tellerrand hinaus mal irgendwo anders hin zu sehen. Kaum einer derer, die sich jetzt empören, kommt auf die Idee, dass es ganz ganz viele gibt, denen es nicht so gut geht wie ihnen selbst.

Ich möchte gar nicht wissen, wieviele in Deutschland klammheimlich mit Trump sympathisieren. Bzw. mit dem, was er für sie verkörpert und von dem sie denken, dass es an der Zeit ist: Protest. Egal, wie blind diese Art des Protestes ist. Und es wird nichts helfen, wenn sie lesen, wie sie beschimpft werden.  Auch wenn die Empörung und das Nicht-Verständnis über Wählerverhalten absolut verständlich sind. Es wäre klüger, die Trolle nicht zu füttern. Denn genau das spielt denen in die Hände, die es einfach nicht werden dürften. Der selbsternannten sogenannten Alternative hierzulande zum Beispiel. Und ja - es ist dringend Zeit für Protest. Aber statt einfach das fast food anzureichen, welches geschickt Manipulierende generieren wollen, sollte man wirklich Nahrhaftes und Bekömmliches anbieten. Es muss etwas geschehen.

Ich konnte gestern sehr schlecht einschlafen, obwohl ich ewig lang wach war. Als Einschlafhilfe durften wie so oft die begabten Jungs von Bastille fungieren. Und kurz bevor ich wegdämmerte, dachte ich, so wird es sein, wenn es ganz schlimm kommt. Wenn nichts geschieht.

Things we lost to the flames
Things we'll never see again
All that we've amassed
Sits before us, shattered into ash
These are the things, the things we lost
The things we lost in the fire  .

(©Bastille -  Things we lost in the fire)

Glückauf für die, die dagegen angehen oder anschreiben. Vielleicht ist es noch nicht zu spät.  Die Hoffnung stirbt zuletzt.

( Ich wünsche allen ein schickes Wochenende. Für mich war es das blogtechnisch diese Woche. Ich habe feddich mit schönschreiben und auch von Statistiken habe ich diese Woche mehr als genug. Auch von denen, die ich selbst fälsche )


Freitag, 4. November 2016

T.G.i.F. - Silly in Münster. Und auf Schalke anscheinend auch

Tach auch Liebeleins. Und? Habta alle watt Schicket angefangen mit der zusätzlichen Stunde? Wir haben die Uhr denn doch auch mal umgestellt. Auch wenn der Ruhebewahrer meinte, es nicht zu tun, würde das Zusammenleben mit dem Studenten wahrscheinlich um einiges erleichtern. Ich nutz die Stunde dann mal jetzt und gönne Euch und mir noch ein TGiF, bevor die nächsten Wochen noch knubbeliger werden.

Hier im Hause kehrt gerade Ruhe ein. Nach einem Ultra-Kurz-Besuch des Juristen und Freund, die gestern äußerst erfolgreich den Mann, der nie schreibt inne Arena vertreten haben und im 12-Std.-Übernachtung-mit-HP-Aufenthalt mehr Chaos angerichtet haben im Palais als wir in einer Woche nicht. Es schien Freibier gegeben zu haben auf Schalke - Mann, waren die hackenstramm. Und ich hab die Kopp-Pinne heute. So geht Mutterliebe. Tjanun.

Es war einiges los in den letzten Tagen. Nix mit allerheiliger Ruhe. Das Wochenende startete mit Küchenparty bei Schwager und Schwägerin in launiger Runde und steigerte sich zu äußerst genussvollen Momenti Italiano in bewährter Her-Do-Re-Runde. Und falls jemand mitgelesen hat - nein, wir waren nicht im Pyjama, allerdings war meine Handtasche selten aufgeräumter. Und wir lernten: Manche fahren nur mit Logopädin in Urlaub - wenn sie Cointreau bei hat.

Schon gut. Sorry. Schluß mit Krytik. Aber klarer hatte ich es gerade nicht. Ich bin ja nicht Niedersachsen. Halloween kam und ging. Es feierte hier nur ein zum Metzger mutierter Endlich19 und ein paar weniger als die letzten Jahre Kiddies, die sich angesichts der grimmigen Miene des Ruhebewahrers nicht mal mehr "Süßes oder Saures" zu brüllen trauten, sondern ängstlich ein "Äh, hallo ich bin der Henning" an der Tür wisperten. Soviel Höflichkeit wurde selbstredend belohnt. Trotzdem blieb ziemlich viel Süßes übrig. Bömsken anyone?



Die Woche ging Freund-ig weiter. Den Feiertag nutzten wir mit der Wahlfamilie in 9600 Schritten durch die Gruga. Das Wetter trotzt hier ja durchaus den Vorhersagen und präsentiert sich erträglich. Sogar eine größere Radtour über alte Zechenbahnen war noch drin.  




