Dienstag, 6. Mai 2014

Kolumbiniade - die Assigen auffem Wasser

Holland, Du hast es besser. Deine Wolken sind schöner, Deine Sonne klarer, Deine Wasser einfach mehr Meer, Deine Bürger entschleunigter und entspannter (wo sonst treffen beim morgendlichen Steinbeißer-Jagen autofahrende Klompen-Opas auf friesische Mathematik-Genies ?), Deine Gewerbegebiete sind schicker, Deine Kreisverkehre überaller und ausgefallener, vor allem auf Brücken und Autobahnen, Deine Rasenmäher komfortabler, Deine Sanitäranlagen höher, Deine Hasen bekiffter und Dein Essen liebevoller angerichtet. Dieser meiner Einsicht, dass die Welt jenseits des Pommesäquators besser zu uns passt, schlossen sich letzte Woche im lange herbeigesehnten langen Wochenende auch das Engelchen und der Drachentöter an. Es war soweit. We did it. The Kolumbiniade of the year. Die Assigen auffem Wasser. 
Die Assigen auffem Wasser
 
Ich nehme das Fazit vorweg: Es war ein Träumchen, ein absolutes Träumchen. (dies bitte #ausGründen schwul/nasal aussprechen, danke) Obgleich - nicht alles ist blogbar, manches fällt unter die abgewandelte Alt-Amsterdamer Weisheit: What happened in Holland, stays in Holland. So sorry. Schon die Fahrt begann im Wellness-Ambiente. Kuscheldecke für die Damen (diese sollte unser ständiger Begleiter werden), Erdbeertörtchen zum Frühstück. Törtchen wohlgemerkt, die noch besser schmeckten als sie aussahen und sie sahen schon verdammt gut aus. Kleiner Schatten im Blick während der Fahrt: eiligst abgemähte Tulpenfelder und eine Operation an der offenen Hose. Diese fällt allerdings unter What happened in...stays in, Ihr wisst schon. Sorry und so.
Die zwei von der Kuscheldecke Enkhuizen Hard working men Friesland
 
