Sonntag, 3. Juli 2016

Serientipp der Woche: Marseille

"Marseille" ist das erste französische Serienprojekt von Netflix. Die Hauptrolle des Bürgermeisters Robert Taro hat Gérard Depardieu übernommen. Dieser Robert Taro ist seit 20 Jahren Bürgermeister der großen französischen Hafenstadt, um die sich viele Legenden ranken, hauptsächlich Legenden, in denen die Mafia auftaucht.

Taro wollte sich eigentlich zurückziehen und das Zepter an seinen langjährigen Protegé übergeben. Doch dieser stellt sich gegen Taro und entlarvt bei einer Abstimmung zum lange geplanten Casino-Projekt im neuen Hafen sein wahres Gesicht. Taro fühlt sich verraten und sieht sich gezwungen, noch einmal zur Wahl antreten zu müssen.

Zu den politischen Ränkespielen gibt es jede Menge Glamour und Erotik. ( Immerhin soviel Erotik, dass man sich ernsthaft fragen darf, wieviel von der Handlung übrig bleibt, wenn Netflix das Amiland-kompatibel schneidet ) Da ist Taros junge Tochter mit geheimen Beziehungen zur Unterwelt, in ihrer Wohngemeinschaft geht es äußerst freizügig zu. Da sind ehemalige Weggefährten, die sich mal auf die ein oder andere Seite stellen, machthungrige Frauen, die alles einsetzen und und und.

Marseille wurde in Frankreich von den Kritikern einmütig verrissen und in Bausch und Bogen verdammt. Ich kann die kritischen Ansätze nachvollziehen, ihnen aber nicht in Gänze folgen.  Sollte Netflix die Absicht gehabt zu haben, eine europäische Entsprechung von House of Cards zu bieten - das hat nicht so ganz geklappt.

Sollte Netflix aber nur die Absicht gehabt zu haben, eine unterhaltsame Serie zu bieten - das hat prima geklappt. Man kann es sich gut ansehen, im guten Sinne mutet Marseille altmodisch an. Es erinnert an frühe Simmel-Verfilmungen in zeitgemäßer Technik mit schnellen Schnitten. Marseille ist sicher nicht für jeden etwas, wer aber sich gerne einfach mal in eine glamouröse Welt entführen lässt, ist mit dieser Serie nicht schlecht bedient. Depardieu spielt mit viel Herzblut, von der bräsigen Gleichgültigkeit, die man ihm in letzter Zeit öfter nachsagte, ist in Marseille jedenfalls nichts zu spüren.

Marseille ist ausschließlich bei Netflix zu sehen.

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