Es war ein langer Weg von der Matrix 2003 ins RuhrCongress Center 2010.
Für die Fans der ersten Stunde, zu denen auch meine Freundin gehört, in deren Begleitung ich u.a. dieses Konzert erleben durfte als auch für den Grafen, für den der verdiente Erfolg damals noch "in weiter Ferne " lag. Über 4000 Konzertbesucher, eine Einlaßschlange, die uns fast bis vor die Tore des Rewir-Power Stadions führte, eine große Halle ausverkauft, wie auch die meisten der noch folgenden Konzerte.
Angeheizt durch "Zeromancer" und "Diary of Dreams" erhöhten Unheilig vor ihrem Auftritt die Spannung mit Einspielern a la "Reeperbahn" und den regnenden roten Rosen der Hilde Knef. "Mir sollen sämtliche Wunder begegnen". Und Wunder begegneten uns nach der Eröffnung in "Seenot".
Konsequent folgten Unheilig auch beim Konzert dem Weg ihres Konzeptalbums "Grosse Freiheit", schenkten uns ein Wunder, nahmen uns mit "Abwärts", übers "Meer", zwischenzeitlich auch "Unter Feuer" und in ferne Galaxien aus früheren Alben. Unter der Flagge des Grafen tanzten und sangen wir, verharrten aber auch andächtig bei den ruhigeren Balladen. Unheilig live schenkt uns noch intensiver eine Musik, in der man sich verlieren kann. Stücke, von denen man sich wünscht, dass sie niemals enden. Die ruhigen Stücke berühren noch tiefer, die schnelleren, härteren machen live noch mehr Spaß. "Abwärts" live war nicht nur für uns ein Höhepunkt, auch der Graf hatte sichtlich Spaß, dass dieses Stück live gegenseitig so gut funktionierte. Sehr geil live auch "Ich gehöre mir". Manchmal kann Mitgröhlen durchaus ein katharsische Wirkung haben. Obwohl die Halle ausverkauft war, hatten wir genug Platz, um eine andere Vermutung bestätigt zu bekommen. Unheilig ist super tanzbar. Ich mag ja eh Musik, die vom Rhythmus nach vorne getrieben wird und davon hat Unheilig genug zu bieten. Als ausgesprochen positiv und wohltuend empfand ich auch, dass Unheilig klugerweise darauf verzichteten, die Show zu überfrachten. Ein Schiff als Erhöhung der Bühne im hinteren Drittel, die Kerzenleuchter und Video-Leinwände, das war es auch schon. Lenkte nicht vom Wesentlichen ab. Der Musik und natürlich der Bühnenpräsenz und der Ausstrahlung des Grafen, dessen "Lampenfieber" zu Beginn genauso ersichtlich war wie seine ehrliche flaggenschwenkende Dankbarkeit an sein Premierenpublikum.
Wenn wir überhaupt etwas zu meckern hatten, dann dass uns der Heimatstern , das Sternbild und das Spiegelbild gefehlt haben. Und die Setlist hätten wir etwas umgestellt. Die "grosse Freiheit" ist zwar titelgebend, aber leider nicht DER grosse Wurf. Da waren wir uns einig, uns hätte es besser gefallen, diese eher abgefrühstückt zu haben, dafür die Knaller wie Abwärts, Lampenfieber und Maschine weiter nach hinten zu rücken.
Bevor ich hier zum Ende komme, sei mir ein Sidestep gestattet. Ein Wort an die selbternannten Wächter der gräflichen Authenzität, die derzeit in diversen Foren und Kommentaren in einer Mischung aus Neid und Trauer um verlorene Exclusivität die neue unheilige Massenkompatibilität bejammern:
Man muss auch gönnen können. Dem Grafen den Erfolg. ER will ihn nämlich. Und den neuen Fans diese wunderbare Musik. Ich bin mir sicher, dass der Graf er selbst bleibt und die neuen Fans die Ehrlichkeit seiner Musik schätzen und respektieren. Seht es doch mal so: Ihr habt Unheilig entdeckt und so weit getragen. Seid stolz darauf und freut Euch mit .
Abschliessend gönne ich Euch und mir den berührendsten Augenblick des Konzertes. Mögen Unheilig lange an unser aller Seite sein.
Quelle der Videos: www.youtube.com