War sonst noch was? Aber sowas von! Mitte Woche wurde es silly. Es scheinen die Wochen der einzulösenden Geburtstagsgeschenke zu sein. Zunächst jedoch nutzten der Gatte und ich einen spontan freien Tag und lernten, dass Ochtrup nicht nur ein Fluß ist, der sich in den Graben hinter Huchting ergießt, sondern auch ein recht nettes Örtchen im Westfälischen mit kuscheligem Outlet. Danach noch ein Abstecher in den naja Hafen der westfälischen Metropole und dann ging es in Münsters von uns echt gerne besuchte Music Hall Jovel. Immer wieder nett dort. Und gar nicht silly.

Aber eben mit Silly. Und was soll ich sagen? Es war richtig, richtig gut. Besser, als wir vorher erwartet haben. Wenn man mal von der Vorband absieht, die - anders kann ich mir die Texte nicht erklären - wohl beim Phrasendrescher-Bingo gewonnen hatten. Das musste Silly erstmal wieder rausreißen. Und das taten sie. Die ja doch auf ihre Art legendäre Band hat die Hall richtig gerockt. Genau SO geht ein richtig gutes Club-Konzert. Wie gesagt - ich war vorher skeptisch. Warum auch immer. Silly ist jetzt nicht zwingend die Band, die ich rauf und runter höre, eher so ab und zu mal ganz gerne. und wenn sie nicht ausgerechnet im wie gesagt bei uns echt beliebten Jovel gespielt hätten, hätten wir das jetzt auch nicht zwingend auf unsere Agenda genommen. Aber es war klasse, würden wir tatsächlich auch noch ein zweites Mal hingehen.

Die Jungs von Silly sind richtig, richtig gut, man merkte an Solis und etlichen neuen Interpretationen ihrer Stücke, dass Rockmusik das ist, was sie machen wollen und auch äußerst gut können. Da standen Musiker auf der Bühne, die Spaß hatten und vor allem ganz bei sich waren. Und das gilt auch ganz ausdrücklich für Frontfrau Anna Loos. Wirklich nix mit Rockmusikerin-Darstellerin, wie manchmal abfällig zu lesen ist. Wir fanden, sie hat toll gesungen, kam authentisch rüber, war ebenfalls ganz bei sich und hat sich -wenn angesagt- auch gut zurückgenommen. Passt prima. Für mein Empfinden haben sich da zwei sich kongenial ergänzende Parts gefunden. Und mein ausdrücklicher Respekt für den elektro-akustischen Part. Fand ich nicht nur gut, sondern auch mutig. Vor allem, wenn man in diesen Part zwei der doch bekannteren Hits der Band mit reinpackt. Muss man erstmal bringen.  Und ich bring Euch jetzt die natürlich ebenfalls kongeniale

Statistik: 

Aktion der Woche:  Als ich zehn war. Eine Blogparade.   
Gewissensfrage der Woche: Wenn Ihr im Supermarkt die Wahl habt zwischen 
dem Tee " innere Ruhe", "Seelen-Harmonie" und "Winterwonne"
 - welchen Rotwein kauft Ihr dann? (©Julia Singlesias auf Twitter) 
Bedauern der Woche: Man sieht sich viel zu selten 
zweimal im Leben (©Gurkenfaerber auf Twitter) 
Unternehmung der Woche: Sich jetzt schon einen Schokolade-Adventskalender kaufen
 und den Inhalt sofort komplett inhalieren. - Die Zeitreisen des 
kleinen Mannes. (©Grantscheam auf Twitter) 
Mahnung der Woche: Alle reden von Halloween. Niemand sieht die richtigen 
Probleme. Es ist November, Leute. November! (©SimiSchalke auf Twitter) 
Feststellung der Woche: In meinem Schrank hängt Kleidung für
 7 Frauen, 5 Größen und 6 Jahreszeiten. 
Nur für mich ist nichts dabei. (©Madame de Larenzov auf Twitter) 
Angebot der Woche: Ist das denn auch ein Nichtraucher-Auto? - 
Ich hab es jedenfalls nie dabei erwischt. (©Stanbuyme auf Twitter) 
Beschwerde der Woche: Kein Wunder, dass NRW die meisten Einwohner hat. 
Hier werden regelmäßig Autobahnen gesperrt. 
Wie soll man da auch raus kommen? (©MeinolfsSchwester auf Twitter) 
Sport der Woche: Lift ist immer noch kaputt. Wenn man mich fragt, 
was ich heute gemacht habe, sage ich: 
" Den Müll runtergebracht." (©Spieler7 auf Twitter) 

Allen ein schickes Wochenende. 
Macht keinen Sport, den ich nicht auch machen würde. 

Wie immer gilt: Wer Tippfehler findet, kann sie behalten. 
Links auf Nachfrage