Die Fahrt an sich war ein Umweg. Ein großer sogar. Aber einer mit voller Absicht. Schließlich waren wir ja auf Wasser-Erkundungstour und bejubelten alles Wässrige von der der kleinsten Pfütze bis zu den holländischen Meeren. Vom Veluwemeer kreuzten wir zum Ijsselmeer mit begeisterndem Stop im alten Piratennest Enkhuizen, wo sich alle gleich meiner niemals endenden Begeisterung für alt-holländische Plattbodenschiffe anschlossen. Traumgrundstücke, Nirwanas und eine hündische Schrecksekunde später enterten wir dann die Strasse der zwei Meere, den berühmten Abschlussdeich.
Panorama Abschlussdeich Holland
Wir winkten der Nordsee ein kurzes "Hallo, wir haben Dich lieb" und der Drachentöter mischte sich unter die working class heroes. Immer wieder sensationell, diese Strasse. Man kann sie noch so oft fahren. Nur der Deich zur See, der ist irgendwie seit dem 26.04.1986 gewachsen. Genauer wollten wir es lieber dann doch nicht wissen.
Welkom bij de Hart van Friesland Um den Sonnenbrand kümmern wir uns morgen
Am Nachmittag waren wir dann da, im Herzen von Friesland. Ein großes Schild inmitten eines aus der Zeit gefallenen Dorfes gab uns sofort Bescheid: welkom bij de hart van Friesland. So heißt die Marina, die uns beherbergte und Nomen war omen. Wir waren sofort begeistert. Unser Appartement war wie das Erdbeertörtchen. Sah in echt noch viel besser aus als im Katalog und da sah es schon großartig aus. Große Empore fürs Schlafgemach, gemütlicher Salon für Kuscheldecken-Abende, ein Ausblick, der jedes Fernsehprogramm in den Schatten stellt, ein kleiner Garten direkt am Kanal, und immer wieder vorbeigleitende Schiffe mit und ohne Segel, mit und ohne Plattboden. Der einzige Weg, diesen Tag stilsicher abzuschliessen: in einer aus der Zeit gefallenenen Kneipe bei Patat, Frikandel und Kroketjes stilsicher ab. Ein Träumchen, dieser Tag, ein Träumchen.
Schöner als Fernsehen Kuscheldecke, was sonst
Am nächsten Morgen gab es dann leider einen kleinen Schatten im Blick wegzublinzeln, aber auch dieser fällt in die Kategorie what happened in...stays in...Sorry und so. Jedenfalls führte das dazu, dass der Drachentöter und ich eine very special Challenge zu accepten hatten. Selbstredend bravourös gemeistert unter Aufbietung unserer vereinten Kernkompetenzen: Ich demonstrierte Souveränität bei völliger Ahnungslosigkeit samt ins Gesicht gemaltem Lachen, der Drachentöter gab den schienenerprobten Trabbifahrer und mit diesen weithin unterschätzten Talenten eroberten wir tatsächlich das Herz eines knorrigen Reeders und letztendlich unser Schalüppchen.
Last picture before Captains, meine Captains Kuscheldecke - mal wieder Das wilde Meer
Bei soviel Engagement ließ sich auch das Wetter nicht mehr bitten. Nicht nur, dass es nach wie vor nicht ein Tröpfelchen regnete, auch die Sonne zeigte sich dank Wind, viel Wind, ein Sturm kommt auf, immer mehr. Der Drachentöter mutierte im Laufe der Zeit zu Cpatain Sparrow, das Engelchen und ich zu veritablen Squaws. Aber das war es uns wert. Nur der Ruhebewahrer wurde sofort braun. Kalt war es dennoch. Der Wind eben. Aber dagegen gibt es ja Kuscheldecken. Auch auf dem Schalüpchen. Dreischichtig angezogen eroberten wir  die wie Everglades anmutenden Kanäle, bestaunten Naturschutzgebiete, Moore, Vogelinseln und Windmühlen amerikanischer und holländischer Couleur. Der erste Test auf dem nahegelegenen Sneekermeer fiel etwas wellig und nass aus, so dass wir am ersten Tag uns auf die Kanäle beschränkten und sehnsüchtig die dollen Wohnanlagen bestaunten, wo die Anwohner statt Auto ein Boot vor der Haustür liegen haben. Ein Träumchen, dieser Tag, ein Träumchen.
Ami-Mühle in NL Wer hat mich nassgespritzt?
Es zeigte sich, dass Drachentöter nicht nur gute Lokomotivführer sind, sondern auch naturtalentierte Bootsführer. Es wurde gekratzt, was kratzenswert war. Meer, Pfahl - alles egal. Gut, dass der Ruhebewahrer die Ruhe bewahrte und das Lenkrad zumindest für die - immer besser werdenden - Anlegemanöver übernahm. Die Einreihung in die Kategorie Warmduscher, Vorwärts-Einparker, Kanalfahrer ließ der beste Lokomotivführer der Welt natürlich nicht auf sich sitzen und arbeitete für den zweiten Tag auffem Wasser eine ui-ui-ui- Route aus. Ein komplettes Sneekermeer inclusive Wellen, Sturm und lostiger Insel ohne Berge mit anschießender Rückrundreise auf dem ganz großen sehr beeindruckenden Kanal. Ein Träumchen, auch dieser zweite Tag auffem Wasser, ein Träumchen.
Eine Insel  Kanalfahrer
Des Abends standen dann vor dem kombinierten Mama-Engelchen-Cocktail und Whisky-Tasting Besuche in den Ortschaften Sneek und Heek an, die wie nicht anders zu erwarten, eine erhöhte Kibbeling Suchtfreqeunz nach sich zogen. Wunderschön sind diese kleine Orte. Fast wie Venedig, nur kälter. Sneek machte uns vorab schon heiß mit der Aussicht auf Klein-Amsterdam und nach einem wunderbaren Diner in de Walruss überzeugten wir uns selbst. Sagen wir es so: Das Rotlicht-Viertel kann in punkto große Aufreger nicht ganz mithalten, aber für kleine An- besser gesagt Abregungen reicht es allemal. Ein Träumchen, dieser Tag, ein Träumchen.
Sonnenuntergang Sneek
Zu vermelden wäre noch die wundersame Wandlung vom Drachentöter zum Entenflüsterer. Auch eine Karriere. Aber bitte - was dem Barney Stinson sein Broover ist dem Drachentöter doch sein Brerpel. Klaus hieß er übrigens. Also der Brerpel. Nicht der Drachentöter. Seine Brut kam auch nicht zu kurz. Womit wir wieder bei der Entschleunigung wären. Wo sonst kommen Brerpels und Brüken so nahe und wo sonst kann kann man völlig entspannt einen Abreisemorgen verchillen. Dank unserer tiefenentspannten Vermieter " macht ma rustig" brauchten wir erst gegen Mittag das Paradies verlassen.
Abschiedsessen  Fütterung der noch-nicht-Raubtiere Der Entenflüsterer
Vor der endgültigen Heimkehr am Sonntag gab es noch einen Abstecher samt Abschiedsessen im holländischen Kampen und leider keine Gelegenheit zum Drachentöten mehr. Der Drachen blieb als einzigstes ungenutzt in diesem Urlaub. Eifrigst genutzt hingegen wurde die mitgeschleppte professionelle mediale Ausrüstung. Legen- wartet kurz - däre Fotos haben der Drachentöter und das Engelchen mitgebracht, darunter diverse aus der Kategorie last picture before. Eine kleine best of Auswahl findet Ihr in den G+ Alben von Engelchen und dann hätten wir auch noch ein Meisterwerk zu bieten: den besten Holland Film ever, ever, ever, geschnitten und proudly presented by Drachentöter. Klick hier rüber zu youtube.
Um es mit einem holländischen Slogan zu sagen:
So iss datt und so blijft datt. Begrijpt datt.
Ein Träumchen, diese Tage, ein absolutes Träumchen.
Copyright der Fotos in diesem Bericht und den verlinkten Seiten liegt beim Drachentöter und dem Engelchen.